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Einsturzgefahr: Teilfläche der Pomologie gesperrt


Wie aktuelle Untersuchungen ergeben haben weisen die Stollen in Teilbereichen (Schwerpunkt Pomologie) Schäden auf, die eine sofortige Reaktion der Stadt notwendig machen. So müssen Flächen in der Pomologie wegen Einsturzgefahr vorsorglich gesperrt werden.

Zur Geschichte des Frankonenstollens:


Blick in einen Gang des Frankonenstollens Bereits im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges wurde im Zuge der nationalsozialistischen Luftschutzvorkehrungen, ausgehend von den vorhandenen Kellern einer ehemaligen Bierbrauerei an der Echaz, die Errichtung eines ausgedehnten Luftschutzkellers am Frankonenweg in Angriff genommen, der 1941 bis zu dem Gebäude der „Uhlandhöhe“ reichte.

Nach der Aufnahme Reutlingens in das Luftschutz-Führerprogramm wurde der Frankonenstollen, wie auch weitere Stollen im Stadtgebiet, ab Juli 1944 mit Hilfe von Kriegsgefangenen, Zivil- und Fremdarbeitern erweitert und ausgebaut. Die ursprüngliche Planung sah zwei Hauptstollen und ein verzweigtes Galeriensystem vor, das weit über die Friedrich-Ebert-Straße (damals Wilhelm-Murr-Straße) in das Gelände zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Hindenburgstraße (heutige Pomologie) verlaufen und 1200 Personen Platz bieten sollte. Obwohl die Stollenanlage in den letzten Kriegsmonaten in Tag- und Nachtschichten vorangetrieben wurde, konnte sie nur zum Teil fertiggestellt werden (nach dem Krieg schätzte man eine Aufnahmekapazität von rund 500 Personen). Der Luftschutzstollen besaß Gasschleusen und war sowohl gemauert als auch mit einer Holzverschalung ausgebaut. Letztere wurde nach Kriegsende vermutlich aus Brennstoffmangel demontiert, so dass die Stollenanlage 1947/48 nur noch bedingt begehbar war und zur Lagerung von Baustoffen diente.
(Quelle: Stadtarchiv; 08.04.2009)

Aktuelle Ereignisse:
 

Aufgrund eines Hinweises des Reutlinger Liederkranzes als Eigentümer der Gaststätte Uhlandhöhe fand im Januar diesen Jahres eine Begehung der Stollenanlage durch das Regierungspräsidium Freiburg, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau statt.
Grund für die Begehung war der Hinweis des Liederkranzes, auf dem Grundstück der Uhlandhöhe sei es zu Bodenbewegungen gekommen. Eine Stützmauer am Rande des Grundstücks sei in ihrer Standsicherheit gefährdet. Von Seiten des Liederkranzes war die Vermutung geäußert worden, dass die unter dem Gelände liegenden Hohlräume des Frankonenstollens für die oberirdischen Bodenbewegungen auf dem Parkplatz verantwortlich seien.

Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau kommt nach der Begehung in seinem Abschlussbericht vom 09.02.2009 zu dem Schluss, dass „die Anlage in ihrem derzeitigen Zustand ein Gefahrenpotential für die öffentliche Sicherheit und Ordnung birgt, das im Einzelnen einer qualifizierten Untersuchung und Beurteilung bedarf“.

Die Stellungnahme des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau enthält abschließend die dringende Empfehlung,
  • die Schlüssel zur Gewährleistung eines Betretungsverbots einzuziehen.
  • eine qualifizierte geotechnische Beurteilung der Standfestigkeit des Stollens, insbesondere unter bebauten Grundstücken und öffentlichen Verkehrsflächen zu veranlassen.
  • darauf aufbauend konkrete Sicherungsmaßnahmen zu planen und auszuführen.

Die Stadt hat daraufhin sehr rasch reagiert und das Baugrundinstitut Prof. Dr. Ing. E. Vees und Partner mit der näheren Untersuchung beauftragt. Gleichzeitig wurden die Schlüssel zu der Anlage eingezogen.

Am Dienstag, 07.04.2009 informierte Herr Professor Vees die Stadtverwaltung über das vorliegende Zwischenergebnis.

