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Von Corsetts und Cartonagen


Unter den von Buchhändler Palm verlegten Büchern und Druckschriften war auch eine Beschreibung von „Reutlingen mit seinen Umgebungen“ StadtA Rt., DB Nr. 4910So liest sich der Auftakt zu einer Beschreibung von „Reutlingen mit seinen Umgebungen“. Das 51-seitige Büchlein erschien im Jahr 1860 bei „C. F. Palm‘s Buchhandlung“ mit Sitz in der Achalmstadt. In Zeiten vor „Google“, „Wikipedia“ und anderer blitzschnell abrufbarer Online-Ressourcen waren solcherlei Publikationen ein potenziell lukrativer Artikel. Und genau das lässt sich in einem im Stadtarchiv verwahrten Amtsbuch nachweisen.

Es handelt sich um ein „Verzeichnis der von dem Stadtschultheißenamte ausgestellten Gewerbescheine“ für die Jahre 1851 bis 1870. Unter den 1065 erfassten und von der Stadtverwaltung akkreditierten Gewerbereisenden finden sich unter anderem auch acht Personen, die für jene Palm’sche Buchhandlung Käufer zu finden hofften. Das taten sie gemäß besagtem Verzeichnis vor allem in „Württemberg“, aber etwa auch in den damaligen „Zollvereinsstaaten“ oder in „Preußen“.

Die „Palm’schen“ Druckwerke sind dabei natürlich nur ein Beispiel für die Vielzahl und Vielfalt der vertriebenen Produkte. Reutlinger Bortenmacherwaren etwa wurden in den 1850er- und 1860er-Jahren von 73 Personen unter anderem in Baden, Bayern und in der Schweiz feilgeboten. Diesbezügliche Genehmigungen erhielten beispielsweise ein Friedrich Gminder oder ein Michael Engel, beide Bortenmacher von Beruf. „Corsett-Waaren“ wiederum wollte unter anderem der Korsettweber Peter Schleicher verkaufen und „Cartonage-Waaren“ ein Kaufmann namens Schnürle.

Die zumeist knapp gehaltenen Rubrikangaben des Verzeichnisses können auch detaillierter ausfallen. Nimmt man noch einmal die Reutlinger Druckereien und Verlage, so erfährt man, dass die einen „Mordthatenbeschreibungen“ unters Volk bringen wollten, andere wiederum hofften auf Absatz für „katholische Gebetbücher“ und ein für 1859 zugelassener Handlungsreisender war guten Muts, für seine „Prophezeihungen pro 1859, 60 u. 61“ in Württemberg Abnehmer zu finden.

Interessamt ist auch, dass ein hoher Anteil der erfassten „Gewerbetreibenden“ Frauen waren. Eine Maria Rumpp etwa ging mit Putzwaren hausieren, die Witwe von Sattler Trißler mit Hosenträgern und Kappen und eine ledige Marie Ochs mit Besen. In nicht wenigen Fällen dürfte Bedürftigkeit der Grund dafür gewesen sein, dass diese Menschen quasi ‚auf die Straße gingen‘. Vereinzelt findet sich jedenfalls ein Vermerk, dass seitens der Stadt „armuthshalber“ auf eine Konzessionsgebühr verzichtet wurde.

Die geschilderten Beispiele zeigen, wie das rund anderthalb Jahrhunderte alte amtliche Verzeichnis heute eine aussagekräftige historische Quelle zur Reutlinger Personen-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte jener Zeit darstellt. Dies gilt umso mehr, als die Überlieferung des Stadtarchivs für das 19. Jahrhundert durch Kriegsverluste 1945 stark dezimiert wurde.

Das „Verzeichnis der von dem Stadtschultheißenamte ausgestellten Gewerbescheine“ für die Jahre 1851 bis 1870 wurde jüngst von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin des Stadtarchivs transkribiert. Diese Übertragung ist in das Datenbankprogramm des Stadtarchivs importiert und inzwischen auch als online-Ressource zugänglich gemacht worden. 


Es kann unter www.stadtarchiv-reutlingen.findbuch.net (Rubrik „D Städtische Ämter“ sowie Bestand „StSchult - Verzeichnis Gewerbescheine (Transkription)“) eingesehen beziehungsweise für Recherchen genutzt werden.
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