Ausschnitt aus dem Pax Publica

„Ordentlicher Badplatz für Männer, Frauenzimmer und Kinder“
Eröffnung des „Arbachbassins“ am 20. Mai 1854


Badebetrieb im Arbachbad während des Sommers 1952. Im Bildhintergrund ist die 1929 errichtete Reutlinger Jugendherberge zu erkennen. (StadtA Rt., S 100 Nr. 23/21) Der reimende Reutlinger Lehrer und Chronist Carl Bames schildert in seinen Aufzeichnungen durchaus wohlwollend Anlegung und Einweihung des Beckens: „Eine Gesellschaft jüngerer Bürger war zusammen getreten und hatte die Sache auf Aktien unternommen, um einen ordentlichen Badplatz für Männer, Frauenzimmer und Kinder zu bekommen". Im Winter 1853/54 waren die Grabungsarbeiten durchgeführt worden („Günstig war’s, als man grub tiefer / Dass man kam auf Liasschiefer") und am 20. Mai konnte das Bassin mit Musik und Gesang eröffnet werden („Publikum und Aktionäre / Freuen sich darüber sehre").

Die heute als geradezu zukunftsweisend erscheinende private Trägerschaft des Bades in Form einer Aktiengesellschaft sollte sich allerdings im vorletzten Jahrhundert nicht bewähren. 1877 ging das „Arbachbassin" auf die Stadtgemeinde über, die den Betrieb fortführte: Eintrittskarten zu 10 Pfennig das Stück wurden an „Wiederverkäufer" abgegeben, und ein Polizeidiener sorgte als Badewärter dafür, dass kein Schwimmlustiger ohne dieselben sich im oder um das ovale Becken mit einem Längsdurchmesser von etwas über 50 Metern tummelte. Gleichzeitig mit der Übernahme durch die Stadt fiel auch der Beschluss, das Bassin künftig im Winter kontinuierlich als Eisbahn zu nutzen, was auch regelmäßig geschah, außer wenn wegen Trockenheit kein Wasser zum Einfrieren zugeleitet werden konnte.

Die entscheidende Wandlung zum Freibad im heutigen Sinne hat das „Arbachbassin" nach dem Ersten Weltkrieg durchgemacht. Bis dato war das Becken von einem relativ schmalen Rand und einem Erdwall eingeschlossen gewesen. Nun wurde die Attraktivität der Anstalt durch die Anlegung eines „Licht- und Luftbades" mit einer begrünten Liegefläche von zunächst rund 1800 Quadratmeter nachhaltig gesteigert. Der Liegebereich konnte in der Folgezeit sukzessive erweitert werden, und bis 1934 hatte das nunmehr auch so bezeichnete „Arbachbad" mit 13 000 Quadratmeter Gesamtfläche bereits seine maximale Ausdehnung zwischen den angrenzenden Straßen und Gewässern erreicht.

Auch nach 1945 blieb es zunächst einmal das Reutlinger Freibad schlechthin, das allerdings – inmitten des Industriegebiets zwischen Reutlingen und Pfullingen gelegen – dem stetigen Zuspruch einer steigenden Stadtbevölkerung nicht mehr gewachsen war. Mit der Eröffnung des Freibads Markwasen im Juni 1955, dessen Gelände sich über 10 Hektar erstreckte, wurde ein Kapitel Reutlinger Badegeschichte abgeschlossen, das vielen Reutlingern bis heute in erfrischendster Erinnerung geblieben ist.

Mit einer kleinen Wandvitrinenausstellung wird das Stadtarchiv an jenes „Badbassin" von 1854 erinnern, das sich im Lauf seiner 100jährigen Geschichte zum ersten Reutlinger Freibad entwickelt hat. Neben zeitgenössischen Fotos und Plänen ist unter anderem der Antrag eines Reutlinger Stadtrats namens Oskar Kalbfell - des späteren Oberbürgermeisters - zu sehen, der 1932 mit Nachdruck und erfolgreich die Einrichtung eines Planschbeckens gefordert hat. Unter den ausgewählten Exponaten befindet sich auch eine erste Revision der Badeordnung vom Juli 1854, wonach „Frauenzimmern" die Benutzung des „Bassins" zunächst ausschließlich an „Sonn- und Feiertagen von Morgens 9 bis 11 Uhr und an Wochentagen von 11 bis 3 Uhr" gestattet wurde. Die Ausstellung kann ab 24. Mai vor den Diensträumen des Stadtarchiv während der Rathaus-Öffnungszeiten besichtigt werden.


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