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Verdienstmedaille für Dr. Brigitte Bausinger, Max Herfert und Dr. Adnan Özfirat


Sie ist die Grande Dame der Reutlinger Kultur: "Über vier Jahrzehnte lang haben Sie sich sehr erfolgreich mit Begeisterung, Mut und Mühe dafür eingesetzt", würdigte Barbara Bosch die Leistungen Dr. Brigitte Bausingers, die sich unter anderem 27 Jahre lang ehrenamtlich für das Theater Die Tonne engagierte und seit 2008 dem "Netzwerk-Kultur-Reutlingen"  vorsitzt. Ihr vielfältiges kulturelles Engagement zeichne sich durch eine außergewöhnliche Kontinuität und beachtliche Leidenschaft aus.

Nicht minder leidenschaftlich  Max Herfert, der seit fast 20 Jahren mit Jugendlichen aus Randgruppen boxt. "Eine vorbildliche, sehr besondere Form von ehrenamtlicher Jugendsozialarbeit", würdigte das Stadtoberhaupt die Verdienste des mehrfachen württembergischen Vizemeisters im Schwergewichtsboxen, Musikalienhändlers, Malers, Bildhauers, Musikers und Buchautors.

Dr. Adnan Özfirat ist seinem Ehrenamt genau so treu: Seit 25 Jahren engagiert er sich im Ausländer- bzw., Integrationsrat der Stadt Reutlingen, berät und hilft überdies Migranten in allen Fragen des Rechts und der besseren Integration: "Sie genießen von allen Seiten Vertrauen und gelten als integrer Brückenbauer", unterstrich die Oberbürgermeisterin.
"Ich freue mich, dass es in unserer Stadt solche Menschen gibt, die Gutes in die Welt hinausgeben und die Welt dadurch ein Stück besser, schöner, menschlicher wird", so Barbara Bosch.

Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und die Träger der Verdienstmedaille


Die Laudationes von Oberbürgermeisterin Barabara Bosch im Wortlaut finden Sie im Folgenden:


Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und Dr. Brigitte BausingerVerleihung Verdienstmedaille der Stadt Reutlingen an Frau Dr. Brigitte Bausinger im Rahmen des Bürgerempfangs am 6. Januar 2014

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

wir kommen nun zum  „Herzstück“ des Bürgerempfangs:
Es geht dabei um Menschen. Um Menschen, die sich mit ganzem Herzen und mit einem großen Teil ihrer Zeit, ihrer Kraft, ihrer Kompetenz der Allgemeinheit zur Verfügung stellen – und das ehrenamtlich und über einen langen Zeitraum.
Ein solches Verhalten ist gerade in einer Welt, in der so viel gerechnet und berechnet wird, ganz besonders schätzenswert. Und – um in der Sprache der Ökonomie zu bleiben – es zahlt sich aus. Aus dem Engagement dieser Menschen entsteht etwas.

Albert Schweitzer, der berühmte Arzt, der vor 100 Jahren (1913) das Urwaldhospital im zentralafrikanischen Lambaréné gründete, sagte es so: „Was ein Mensch an Gutem in die Welt hinausgibt, geht nicht verloren.“

Ich freue mich, dass es in unserer Stadt solche Menschen gibt, die Gutes in die Welt hinausgeben und die Welt dadurch ein Stück besser, schöner, menschlicher wird. Wie das im Einzelfall aussieht, ist so unterschiedlich wie Menschen sind – das zeigen unsere drei heutigen Empfänger der Verdienstmedaille.

Ich darf mit Ihnen, sehr geehrte Frau Dr. Bausinger, beginnen. Sie haben sich mit Begeisterung, Mut und Mühe über mehr als vier Jahrzehnte sehr erfolgreich für die Kultur in Reutlingen eingesetzt – im Bereich des Theaters, der Kunst und der Literatur. Sie werden als Reutlinger „Kultur-Netzwerkerin“ beschrieben, als „intellektuelle Instanz“ (GEA 2008), als „debattierfreudig und voller Humor“ (RTN 2013), und als jemand, der „mit Löwenmut und Klugheit“ ausgestattet ist (GEA 1999) – und das alles sind Sie und noch viel mehr.

Kurz ein paar Angaben in Zahlen und Zeiten:
27 Jahre lang, von 1972 bis 1999, waren Sie – selbst Theaterliebhaberin – für das Theater „Die Tonne“ ehrenamtlich tätig: ab 1972 waren Sie im Kuratorium, ab 1977 dessen Vorsitzende. Die letzten 12 Jahre Ihrer Tonne-Zeit agierten Sie an der Spitze des Trägervereins: Das bedeutete damals eine Art (rein ehrenamtliche) Geschäftsführung des Theaters, womit ein enormer zeitlicher Einsatz verbunden war, ganz zu schweigen von der Nervenkraft, die dieser Job erforderte. Daraus machten Sie bei Ihrem Abschied im Jahr 1999 keinen Hehl.

