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Bundesweite Antikörperstudie startet - Landkreis wird Pilotregion


Wissenschaftliche Daten deuten darauf hin, dass aufgrund milder und asymptomatischer Infektionsverläufe viele COVID-19-Fälle nicht erfasst werden. Daher ist nicht zuverlässig möglich, die Anzahl Menschen abzuschätzen, die tatsächlich eine Infektion mit SARS-CoV-2 hatten oder haben. Gerade auch die flächendeckenden Abstriche in den stationären Einrichtungen der Altenhilfe und Eingliederungshilfe im Landkreis Reutlingen haben dies bestätigt, wie Landrat Reumann betonte. „Fast dreiviertel aller positiv getesteten Bewohnerinnen und Bewohner in den stationären Einrichtungen der Altenhilfe hatten im Vorfeld keine Symptome angegeben“, so Reumann. Außerdem gibt es bislang keine ausreichenden Daten, wie viele Personen in Deutschland bereits eine Infektion durchgemacht und damit eine mutmaßliche Immunität gegen SARS-CoV-2 aufgebaut haben. Bei der Beurteilung und Prognose des weiteren Verlaufs der Pandemie spielen diese Daten allerdings eine wichtige Rolle.

Helmholtz-Zentrum mit bundesweitem Projekt

Vor diesem Hintergrund führt das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung ein bundesweites Projekt durch. Mit dem Projekt soll das Wissen über die tatsächliche Verbreitung von Infektionen mit SARS-CoV-2 und entsprechender Immunität in verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Deutschland im Zeitverlauf verbessert werden. Damit kann eine Grundlage für Handlungsempfehlungen geschaffen werden, wie die aktuelle Corona-Pandemie in Deutschland effektiv eingedämmt und gleichzeitig das öffentliche Leben so weit wie möglich normalisiert werden kann. Außerdem können die Ergebnisse dazu genutzt werden, die Wirkung neuer Maßnahmen besser abzuschätzen. Mittels Antikörperbestimmungen gegen SARS-CoV-2 in Blutproben können wertvolle Informationen zu diesen Fragen geliefert werden. Der Landkreis Reutlingen wurde ausgewählt, weil die Region durch städtische und ländliche Bereiche geprägt ist. Die Stadt Reutlingen stellt für die Testungscontainer das Parkplatzgelände am alten Paketpostamt zur Verfügung. „Ich schätze die Arbeit des Helmholtz-Zentrums sehr. Mit großem Interesse habe ich dessen erste Studie zur Corona-Pandemie verfolgt, die sich durch klare und wissenschaftlich fundierte Aussagen auszeichnet und sich damit wohltuend von manch anderen Veröffentlichungen unterscheidet. Dass der Standort des Testzentrums mitten in unserer Stadt angesiedelt wird, ist kein Zufall! Ich habe mich persönlich dafür eingesetzt, dass die Antikörperstudie in Reutlingen durchgeführt wird, denn wir alle sollten uns immer wieder vor Augen führen, dass wir uns immer noch mitten in der Pandemie befinden und dass das Virus uns auch in Zukunft beschäftigen wird. Unser städtisches Paketpost-Areal ist hervorragend für diese bedeutende Studie geeignet, weil es gut zu erreichen ist - zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Auto oder dem Bus,“ so Oberbürgermeister Thomas Keck.

Landkreis Reutlingen wird Pilotregion

Der Landkreis Reutlingen hat jetzt einen Kooperationsvertrag mit dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung abgeschlossen. Landrat Reumann freut sich, dass der Landkreis Reutlingen als Pilotregion für diese Studie ausgewählt wurde und sieht dies als Bestätigung für die umfangreichen Aktivitäten des Landkreises und des Kreisgesundheitsamtes im Gesundheitsbereich an. Ab dem 1.7. wird auf dem ehemaligen Paketpostgelände in Reutlingen das Testzentrum durch die Johanniter-Unfall-Hilfe betrieben. Kevin Grigorian, Experte der Johanniter für den Bevölkerungsschutz, erklärt: „Wir als große deutsche Hilfsorganisation unterstützen sehr gern bei der Durchführung der bundesweiten Corona-Antikörperstudie, um damit einen weiteren Beitrag zur Eindämmung des Virus zu leisten.“
Auf Antikörper testen lassen kann sich aber nicht jeder. Weil die Daten repräsentativ für die Bevölkerung sein sollen, werden die Teilnehmer über die Einwohnermeldeämter ausgewählt und direkt angeschrieben.
 

Das Helmholtz-Zentrum im Potrait

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) im niedersächsischen Braunschweig gehört der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, der größten außeruniversitären Wissenschaftsorganisation Deutschlands, an. Das HZI hat die Studie konzipiert (Studienleitung Prof. Dr. G. Krause) und ist mit Beteiligung des Kreisgesundheitsamtes verantwortlich für die Planung, Durchführung und Auswertung. Die Studienteams bestehen aus hierfür geschultem Personal des HZI und der Johanniter. Die Laboruntersuchungen finden zunächst alle zentral in einem Labor statt und werden dann zur Bestätigung und für weiterführende Analysen im Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) und am Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut (NMI) untersucht.
 
 

Stadt Reutlingen

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