Maßnahmen am 08. und 09.04.2009:

Die Stollenanlage erstreckt sich von der Echaz (Gebäude Frankonenweg 17) bis unter das Pomologiegelände.
Im Bereich der Stollenanlage befinden sich folgende Gebäude:

  • Friedrich-Ebert-Str. 16/1 (Wohngebäude, Vereinsnutzung im EG (51,80 qm) durch den Oberlin-Jugendhilfeverbund)
  • Friedrich-Ebert-Str. 17 (Gaststätte Uhlandhöhe)
  • Friedrich-Ebert-Str. 11 (Wohngebäude)
  1. Gebäude:
    Um eventuell bestehende Gefahrenpotentiale zu erkennen, wurden die oben stehenden Gebäude am 08.04.2009 von Herrn Dr. Kleinert sowie Herrn Statiker Gaisser und Mitarbeitern der Stadt besichtigt. Das Hauptaugenmerk galt dabei den Untergeschossen bzw. Kellerräumen der Gebäude, um beispielsweise durch festzustellende Absenkungen oder Rissbildungen Hinweise auf vorhandene Schäden zu erhalten.
    Die Besichtigung der Gebäude ergab keine Bedenken hinsichtlich der Standsicherheit. Es bestand daher keine Veranlassung, die Nutzung der Gebäude einzuschränken.
  2. Friedrich-Ebert-Straße:
    Die Stollen sind in beiden Bereichen, in welchem sie die Friedrich-Ebert-Straße unterqueren, als intakt zu bezeichnen. Schäden sind weder in den betreffenden Stollenabschnitten, noch an der Straße selbst zu erkennen. Auch der Kanal wies bei der letzten „Befahrung“ im Jahr 1996 keine Schäden auf. Eine erneute Kanalbefahrung ist kurzfristig geplant. Für weitergehende Maßnahmen/Sperrungen der Friedrich-Ebert-Straße besteht keine Veranlassung.
  3. Deutliche Ausbrüche im FirstbereichFreigelände Pomologie:
    Einzelne Stollenabschnitte im Bereich der Pomologie sind schadhaft. Stellenweise sind deutliche Ausbrüche im Firstbereich der Stollen vorhanden, an wenigen Stellen bis zu 3 Meter über der ursprünglichen Stollendecke. Nach derzeitigem Erkenntnisstand können Einbrüche der Geländeoberfläche nicht mehr mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Deshalb werden heute die gefährdeten Bereiche mit einem Bauzaun abgesichert (siehe Planausschnitt). Zwar wurde bei der Planung der Abschrankung darauf geachtet, soweit als möglich die bestehende Wegeverbindungen auszuklammern. Abschnitte im Bereich des Rosengartens und auch das Rosengarten-Café werden vorrübergehend nicht nutzbar sein.
    Auswirkungen wird diese Vorsichtsmaßnahme auch auf die Gartenmesse „Garden Life 09“ haben, die vom 21. – 24. Mai stattfindet. Der Veranstalter, der gestern in einem persönlichen Gespräch informiert wurde, wird für die betroffenen Aussteller gemeinsam mit der Stadt eine Alternativlösung finden.

Weitere Vorgehensweise:

Die geotechnische Beurteilung wird mit Nachdruck weitergeführt und die Erkenntnisse präzisiert. Hierzu ist notwendig, dass in der Woche nach Ostern Vermessungsarbeiten durchgeführt werden, um die Lage der schadhaften Stollenbereiche exakt bestimmen zu können.
Zu einer verlässlichen Bestimmung der möglicherweise einsturzgefährdeten Bereiche ist auch die exakte Ermittlung der vorhandenen Erdüberlagerung an den Schadstellen erforderlich.
Wir gehen davon aus, dass weitergehende Aussagen bereits in der öffentlichen Sitzung des Bau-, Verkehrs- und Umweltausschusses am 21.04.2009 möglich sein werden.

Zur Vollständigkeit sei erwähnt, dass selbstverständlich auch rechtliche Fragen zu klären sind. Dies hat parallel zu geschehen.
Dies war aus unserer Sicht in den vergangenen beiden Tagen aber nicht das vordringliche Thema.
Uns ging es vielmehr darum, auf eine mögliche Gefahrensituation richtig zu reagieren, zum Schutz unserer Bürgerinnen und Bürger und den Besuchern unserer Stadt.

Kartenausschnitt mit dem abgesperrrten Bereich der Pomologie:

Karte der Pomologie mit dem eingezeichneten Gebiet, das gesperrt wurde (rot gepunktete Linie)

Legende:

Bauzaun   
= Bauzaun (Höhe 2 m)


Frankonenstollen    = Frankonenstollen

 


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