Impressionen aus Reutlingen

Immer gut informiert bleiben!

Newsletter

Mit dem Newsletter-Service von reutlingen.de bestimmen Sie selbst, zu welchem Themengebiet wir Sie informieren dürfen.
Newsletter abonnieren

RSS-Feed

Mit RSS-Newsfeeds haben Sie die Möglichkeit, ständig komfortabel und automatisch über neue Nachrichten informiert zu sein. Hierzu bekommen Sie keine E-Mail.
Lesen Sie hier weiter wie es funktioniert...

Fund im Stadtarchiv: Königsurkunde Ludwigs XVI. für die Stadt Reutlingen


Bei Erschließungsarbeiten der Gesandtenberichte vom „immerwährenden“ Regensburger Reichstag fand sich die akkurat geschriebene vierseitige Papierhandschrift, die die königliche Kanzlei in Versailles am 12. Januar 1775 aufsetzte und in Regensburg, dem Sitz des Reichstags, für Reutlingen abgeschrieben wurde.
 
Es handelte sich um ein Privileg, das die Tätigkeit von Reutlinger Kaufleuten und Handwerkern im Königreich Frankreich erleichtern sollte. Hoch erfreut stellte man im Rathaus im März 1775 dazu fest, dass dank Fürsprache des Kaisers die Aufhebung des französischen „Albiginal“- oder Heimfallrechts in die Wege geleitet wurde. Um was drehte es sich? Das „Ius albinagii“, ein uralter Zopf königlicher Vorrechte jenseits des Rheins, besagte, dass Fremde, anderswo Geborene („alibi natos“), im Königreich nichts vererben konnten, vielmehr erhob der König Anspruch darauf. Verstarb nun ein Reutlinger Kaufmann auf einer Reise nach Paris oder Lyon, fiel das gesamte Hab und Gut, das er bei sich führte, an die Krone. Jahrelang hatten sich gerade die auf Handel und Gewerbe angewiesenen Reichsstädte bemüht, wie die größeren Länder von dieser Diskriminierung ausgenommen zu werden. Nach der Thronbesteigung des letzten französischen Königs 1774 erhielt endlich auch Reutlingen zusammen mit 23 weiteren Städten dieses Privileg.
 
Entsprechend sorgfältig von zwei Pappdeckeln geschützt, gelangte das Schriftstück in die Reichstagsakten des städtischen Archivs. Derzeit werden diese bis 1495 zurückreichenden Unterlagen erschlossen. Die Akten sind über rund 300 Jahre so etwas wie ein Spiegel der großen Politik, von der Reutlingen als freie Reichsstadt aus erster Hand erfuhr. In den frühen Jahren lassen sich so die dramatischen Vorgänge um Reformation und Türkenkriege nachlesen, später dann verzweifelte Bemühungen der kleineren Stände im Süden Deutschlands, von den Kriegsverheerungen des nicht umsonst „eisern“ genannten 17. Jahrhunderts verschont zu bleiben. Gerade die jüngeren Akten enthalten daneben mehr und mehr weitschweifige Berichte über gesellschaftliche Vorgänge, Sensationen wie die Verhaftung der Schwester des württembergischen Herzogs Karl Eugen, die einen Giftanschlag auf ihren am Reichstag in hoher Stellung beschäftigten Gatten plante. Zuweilen ist es aber auch schlicht Klatsch und Tratsch: Im Februar 1755 hielt man es für berichtenswert, dass ein anhaltinischer Legationssekretär namens Claepius „mit noch andern seinesgleichen auf den hiesigen Kirchweyh-Marckte und zwar sehr betruncken“ anlangte und „unterschiedene vorbeygehende Persohnen, worunter auch eine Vieh-Magd mit ihrer Mistgabel war, theils caressierte, theils re- et verbaliter injurirte.“ Hin und wieder musste jedoch selbst der redseligste Berichterstatter die Waffen strecken: „Seit währender Faschingsferien“, so heißt es Ende Februar 1765, „ist in publicis lediglich nichts zu berichten.“
 
Notiz genommen wurde auch von der Geburt einer Tochter Kaiserin Maria Theresias im November 1755. Getauft wurde sie auf den Namen Maria Antonia, bekanntlich die spätere Frau des französischen Königs, dem Reutlingen sein Privileg verdankte und die 1793 nach misslungener Fluch aus dem revolutionären Paris mit ihrem Mann auf dem Schafott endete.
 
Die Unterlagen können im Stadtarchiv mit Einschränkungen und unter Beachtung der Hygienemaßregeln genutzt werden. Die Lesesaalplätze sind begrenzt, eine vorherige Anmeldung per E-Mail oder Telefon ist erforderlich. Kontakt: stadtarchiv@reutlingen.de, Tel.: 07121/303-2386.


Stadt Reutlingen

Bleib in Kontakt!

Alles auf einen Blick