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"Beinkleider sind rathsam".
Kleine Geschichte der Unterhose

22.07.2007 - 23.09.2007

Plakat

„Beinkleider sind rathsam“: Mit solchen Ratschlägen wurde im 19. Jahrhundert für die neue Bekleidungsform der Unterhose geworben. Zuvor gab es keine Unterwäsche im heutigen Sinn. Ein einfaches Leinenhemd, das zugleich als Oberhemd getragen wurde, diente Männern und Frauen als Unterwäsche und Nachthemd. Erst als das Militär in den 1860er Jahren Unterwäsche aus Trikot für die Soldaten einführte, wurden Unterhosen für den Mann in breiten Bevölkerungskreisen üblich. Bei den Frauen hingegen entbrannte ein regelrechter „Kampf um die Hose“. Lange Zeit hatten Begriffe wie „Beinkleid“ oder „Hose“ im Zusammenhang mit dem weiblichen Körper einen peinlichen Beigeschmack: Unterhosen waren die „Unaussprechlichen“. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde – gefördert durch ein neues Hygienebewusstsein und durch sport-liche Aktivitäten wie Reiten und Tanzen - die Unterhose zum selbstverständlichen Bestandteil weiblicher Bekleidung.

Die Ausstellung verfolgt die Entwicklung der Unterhose vom Hemd bis zum Stringtanga. Neben erotischen Aspekten der Unterwäsche sind die damit verbundenen Scham- und Peinlichkeitsgrenzen Thema, beispielsweise der historische Umgang mit der weiblichen Monatshygiene. Die kleine kulturgeschichtliche Modenschau der Damen- und Herrenunterhosen wird durch die Präsentation historischer Baby- und Kinderwäsche vervollständigt. Auch das Material für die direkt auf der Haut getragenen Kleidungsstücke wandelte sich: Ob „Baumwoll-Reform-Wäsche“ von Dr. Lahmann oder wollene „Normalwäsche“ von Dr. Jaeger den besseren Tragekomfort versprach, führte in den 1880er Jahren zu einer heftigen Kontroverse.

Als Ausblick werden aktuelle Wäscheneuheiten für den Sport-, Freizeit- und Arbeitsbereich vorgestellt. Filmdokumente und Werbeplakate geben spannende Einblicke in die Strategie der historischen und aktuellen Wäschereklame. Auch wenn die Wäscheindustrie heute mit halbnackten Schönheiten wirbt, bleibt die Unterhose im Alltag doch nach wie vor den Blicken verborgen.

Die Ausstellung ist eine Produktion des KulturBüros Michael Schödel, Reutlingen. Das Heimatmuseum ergänzt diesen interessanten Rückblick auf die Kulturgeschichte der Unterhose durch Wäschestücke der Reutlinger Firma Heinzelmann. Die international renommierte Firma produzierte von 1886 bis 1990 Unterwäsche und Bademoden. Die ansprechend präsentierte Modenschau zur Entwicklung der Unterhose rückt ein spannendes Kapitel verborgener Alltagsgeschichte reizvoll ins Rampenlicht.

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Redakteur / Urheber

Stadt Reutlingen

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