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125 Jahre Errichtung der Leonhardskirche


Am 29. April 1894 zog eine feierliche Prozession durch die Wilhelmstraße Richtung Burgplatz. Ziel war die damals neu errichtete „Hilfskirche“ an der Ecke Burg- und Seestraße. Die Errichtung dieses Kirchen- und Mehrzweckgebäudes war notwendig geworden, da die umfassenden Renovierungsarbeiten in und an der Marienkirche ab 1893 den Gottesdienst zu sehr gestört hätten. Nach einem feierlichen Abschied in der Marienkirche setzte sich der Zug der Teilnehmer unter dem Geläute der Glocken aller Kirchen bei strömendem Regen in Richtung der neuen Kirche in Bewegung. Sie alle gaben den liturgischen Gegenständen, die nun für eine Übergangszeit außerhalb der Marienkirche ihren Dienst tun sollten, ihr Geleit. Der Schlüssel wurde auf einem Kissen voran getragen und vor der neuen Kirche von Baurat Dolmetsch an Stadtpfarrer Ströle übergeben.
 
Die recht kurze Bauzeit von gerade einmal knapp neun Monaten – Baubeschluss war am 14. August 1893 – lässt es schon vermuten: Es handelt sich bei der Leonhardskirche nicht um einen „klassischen“ massiven Kirchenbau. Das Gebäude sollte ja nur interimsweise als Kirchenraum genutzt werden. Daher versuchten Baurat Heinrich Dolmetsch und der Architekt August Stechert den baulichen und finanziellen Aufwand möglichst gering zu halten, was sich leider in späterer Zeit an der oft bemängelten Bausubstanz bemerkbar machte. Die Seitenschiffe wurden breiter als gewöhnlich ausgeführt und sollten ursprünglich auch abtrennbar sein, damit der Innenraum später auch für Vereine oder andere Veranstaltungen genutzt werden könnte. An der Ausführung der Kirche aus Backsteinfachwerk („amerikanischer Pionierstil“) wurde zwar nicht direkt Anstoß genommen, allerdings bedauerte man im Kirchengemeinderat doch den fehlenden „kirchlichen Stil“. Durch das Einfügen von spitzbogigen Fensterformen anstelle der ursprünglich geplanten geraden Fensterstürze und von spitzbogigen Chor- und Arkadenbögen versuchte Baurat Dolmetsch daher, dem neuen Gotteshaus ein stärkeres kirchliches Gepräge zu verleihen. Dennoch fand der Volksmund später wenig schmeichelhafte Bezeichnungen für das Bauwerk, wie „Turnhallenkirche“.
 
Wie kam die Leonhardskirche nun zu ihrem Namen? Der Name des heiligen Leonhard hatte sich in dem Gebiet als Flurname erhalten. Dieser wiederum geht auf eine mittelalterliche St. Leonhardskapelle zurück, die allerdings 1531 abgebrochen worden war. Schnell hatte sich der überlieferte Name für die neue Kirche im Volksmund eingebürgert und wurde schließlich auch offiziell eingeführt – jedoch ohne das katholische „Sankt“.
 
Nach der Wiedereröffnung der Marienkirche im November 1901 hatte sich die „Interimskirche“ bewährt. Da der stetige Bevölkerungszuwachs die Einrichtung einer weiteren Pfarrei neben der Marien- und Katharinenkirche nötig machte, erhielt die Leonhardskirche 1908 diese Stelle. In jüngster Zeit nahm das Interesse an Gottesdiensten jedoch wieder stetig ab, weshalb nach dem erneuten Zusammenschluss mit der Marienkirchengemeinde im Jahr 2004 das Gebäude seit Januar 2010 nicht mehr als Kirche genutzt wird. Das Areal am Leonhardsplatz ist heute Teil der städteplanerischen Überlegungen im Oststadt-Quartier. Die liturgischen Gegenstände der Leonhardskirche werden nun in der Marienkirche aufbewahrt, für diesen Zweck und zum Andenken wurde die dortige ehemalige Marienkapelle in Leonhardskapelle umbenannt.



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