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Meldung

Große Jubiläumsausstellung zum 100. Geburtstag


Am 15. Februar 1909 wurde HAP Grieshaber in Oberschwaben geboren. Reutlingen, wohin der Künstler bereits als Kind kam und an dessen Hausberg er schließlich sein legendäres Domizil finden sollte, und das Städtische Kunstmuseum Spendhaus fühlen sich dem Werk des Künstlers besonders verpflichtet. Daher widmet das Kunstmuseum ihm zum 100. Geburtstag die Ausstellung „Grieshaber und die Moderne“. Grieshabers kunsthistorische Leistung ist unbestritten: In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts befreite er die altehrwürdige Gattung des Holzschnitts aus ihren traditionellen Beschränkungen und machte sie zu einem genuinen Medium der Moderne. Gleichzeitig verkörpert Grieshaber geradezu paradigmatisch den in Deutschland eher seltenen Typus des politisch engagierten Künstlers, der mit seinem ganzheitlichen Blick immer den Zusammenhang von Kunst und gesellschaftlicher Realität im Auge behält.

Das Anliegen der Ausstellung des Kunstmuseums ist es nun, Grieshabers Beziehungen zu den Avantgarden seines Jahrhunderts aufzuzeigen und so seine Verortung in der Kunst der Moderne zu verdeutlichen. Grieshaber nahm die Kunst seines Jahrhunderts stets mit großer Neugier wahr. Er war immer ausgezeichnet über die neuesten Entwicklungen innerhalb des Kunstgeschehens informiert und verarbeitete in seinem Werk die unterschiedlichsten Anregungen. An ca. 120 Einzelwerken und Werkreihen Grieshabers wird in der Ausstellung seine künstlerische Entwicklung nachgezeichnet. Grieshabers Werke werden dabei ergänzt durch ca. 50 Arbeiten derjenigen Künstler, die ihn in seinen Anfängen stark beeinflusst haben, mit denen er sich später eingehend auseinandergesetzt hat oder die umgekehrt wiederum durch Grieshaber geprägt wurden.

Für die dreißiger Jahre waren es das frühe Bauhaus und seine Künstler, die Grieshaber interessierten und inspirierten. Ihr Umgang mit dem Medium Holzschnitt und ihre Auseinandersetzung mit der Kunst der Gotik prägten ihn. Später wurde Picasso zum wichtigen Orientierungspunkt. Dabei waren es vor allem drei Aspekte, die Grieshaber an dem Spanier faszinieren mussten: In einer Zeit, in der auch international die Abstraktion dominierte, war Picasso der prominenteste Künstler, der an der Figuration festhielt. Außerdem musste Grieshaber das politische Engagement Picassos faszinieren, und schließlich beeindruckten ihn sicher Picassos Selbstverständnis als Künstler und auch dessen Selbstinszenierung.

Aber auch Grieshabers Auseinandersetzung mit Marc Chagall, wie sie sich am eindrucksvollsten vielleicht in den Drucken des Ulmer Tuchs zeigt, oder seine Beschäftigung mit der Malerei Max Beckmanns, wie sie sich etwa in den monumentalen Farbholzschnitten aus den frühen 1950er-Jahren niederschlägt, waren für seinen künstlerischen Weg von großer Bedeutung. Grieshaber selbst erwies in seinen Arbeiten auch immer wieder wichtigen Anregern und Vorbildern seine Reverenz. Seine Hommagen, in denen er sich zu bedeutenden Protagonisten der Moderne in Bezug setzte, ziehen sich quasi als roter Faden durch die Ausstellung.

Im Zentrum der Ausstellung stehen Grieshabers Werke aus den 1950er- und frühen 1960er-Jahren. Es ist die Zeit seiner Teilnahme an den ersten drei Documenta-Ausstellungen, die in der Ausstellung ebenfalls dokumentiert wird. Es ist auch die Zeit seiner Lehrtätigkeit – zunächst an der privaten Bernsteinschule und später an der Karlsruher Akademie. Seine Karlsruher Klasse sollte dann zu einer wichtigen Keimzelle der Neuen Figuration werden. Seine wichtigsten Schüler wie etwa Horst Antes oder Dieter Krieg sind daher in der Ausstellung auch mit exemplarischen frühen Arbeiten vertreten.

Seit den 1980er-Jahren knüpfte schließlich eine wiederum noch jüngere Generation an Grieshabers Neuinterpretation des Holzschnitts an. In ihren oft ebenfalls großformatigen Arbeiten ist Grieshaber dabei für Künstler wie Felix Droese oder Jörg Immendorff auch in seinem kritischen politischen und historischen Bewusstsein deutlich ein Vorbild.

Die Ausstellung wird gefördert durch die OEW Energie-Beteiligungs GmbH und den Freundeskreis HAP Grieshaber

Zur Ausstellung erscheint im Verlag Hatje Cantz ein Katalogbuch (28 Euro).
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