Weg vom Theater hieß dann für Sie: auf zu weiteren Kultur-Feldern!
Von 2000 bis 2006 waren Sie erste Vorsitzende der „Freunde der Stadtbibliothek Reutlingen e.V.“, seit 2006 sind Sie stellvertretende Vorsitzende. Der Verein unterstützt auf vielfältige Weise die Arbeit der Stadtbibliothek – u.a. durch Vorträge, Lesungen, Ausstellungen, Publikationen – und trägt in hohem Maße zur Förderung der Bildung bei, gerade auch durch den Schwerpunkt der Leseförderung. Auch da waren und sind Sie in Ihrem Element!

Seit 2008 nun engagieren Sie sich intensiv beim Verein „Netzwerk-Kultur-Reutlingen“ – also seit es den Verein gibt. Dort gehören Sie zum Vorstand und haben den Vorsitz des künstlerischen Beirats inne. Sie sind bei der Organisation der Kulturnacht aktiv, beim Runden Tisch Kultur und immer wieder bei Projekten – nicht zuletzt 2012 als Ideengeberin und Projektleiterin der Veranstaltungsreihe „Albschnecke“. Vom „Genießermarkt mit Schneckenrennen“ über Lesungen, Kunstausstellungen, Kutschfahrten, den Schneckenbänken bis hin zur Seniorengymnastik war alles dabei, was Entschleunigung erleben lassen konnte. „Kleckern“ ist nicht Ihre Art, wenn Sie etwas machen, wird es stets „groß“!

Noch nicht genug, liebes Publikum: Zu Frau Dr. Bausingers Verdiensten zählen auch zahlreiche Publikationen, die mit Reutlingen in Verbindung stehen: u.a. ihre Dissertation zum Naturtheater Reutlingen, ihr Hauptwerk „Literatur in Reutlingen“ (1996), die „Albgeschichten“ (2008, Mitherausgabe); außerdem die Organisation der Baden-Württembergischen Literaturtage in Reutlingen unter dem Motto „Der rote Stuhl“ 1988 sowie die Organisation der Landeskunstwochen in Reutlingen 1991.

Sehr geehrte Frau Dr. Bausinger, Ihr vielfältiges kulturelles Engagement zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Kontinuität und beachtliche Leidenschaftlichkeit aus. Lassen Sie mich Ihnen herzlich danken für all das Gute, das Sie in die Reutlinger Kulturwelt eingebracht haben und weiterhin einbringen. Es geht nicht verloren, sondern wächst weiter.

Als Zeichen der Würdigung Ihrer großen Verdienste um das Kulturleben in Reutlingen verleihe ich Ihnen die Verdienstmedaille der Stadt Reutlingen.

 

Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und Max HerfertVerleihung Verdienstmedaille der Stadt Reutlingen an Herrn Max Herfert im Rahmen des Bürgerempfangs am 6. Januar 2014

„Kämpfen Sie mit aller Energie, aber verzichten Sie darauf, zu demütigen!“
Das war eine der Antworten, die bei einer Silvesterumfrage der Südwestpresse vor etlichen Jahren gegeben wurde. Es ging um Wünsche und Tipps für das neue Jahr. Weiter hieß es, man solle „auf den alltäglichen Machtmissbrauch“ im kommenden Jahr verzichten.

Die Antwort stammte von Max Herfert. Max Herfert war in den 1980er Jahren vier Mal württembergischer Vizemeister im Schwergewichtsboxen und immer wieder Sparringspartner von bekannten Profi-Boxern. Er ist außerdem Musikalienhändler, Maler, Bildhauer und Musiker, schreibt Bücher und setzt sich für den Tierschutz ein.

Geehrt werden soll er heute aber für seine Verdienste auf sportlich-sozialem Gebiet: Max Herfert leistet seit bald zwanzig Jahren in Reutlingen eine vorbildliche, sehr besondere Form von ehrenamtlicher Jugendsozialarbeit: Er boxt mit Jugendlichen aus Randgruppen.

Aber von vorne: Nach einem hervorragenden Abitur hatte Max Herfert zunächst einige Semester Biologie, Theologie und Philosophie studiert, sich parallel dazu ein Musikgeschäft und eine Familie aufgebaut. Erst mit 30 Jahren begann er mit dem Boxen.
Nachdem er die Altersgrenze für Amateurboxer erreicht hatte (mit 37), mietete er privat einen Raum an, um weiter dem Boxsport nachgehen zu können. Hieraus entwickelte sich die Arbeit mit Jugendlichen. Seit 2002 läuft das Boxtraining in einer bis dahin ungenutzten Fabrik in der Albstraße weiter. Das Landeskriminalamt vermittelte hierfür eine finanzielle Unterstützung vom Innenministerium (im Rahmen des Präventionsprogramms „Zukunftsoffensive Junge Generation“). Inzwischen unterstützen Stadt und Kreis bei den Mietkosten. Die Arbeit selbst geschieht rein ehrenamtlich.

