Anträge der SPD-Fraktion zur Schulpolitik:

Bericht des Reutlinger Generalanzeigers vom 06.08.2011

Bildung - G 8 oder G 9? Gemeinschaftsschule oder nicht? Die SPD will einen Überblick über den Stand der Diskussionen

Reutlingen

Die Zukunft der Reutlinger Schulen

REUTLINGEN. Fast beschwörend hebt Helmut Treutlein beide Arme, seine Augen werden groß, als er schließlich mit eindringlicher Stimme anhebt: »Wir wollen, dass die Menschen merken, sie sind gefordert. Sie sollen nicht nur darauf warten, bis von oben etwas verordnet wird.« Man merkt, dass dem Mann das Thema am Herzen liegt, das er da mit solch einer Emotion zu vermitteln versucht. Dabei ist es nicht etwa eine prall gefüllte Stadthalle, die er da in seinen Bann zu ziehen versucht, sondern es sind gerade mal ein paar wenige Lokaljournalisten, die eifrig jedes Wort Treutleins mitnotieren.

Treutlein ist genau der richtige Mann für dieses Thema. Zum einen ist er der Vorsitzende der SPD-Gemeinderatsfraktion, zum anderen Rektor der Tübinger Pestalozzischule. Und er spricht über die Bildungspolitik, wie sie im Koalitionsvertrag der grün-roten Landesregierung vereinbart wurde und darüber, wie diese Vorgaben in Reutlingen umgesetzt werden können.
 

Fast schon revolutionär

So haben die SPD-Gemeinderäte eine Anfrage an Oberbürgermeisterin Barbara Bosch gestellt, um zu erfahren, an welche Reutlinger Schulen bereits über die Beantragung einer Gemeinschaftsschule mit gemeinsamem Lernen bis zur Klasse 10 gesprochen wird und ob es möglicherweise sogar schon konzeptionelle Überlegungen dieser Art gibt. Außerdem will die SPD wissen, ob und welche Gymnasien über eine Wiedereinführung des neunjährigen Zuges (G 9) nachdenken.

Das bildungspolitische Paket, mit dem SPD und Grüne in den Landtagswahlkampf gezogen waren, barg eigentlich eine ganze Menge Sprengkraft in sich, schließlich ist gemeinsames Lernen bis zur 10. Klasse fast schon als ein revolutionäres Ansinnen zu bezeichnen. Jedoch wurde dieser Aspekt weitgehend von der Atom-Debatte nach Fukushima und der Diskussion über Stuttgart 21 überdeckt.

Reutlingen sei nicht nur eine Kultur-, sondern auch eine Schulstadt, und um den Bildungsstandort Reutlingen in der Zukunft noch zu stärken, müssten die Schulen sich frühzeitig wappnen für die Herausforderungen der grün-roten Bildungspolitik, erklärte Treutlein, flankiert von seinen Fraktionskollegen Sebastian Weigle und Thomas Keck.

In Reutlingen gebe es zwar viele gute Schulen, so Treutlein, aber eben doch auch einige, bei denen der Bedarf nach Veränderung vorhanden sei. Und diesen gelte es, herauszufinden. Genau das bezwecke die SPD-Fraktion mit ihrer Anfrage, die die Stadtverwaltung dazu bewegen solle, quasi einer Erhebung in Angriff zu nehmen.
 

Nicht von oben angeordnet

Dadurch wiederum, erklärte der Sonderschulrektor, soll eine Diskussion an den einzelnen Schulen angeregt werden - wenn sie denn nicht schon längst in Gang sei - wie die grün-roten bildungspolitischen Vorgaben an den jeweiligen Schulen umgesetzt werden könnten. Denn anders als bei der bisher gängigen Methode solle das nicht von oben - sprich von der Politik - aufgezwungen werden. Die Schulen selbst sollten sich eine Meinung bilden, inwieweit sie etwa als Gemeinschaftsschule fungieren wollen und in welcher Form diese Vorhaben umgesetzt werden können.

Und Gymnasien sollten sich selbst darüber klar werden, ob sie mit G 8 weitermachen oder lieber zum G 9 zurückkehren wollen. »Unser Ziel ist es«, so Treutlein, diese Diskussionen in Gang zu setzen. (oje)

 

Bericht der Reutlinger Nachrichten vom 08.08.2011

Autor: PETERU. BUSSMANN | 08.08.2011

SPD setzt Impulse in der Bildungspolitik Anfragen sollen schulische Konzepte fördern

Reutlingen.  Den Wandel in der Bildungslandschaft im Sinne der Landesregierung vorantreiben will die SPD-Gemeinderatsratsfraktion vor Ort mit zwei Anfragen.

"Bildung braucht Vertrauen und Perspektive", betont Helmut Treutlein, Förderschulrektor und Vorsitzender der SPD-Fraktion im Reutlinger Gemeinderats. Vertrauen und Perspektive, das habe die alte Landesregierung mit ihrer Bildungspolitik "von oben" nicht vermittelt, sagen die Sozialdemokraten. Hauptschüler haben keine Perspektive, deshalb seien der Hauptschule "die Schüler davongelaufen". Mit der grün-roten Regierung soll nun alles anders werden.

Statt von oben verordneter Bildungspolitik heißt es im Koalitionsvertrag: "Gute Schule wächst von unten. Viele Kommunen haben bereits Anträge auf die Genehmigung von neuen Modellschulen, die Kinder länger gemeinsam lernen lassen und besser individuell fördern, gestellt oder beabsichtigen dies zu tun. Wir setzen auf die Innovationskraft der Schulentwicklung von unten. Das Engagement der Bürgerinnen und Bürger, Schulträger, Kollegien, Schülerinnen und Schüler und weiteren Akteure vor Ort genießt unsere Wertschätzung. Wir werden Anträge für solche Schulmodelle genehmigen, wenn tragfähige und pädagogisch anspruchsvolle Konzepte vorliegen. Wir werden die Kommunen dabei unterstützen, diese Konzepte umzusetzen."

Hier will die Reutlinger SPD voranmarschieren, "wir wollen den Koalitionsvertrag mit Leben füllen bei der Beteiligung", "wollen Impulse setzen bei der Bildungspolitik". Für die Gestaltung von unten nach oben "brauchen wir die Familien, Eltern, Initiativen vor Ort", sagt Gemeinderat Sebastian Weigle. Der Wandel von der Dreigliedrigkeit zu mehr gemeinsamem Lernen in Gemeinschaftsschulen sei bundesweit Trend, hier müssten lokale Begründungen und Konzepte herausgearbeitet werden.

Dazu dient die SPD-Anfrage an die Stadtverwaltung, an welchen Schulen solche Konzepte im Gespräch sind. "Wir wollen in einer Art Erhebung die Aktivitäten zusammentragen", sagt Gemeinderat Thomas Keck. Angefragt wird auch, wie weit die Schulen in ihre konzeptionellen Überlegungen die Gemeinderatsgremien einbeziehen wollen. Solche Ansätze möchten die SPD- Gemeinderäte "als Mittler nach oben tragen und bündeln". Wichtig sei, "nicht bestehende gute Schulen abzuschaffen, sondern eine Weiterentwicklung anzustoßen".

 
 
 
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