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Offene Jugendarbeit in der Corona-Krise? - Digitale Chancen für Jugendliche & Jugendhäuser


Das spüren auch Jugendliche, die ihre Freizeit vor der Epidemie in einem der vier Reutlinger Jugendhäuser oder im Jugendcafé in der Innenstadt verbracht haben. Die Jugendfreizeiteinrichtungen der Stiftung Jugendwerk und die sechs Jugendtreffs unter Trägerschaft der Stadt Reutlingen müssen genauso wie Kitas und Schulen bis zum Ende der Osterferien geschlossen bleiben. Das stellt Kinder, Jugendliche und Fachkräfte vor neue Herausforderungen, bietet aber auch neue Chancen! Denn eine Sache konnte das Coronavirus bisher noch nicht schließen: die digitale Welt. Und dieser kommt in Zeiten der sozialen Distanz eine enorm wichtige Rolle zu, nicht zuletzt für die Jugendeinrichtungen selbst.
 
Wichtig war die digitale Welt für junge Menschen auch schon vor dem Ausbruch von Covid-19. Das Internet mit all seinen Angeboten und Möglichkeiten prägt den Alltag von Jugendlichen. Durchschnittlich verbringen junge Menschen im Alter von 12 bis 19 dreieinhalb Stunden pro Tag im Internet. Sicher ist, dass die Internetnutzungsdauer von Jugendlichen in den „Coronaferien“ nochmals deutlich höher ausfällt. Wie die JIM-Studie 2018 belegt spielt insbesondere das Smartphone hierbei eine zentrale Rolle: 97 % der Jugendlichen haben ein eigenes Gerät. Die Plattformen Instagram und YouTube gehören neben WhatsApp & Co zu den meist genutzten Apps und sind für Jugendliche daher besonders bedeutungsvoll.
 
Junge Menschen eignen sich virtuelle Räume wie reale Räume an – indem sie die Kommunikations- und Austauschplattformen selbstverständlich nutzen und in ihren Alltag integrieren. Für Fachkräfte der Offenen Jugendarbeit ist dies nichts Neues. Da liegt es nahe, dass die Jugendhäuser sich auf den gängigen Plattformen präsentieren, die Jugendhausangebote online bewerben und auch auf virtueller Ebene in Kontakt mit Jugendlichen treten. Mit Schließung der Jugendhäuser aufgrund des neuartigen Coronavirus wurden diese digitalen Zugänge schnell zum zentralen Mittel der Jugendarbeit. Auch wenn die Türen des Jugendhauses geschlossen sind, können die Jugendhausteams die Jugendlichen über Social Media informieren und weiterhin mit ihnen kommunizieren. Vor allem können sie auf diese Weise weiterhin eine Anlaufstelle für Fragen, Probleme und Anliegen von jungen Menschen sein.
 