Sehr geehrter Herr Herfert, Sie betreiben diese besondere Sozialarbeit als niederschwelliges Angebot seit langem mehrmals die Woche – aus freien Stücken, unentgeltlich und hoch engagiert. Sie haben inzwischen mit weit über 200 „Boxlehrlingen“ trainiert, ihnen in einem gut durchstrukturierten Trainingsprogramm die sportlichen und sozialen Seiten des Boxens beigebracht. Sie haben nicht nur eine starke Hand, sondern auch ein sehr großes Herz. Jeder ist willkommen, egal mit welcher Vorgeschichte, Sie sind – um mit Paulus zu sprechen –,  „den Juden ein Jude, den Griechen ein Grieche“ (vgl. 1. Kor. 9). So sind Sie auch in der Lage, in 15 Sprachen zu grüßen und zu fragen, wie es geht, haben Sie erzählt.

Das kostenlose, ideologiefreie und unabhängige Training stellt einen passenden Rahmen bereit, um Eugen aus Kasachstan und Chris aus Serbien eine Art Heimat zu geben. Erfolgreich setzen Sie, sehr geehrter Herr Herfert, auf die sozialisierende und integrierende Wirkung des Boxsports. Die Teilnehmer sollen lernen, Toleranz gegenüber Andersdenkenden aufzubauen, kulturelle und religiöse Unterschiede stehen zu lassen, dem Gegner Respekt und Achtung entgegenzubringen, zu kämpfen und zu siegen, ohne den anderen zu demütigen – das ist Ihre Philosophie. Ihre Arbeit wurde mit dem „Fairnesspreis“ der Deutschen Olympischen Gesellschaft ausgezeichnet.

Ich verleihe Ihnen, sehr geehrter Herr Herfert, für Ihre wertvollen Verdienste auf sportlichem und sozialem Gebiet die Verdienstmedaille der Stadt Reutlingen.

Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und Dr. Adnan ÖzfiratVerleihung Verdienstmedaille der Stadt Reutlingen an Herrn Dr. Adnan Özfirat im Rahmen des Bürgerempfangs am 6. Januar 2014


Meine Damen und Herren,
…wir  bleiben beim Thema Integration. Bekanntlich hat in Reutlingen ein gutes Drittel der Bürgerschaft einen Migrationshintergrund, das ist mehr als in Berlin (dort ein Viertel). Es ist uns seit langem wichtig, unser Augenmerk auf die Herausforderungen und die Chancen zu richten, die damit verbunden sind.

Die dritte Ehrung gilt heute einem Mann, dessen Einsatz für die Integrationsarbeit in unserer Stadt vorbildlich ist.

Ich spreche von Herrn Dr. Adnan Özfirat, der seit 30 Jahren in Reutlingen lebt, arbeitet und ehrenamtlich tätig ist. Ein Stipendium hatte ihn 1971 nach Abschluss seines in Ankara abgeschlossenen Jura-Studiums nach Deutschland geführt, wo er zunächst am Goethe-Institut in Passau Deutsch lernte, sich dann in Tübingen weiterqualifizierte, im Fach Arbeitsrecht promovierte und seine Frau Ines kennenlernte.

Von Anfang an – auch schon in Tübingen – setzte er sich für seine Landsleute sowie später auch für Migranten aus anderen Herkunftsländern ein. Er lässt ihnen Hilfe und Beratung zukommen in allen Fragen des Rechts sowie in Fragen der besseren Integration. Die Ratsuchenden können sich jederzeit an ihn wenden, er hat stets ein offenes Ohr und einen fundierten Rat für sie – zu einem großen Teil rein ehrenamtlich, zum andern beruflich in seinem Büro in Reutlingen.

In diesem Jahr kann Herr Dr. Özfirat außerdem auf 25 Jahre Engagement im Ausländer- bzw. Integrationsrat der Stadt Reutlingen zurückblicken. Damit sind Sie, sehr geehrter Herr Dr. Özfirat, der „elder statesman“ dieses Gremiums, niemand ist so lange kontinuierlich und treu mit dabei (seit 1989). Respekt!

Bei der Wahl zum Integrationsrat im Juli 2011 erhielten Sie die meisten Stimmen. Das zeigt, wie sehr man Sie schätzt.

Sie sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Angehörigen anderer Nationalitäten, Stadträten und Verwaltung. Dass beispielsweise der Moscheebau hier in Reutlingen konfliktfrei ablief, ist mit Ihr Verdienst. Sie genießen von allen Seiten Vertrauen und gelten als integrer Brückenbauer.

Von 1994 bis 2006 waren Sie Vorsitzender des Türkischen Arbeitnehmer- und Sportvereins Reutlingen, der sich mit Ihrer Unterstützung positiv weiterentwickelt hat. Als Vorstandsmitglied sind Sie dort nach wie vor unterstützend dabei. Inzwischen bezeichnet sich der Verein als Türkischer Kultur- und Integrationsverein Reutlingen e.V. Wie treffend dieser Name ist, wird beispielsweise diesen Donnerstag wieder deutlich, da trifft sich der Verein zum gemeinsamen Mutscheln im Haus der Jugend…

Sehr geehrter Herr Dr. Özfirat, als Zeichen der Würdigung Ihrer großen Verdienste um die Integration in Reutlingen verleihe ich Ihnen die Verdienstmedaille der Stadt Reutlingen.



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