Klassische Automobile
Inzwischen dürften etwa 100 Jahre vergangen sein, seit das erste Automobil durch Reutlingen fuhr. Fabrikanten und Ärzte waren in Reutlingen mit die Ersten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Wechsel von der Pferdekutsche zum Automobil vollzogen. Sie verfügten entweder über die finanziellen Möglichkeiten oder waren, wie im Fall der Mediziner, darauf angewiesen, Patienten auch im weiteren Umkreis zu betreuen. Um 1911 waren 32 Autos (19 von Fabrikanten, darunter eine Frau), 8 Lastkraftwagen und 17 Motorräder in der Stadt zugelassen. Das erste Kennzeichen III K 301 im Oberamt Reutlingen wurde übrigens an Professor Otto Johannsen vom Technikum für Textilindustrie vergeben. Während sich zunächst viele ein Auto aus finanziellen Gründen nicht leisten konnten, wurde in den 1920er Jahren durch neue, kleinere Modelle zumindest für Selbständige und Firmen eine eigene Motorisierung möglich. Die Stadtverwaltung Reutlingen kaufte Ende 1924 für 13.000 RM ihren ersten Personenkraftwagen. Aus Rentabilitätsgründen – die Nutzungshäufigkeit stand in keinem Verhältnis zu den Kosten – veräußerte man ihn aber acht Jahre später wieder.
Erst die Nationalsozialsten propagierten mit dem billigen „KdF-Wagen“ das Automobil für breite Bevölkerungsschichten. Der Volkswagen wurde tatsächlich gebaut, er lief allerdings als „Kübelwagen“ für die Wehrmacht vom Band. Seit den 1960er Jahren überrollte dann eine Motorisierungswelle Deutschland und erfüllte den Traum vom eigenen Fahrzeug. Heute sind in Reutlingen mehr als 61.000 PKWs gemeldet.

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