Inzwischen erproben die Jugendhäuser auf den Social Media Kanälen ganz neue Formen der virtuellen Jugendarbeit. Die neuen und innerhalb kürzester Zeit entworfenen Pläne für das „Online-Jugendhaus“ sind mit vielfältigen Angeboten gefüllt. Das Jugendhaus Bastille setzt das Profil aus Gesundheit, Bewegung und gesunde Ernährung jetzt über Online-Kochanleitungen, virtuelle Spaziergänge im Live-Chat und Fitness-Videos um. Im Jugendhaus Orschel-Hagen wird die reale mit der virtuellen Welt verknüpft in dem Gesellschaftsspiele und Bücher nun auch online ausgeliehen werden können und Jugendliche die Gelegenheit erhalten via Live-Chat mit zu kochen und Fragen an das Jugendhausteam zu stellen. Das Jugendhaus im Hohbuch sucht aktiv den Kontakt, indem ihre Besucherschaft bei Quizfragen zum Jugendhaus und Mitspielangeboten aufgefordert werden sich zu beteiligen. Im Jugendhaus Ariba sorgt eine gute Nachricht für einen fröhlichen Start in den Online-Jugendhaus-Betrieb, bevor die Jugendlichen dann über den Live-Chat die Möglichkeit haben sich von den Ideen des Teams für zu Hause inspirieren zu lassen und in Kontakt zu treten. Und auch das Jugendcafé steht mit den Reutlinger Jugendlichen über Messengerdienste und Online-Chats im Austausch. Neben diesen unterhaltsamen Angeboten, welche die Langeweile zu Hause etwas erträglicher machen sollen, sind die pädagogischen Fachkräfte über Social Media in erster Linie für Kontakt- und Beratungsangebote da. Wenn es Rede- oder Unterstützungsbedarf zum Beispiel bei den Schulaufgaben gibt, sind die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen fast genauso unkompliziert zu erreichen wie sonst in den Öffnungszeiten. Hierfür haben die Einrichtungen feste Kontakt- und Sprechzeiten eingerichtet, damit Jugendliche über Chat und Videotelefonie schnell und unkompliziert mit einem vertrauten Erwachsenen sprechen können.
 
Natürlich wird ein Videotelefonat oder ein Onlinechat auch in Zukunft kein persönliches Vieraugengespräch in den geschützten Räumen des Jugendhauses ersetzen können. Trotzdem ist es für die Jugendlichen von Bedeutung das Kontakt- und Beratungsangebot der Jugendhäuser auch in der Corona-Krise in Anspruch nehmen zu können. Gerade jetzt, wenn Jugendliche wenige Möglichkeiten haben an die frische Luft zu gehen, sich mit Freunden zu treffen und die Zimmerdecke immer näher kommt, kann der virtuelle Austausch Ventil sein und Möglichkeit geben einfach mal „Dampf abzulassen“. Dies ist nicht zuletzt deswegen wichtig, weil die derzeitige Ausnahmesituation auch in den Familien zu erhöhtem Stress und gesteigertem Konfliktpotential führen kann. Der Spagat zwischen Homeoffice, Unterstützung bei den Schulaufgaben und Kümmern um ältere Verwandte sorgt für zusätzliche Belastung bei manchen Eltern. Das spüren auch die Kinder. In solchen Zeiten ist es umso wichtiger, einen erwachsenen Außenstehenden zu haben, der zuhört, Verständnis zeigt, erklären kann, was gerade auf der Welt vor sich geht und warum es besser ist zu Hause zu bleiben, als sich mit Freunden auf dem Bolzplatz zu treffen.
 
Für die Fachkräfte der Reutlinger Jugendeinrichtungen ist es besonders wichtig, den Anforderungen und Herausforderungen von virtuellen Räume gut und sicher zu begegnen und innovative Formen zu entwickeln, wie sie in Krisenzeiten ohne direkten Kontakt gute und gesellschaftlich gewinnbringende sozialpädagogische Arbeit leisten können. Dazu gehört es zum Beispiel, sozialpädagogische Arbeitsprinzipien der Offenen Jugendarbeit wie Freiwilligkeit, Offenheit oder Geschlechtergerechtigkeit sinnvoll auf den virtuellen Raum zu übertragen. Die Jugendeinrichtungen der Stadt Reutlingen sind auf dem besten Weg sich die notwendigen Medienkompetenzen, bestehend aus technischem Know-how und Reflexionsvermögen anzueignen und diese souverän für die Belange der Jugendlichen einzusetzen. Dabei geht es auch darum Medieninhalte kritisch hinterfragen zu können, um zum Beispiel die Verbreitung und Wirkung von „Fake News“ abzufedern – und Mediengeräte zielgerichtet und der Situation entsprechend einzusetzen. Mit diesen Kompetenzen werden die Jugendeinrichtungen der Stadt Reutlingen auch in Zeiten der Corona-Krise für junge Menschen da sein.

Mitarbeiter Jugendhaus Bastille




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