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Wandvitrinenausstellung des Stadtarchivs


Ein junger Kavalier mit Zylinder bittet eine Dame mit langen Locken höflich zum Tanz. Die dargestellte Szene ziert die Programmkarte zu einem „Museums“-Ball im Jahr 1910. Der fand nun freilich nicht Wein-Wagnerinmitten historischer Exponate statt. Die Reutlinger Museumsgesellschaft war damals vielmehr eine Vereinigung bürgerlicher Honoratioren. Sie hatte am Karlsplatz ein vornehmes Versammlungsgebäude („Museum“), das 1945 zerstört wurde. 1910 war es Veranstaltungsort für ein Tanzereignis mit „Polonaise“, „Blumentour“, „Walzer“ und anderen Stücken.

Zu den geladenen Gästen zählte damals auch die Familie des Kaufmanns Gotthold Wagner. Zusammen mit seinen Brüdern betrieb dieser im Bereich des heutigen „Alten Busbahnhofs“ ein „Landesproduktengeschäft“ und lebte mit Frau und zwei Töchtern in einer der Villen entlang der Karlstraße. Geschäftsschwerpunkte dieses seit den 1860er-Jahren bestehenden Unternehmens in unmittelbarer Bahnhofsnähe war der Handel mit Hopfen, aber auch mit Wein. Bis zum Betriebsende zu Beginn der 1980er-Jahre hatte sich hierfür der Name „Wein-Wagner“ eingebürgert.

1998 konnte das Stadtarchiv einen Teil des Nachlasses einer der Töchter Gotthold Wagners übernehmen. Die darin enthaltenen Lebensdokumente zeigen unter anderem Facetten des großbürgerlichen Lebens unter der Achalm in den Umbruchzeiten des Ersten Weltkriegs. Das Spektrum reicht dabei vom gedruckten Programm eines „Familien-Abends“ zur Feier der silbernen Hochzeit des Königspaares 1911 bis hin zu einer Wahlbenachrichtigung vom Jahresende 1918 zur verfassungsgebenden württembergischen Landesversammlung. Die war erstmals auch an Frauen versandt worden.
Neben einer Visitenkarte der „Hopfen-Grosshandlung“ der Gebrüder Wagner oder einer Rechnung von deren „Weinkellerei Reutlingen“ umfasst der Nachlass immer wieder auch Erinnerungsstücke zu gehobenen gesellschaftlichen Ereignissen. Die fanden in jener Zeit nicht zuletzt im Hotel „Kronprinz“ statt. (An dessen Standort sollte nach dem Zweiten Weltkrieg beziehungswiese als Nachfolger des legendären Parkhotels bis 1977 der Kronprinzenbau entstehen.) Der Nachlass enthält etwa eine Speisekarte für ein dortiges „Dîner“ 1908 mit einem Foto des Kaiser Wilhelm-Denkmals in Koblenz („Deutsches Eck“).

Ironisch dagegen präsentiert sich das Programm des wohl studentischen „Germania-Theaters“ für einen „Einakter mit unzähligen Aufzügen“ und dem Titel „Die Naturheilmethode“. Er sollte im Januar 1914 „zum ersten und letzten Mal“ aufgeführt werden. Die genannten Nachlassstücke sowie weitere ausgewählte Exponate können derzeit in einer kleinen Wandvitrinenausstellung des Stadtarchivs besichtigt werden. Der Nachlass Wagner ist ein Beispiel von vielen, wie privates Sammlungsgut im Archiv die amtliche Überlieferung der Stadt wirkungsvoll ergänzen kann. Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten der Rathaus-Eingangshalle noch bis Ende Oktober besichtigt werden.

Stadt Reutlingen

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