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150. Geburtstag von Wilhelm Laage (1868 – 1930)


Wilhelm Laage: „Bildnis“ (Selbstbildnis), Monotypie, 1922Geboren wurde Wilhelm Laage am 16. Mai 1868 in Stellingen bei Hamburg. Sein Vater war Friedhofsgärtner, seine Mutter arbeitete in einer Bleicherei. Nach seiner Schulentlassung 1883 arbeitete er zunächst in der Bleicherei der Mutter, anschließend acht Jahre in einem Hamburger Wirtshaus. Über diese Zeit schrieb er: „Diese ganze Betätigung war mir gründlich zuwider. […] Aber ich musste durchhalten, bis ich mir so viel Geld verdient hatte, dass ich die Hamburger Gewerbeschule besuchen konnte.“ Und als er dies endlich geschafft hatte: „Welch ein Gefühl, jetzt zeichnend mich betätigen zu können!“ So besuchte Laage von 1890 bis 1892 die Gewerbeschule Hamburg, um anschließend, ab 1893 an der Kunstakademie in Karlsruhe und von 1899 bis 1904 an der Akademie für Bildende Künste in Stuttgart als Meisterschüler bei Leopold von Kalckreuth (1855-1928) zu studieren. In Stuttgart lernte er die Reutlinger Kunststudentin Hedwig Kurtz (1877-1935) kennen, die er 1904 heiratete und über die er 1907 zunächst nach Betzingen – wo heute der Wilhelm-Laage-Weg nach ihm benannt ist – und schließlich ab 1914 nach Reutlingen kam.
 
Wilhelm Laage: „Betzingen“, Lithographie, 1912Seit 1896 beschäftigte sich Laage mit Holzschnitt und Lithographie und schon diese Arbeiten, so Alfred Hagenlocher (1914–1998), „zeigen eine Gleichzeitigkeit und einen Rang neben [Edvard] Munch, die uns erstaunen machen […]“. Folgerichtig erschienen deshalb bereits 1899 und 1901 erste Veröffentlichungen über seine Graphiken durch den Wiener Kunsthistoriker Friedrich Dörnhöffer (1865-1934) und Emil Rudolf Weiß (1875-1942). Beide sahen in Laage den Erneurer des damals in Deutschland vernachlässigten Holzschnitts. Nach Ansicht des bekannten Hamburger Kunstsammlers Gustav Schiefler (1857-1935) gehörte Laage zu den „vollwichtigen Vertretern der Epoche von 1890 bis 1914“. Sein Ansehen war so groß, dass er 1906 zusammen mit Kandinsky und anderen als Gast in der Ausstellung der Künstlergruppe „Brücke“ in Dresden mit eigenen Werken vertreten war. 1914 erhielt Laage den Ehrenpreis der Stadt Leipzig, die Staatsmedaille auf der Internationalen Graphik-Ausstellung in Leipzig und den Villa-Romana-Preis des deutschen Künstlerbündnisses. Laages Werke wurden in Ausstellungen führender Galerien gezeigt, wie etwa Commeter in Hamburg oder Thannhauser in München.
 
Die letzten seiner über 400 Holzschnitte stellte Laage im Jahre 1924 her. Laage hinterließ jedoch auch ein beeindruckendes malerisches Werk: Landschaften, Stillleben und Porträts, die er auch in Ausstellungen im Kunsthaus Rebensburg in der Gartenstraße und in seinem Atelier in der Karlstraße zeigte. Und als Maler blieb er bis zu seinem Tod weiter tätig. Laage verstarb am 3. Januar 1930 beim Aufbau einer Ausstellung eigener Werke in Ulm.
 
Das Stadtarchiv Reutlingen zeigt derzeit in einer Vitrine vor seinen Diensträumen anlässlich des 150. Geburtstags von Wilhelm Laage verschiedene Dokumente aus seinem Leben. Die kleine Archivalien- und Bilderschau ist noch bis Ende Juni 2018 zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen.
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