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Viertelstündlich nach Reutlingen  ( der link zum Stadtbahnplan )

Die Machbarkeitsstudie zur Regionalstadtbahn schlägt neue Trassen vor

MÖSSINGEN. 15. Mai 2002 Der Blick in den Fahrplan könnte in Zukunft für die, die von Tübingen nach Reutlingen wollen, überflüssig werden: Jede Viertelstunde soll eine schnelle Bahn die beiden Städte verbinden. Und weder die Tübinger noch die Reutlinger müssen dazu zum Hauptbahnhof gehen: Der Einstieg ist in Tübingen auch in der Stuttgarter Straße oder beim Regierungspräsidium möglich. Und in Reutlingen fährt die Bahn direkt in die Innenstadt. Auch die Gemeinden in den beiden Landkreisen und auf der Alb sollen besser angebunden werden. Noch stehen viele Ideen nur auf dem Papier, aber sie nehmen langsam konkrete Formen an. Am Mittwoch wurde in Mössingen die Machbarkeitsstudie vorgestellt.

Einen großen Wurf haben die drei Landkreise Tübingen, Reutlingen und Zollernalb da vor: Zwischen allen Städten und Gemeinden sollen schnelle Züge fahren, in kurzen Abständen und mit mehr Haltestellen als bisher. Die beiden Oberzentren Tübingen und Reutlingen sollen im wahrsten Sinne des Wortes zugkräftiger miteinander verbunden werden, von Mössingen aus geht es über Gomaringen nach Reutlingen, von Balingen nach Rottweil, von Tübingen ohne Umstieg in Plochingen nach Ulm oder an den Bodensee. Die Bahnen fahren durch die Innenstädte in Tübingen durch die Mühlstraße, in Reutlingen durch die Gartenstraße und auf ganz neuen Strecken.

„Regionalstadtbahn“ nennt sich das Ganze und ist seit Jahren schon im Schwange. Im Juli vergangenen Jahres wurde vom personenstarken „Projektbegleitenden Arbeitskreis“ der erste konkrete Schritt zur Realisierung getan und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Den ersten Teil dieser Studie stellten Vertreter der Hannoveraner Gutachterfirma Trans Tec Consult gestern dem Arbeitskreis vor, zu dem Vertreter aller drei Landkreise, der Städte und Gemeinden, von RAB und Hohenzollerischer Landesbahn, Handwerkskammer, IHK und dem Regionalverband Neckar- Alb gehören kurz alle, die die 160ú000 Euro teure Studie bezahlen. Nach der Sitzung wurde die Presse informiert.

Die Studie ist zu dem Ergebnis gekommen, dass auf fast allen Strecken großer Bedarf besteht und auf einigen bisher gar nicht berücksichtigten wie in der Reutlinger Innenstadt ebenso. Außerdem haben sich die Gutachter in Zusammenarbeit mit den Kommunen, mit Verkehrsplanern und Bauingenieuren über mögliche Trassenführungen Gedanken gemacht.

In Tübingen stellte sich heraus, dass die Busse, die vom Busbahnhof über die Kliniken nach Waldhäuser Ost fahren, stark belastet sind, wie Volker Stölting von Trans Tec berichtete. Auch eine Stadtbahn würde die Kapazitäten nicht auffangen können. Er schlug deshalb eine zweite Linie vor, die über den Nordring fährt und damit zusammen mit der Klinikums- Linie einen Kreis schließt. Außerdem fährt die Bahn durch die Mühlstraße zur Universität. Zusätzliche Haltestellen an den bestehenden Schienen soll es unter anderem am Regierungspräsidium, am Neckarsteg zwischen Innenstadt und Lustnau und beim Französischen Viertel an der Stuttgarter Straße geben. Tübingens Baubürgermeisterin Ulla Schreiber regte an, besondere Tickets für Studenten einzuführen, außerdem müsse die Bahn in so kurzen Zeitabständen fahren, dass sie auch angenommen werde. Und schließlich solle das Aussehen der Bahn zur Altstadt passen. Die Umsetzung solle in Baustufen realisiert werden „wie, das erhoffe ich mir von Stufe B“, sagte sie. Diese Stufe B ist der noch nicht vorhandene zweite Teil der Machbarkeitsstudie, die konkrete Trassen und Takte vorschlagen soll. 

 
Beispiel: Straßburg, Frankreich - 

Eurotram

Betreiber
Compagnie des Transports
Strasbourgeois (CTS)
Länge 33 100 mm (7-Wagen-Einheit)
44,500 mm (9-Wagen-Einheit)
Breite 2 400 mm
Höchstgeschwindigkeit 70 km/h
Kleinster befahrbarer
Bogenhalbmesser
25 m
Maximale Steigung 8,5%
Niederfluranteil 100%
Sitzplätze 66 (7-Wagen-Einheit) 
92 (9-Wagen-Einheit)
Stehplätze 134 (7-Wagen-Einheit)
178 (9-Wagen-Einheit)

Der große Erfolg der Eurotram hat viele Gründe: die schnittigen Niederflur-Straßenbahnen bieten Stauraum unter den Sitzen, die breiten Türen und großzügig bemessenen Durchgänge ermöglichen die bequeme Benutzung mit Einkaufsrollern, Kinderwagen und Rollstühlen. An manchen Eingängen senken sich automatisch Rampen herab und erleichtern den Zugang. Dank geringerer Wartungskosten und niedrigem Energieverbrauch erlaubt der Drehstrombetrieb gegenüber dem herkömmlichen Gleichstrombetrieb eine erfreuliche Optimierung der Kostenstruktur.

Quelle: http://www.bombardier.com/


In Reutlingen ergab sich, so der Vorsitzende des Regionalverbands Edmund Merkel, dass großer Bedarf an einer Strecke durch die Innenstadt bestünde. Die Gutachter schlugen also vor, Schienen auf der Albstraße und der Gartenstraße zu verlegen. Die Bahn könnte so vom Haupt- zum Südbahnhof fahren. Bisher war man in Reutlingen von der Honauer Bahntrasse ausgegangen, die jedoch, so Stölting, sei zu weit weg von der Innenstadt. Mit dem neuen Vorschlag der Gutachter muss sich nun noch der Reutlinger Gemeinderat beschäftigen.

Eine ganz neue Strecke soll es über Gomaringen geben. Die Gemeinde könnte mit der Regionalstadtbahn einen direkten Anschluss an Reutlingen bekommen. Das Problem war bisher jedoch die Trasse. Die alte Strecke, auf der das Gönninger Bähnle verkehrte, ist inzwischen verbaut. Dem Gemeinderat präsentierte Bauingenieur Günter Veit im Auftrag von Trans Tec am Dienstag in nicht-öffentlicher Sitzung eine neue Variante. Sie verläuft neben der Hechinger/Reutlinger Straße, geht aber zweispurig hinterm Busbahnhof auf die Straße und bleibt auf ihr bis zum Autohaus Weimar, wo sie wieder auf die Seite ausweicht.

„Es gab im Arbeitskreis überhaupt keine kritischen Anmerkungen zur Sinnhaftigkeit dieser Studie“, sagte Edmund Merkel. Einstimmig sei beschlossen worden, nun in die Detailuntersuchungen zu gehen. Ende September könne mit Stufe B das Endergebnis vorgelegt werden. Allerdings warnte Merkel auch vor zu viel Euphorie: „Bisher geht es lediglich um die Machbarkeit der Regionalstadtbahn. Die Realisierung des Gesamtprojekts dauert sicher noch 20 oder 30 Jahre.

Stadtbahnfahrzeuge aus Karlsruhe