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Mahnmal für 128 KZ-Opfer auf dem Friedhof Unter den Linden


Angehöriger ehemaliger KZ-Opfer am Mahnmal auf dem Friedhof unter den Linden "Herzmuskel- und Kreislaufschwäche", "Herzschwäche" oder "Kreislaufstörung": fiktive Todesursachen, die im KZ-Außenlager Hailfingen/Tailfingen an der Tagesordnung waren. Tatsächlich sind sie grausam zu Tode geschunden worden, erinnert Oberbürgermeisterin Barbara Bosch bei der Einweihung des Mahnmals auf dem Friedhof Unter den Linden: "99 Leichname, allesamt politische Häftlinge jüdischen Glaubens, wurden aus dem Hailfinger Lager auf Lastwagen nach Reutlingen transportiert, um hier im Krematorium eingeäschert zu werden." 29 weitere Tote stammten aus den so genannten "Wüste"-Lagern im Zollernalbkreis - dort waren die Häftlinge unter unerträglichen Bedingungen zur Ölschiefergewinnung eingesetzt.

An den sinnlosen Tod dieser 128 Männer erinnert jetzt die Namenstafel auf dem Sandsteinsockel, die zusammen mit dem vom Reutlinger Bildhauer Richard Raach gestalteten Sandstein-Sarkophag ein Ensemble wider das Vergessen bildet. Den Sarkophag, den eine niedergesunkene Gestalt ziert, hat die Stadtverwaltung schon 1952 errichten lassen, als sie die Aschenreste der KZ-Opfer aus dem Sammelgrab an dieses Stelle umbettete, blickt Barbara Bosch zurück, in den darauffolgenden Jahrzehnten ist die Asche allerdings in Vergessenheit geraten. "Erst als sich die Stadt Reutlingen ab Mitte der 80er Jahre an die Aufarbeitung ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit machte, wurden auch diese düsteren Kapitel der Stadtgeschichte wieder aufgeschlagen", so die Oberbürgermeisterin.

Vieles in der Stadt erinnert heute an die Ermordung jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger: eine Gedenktafel im Garten des Heimatmuseums, ein Gedenkbuch, das in der Marienkirche, im Heimatmuseum und auf dem Friedhof unter den Linden ausliegt, aber auch das vom Stadtarchiv publizierte Werk "Es gab Juden in Reutlingen", verfasst von Karin-Anne Böttcher und Bernd Serger, resümiert Barbara Bosch.

Dass es nun auch das Mahnmal auf dem Friedhof gibt, nehmen die Angehörigen der Opfer des Lagers Hailfingen/Tailfingen mit einer gewissen Erleichterung auf: "Ich bin allen Beteiligten in Reutlingen dankbar", sagt Marga Griesbach, Tochter des Witzenhausener Innenarchitekten Max Steinhardt, der 1944 als erstes Opfer in Hailfingen starb. Die US-Amerikanerin ist wie die beiden Niederländer Joop Koekkoek, Sohn des KZ-Opfers Barend Koekkoek, und Hans van Straten, Enkel des ebenfalls in Hailfingen getöteten Levie van Straten, zur Eröffnung der KZ-Gedenkstätte Hailfingen/Tailfingen am vergangenen Wochenende an- und am Montag nach Reutlingen weitergereist.

Begleitet werden sie von Birgit Kipfer, Volker Mall und Harald Roth, den Initiatoren der Gedenkstätten-Initiative Hailfingen/Tailfingen "Gegen Vergessen Für Demokratie", die auch das Rahmenprogramm für die Einweihung des Mahnmals gestaltet haben. Viele der Angehörigen sind nicht das erste Mal auf dem Friedhof Unter den Linden: "Als ich im September hier war, habe ich gefragt, warum an allen anderen Grabstätten Namen stehen, nur an dieser nicht", berichtet Joop Koekkoek, "dass es so schnell geht, hätte ich nie gedacht!"

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