Ausschnitt aus dem Pax Publica

Stadtarchiv-Ausstellung: Eröffnung der elektrischen Straßenbahn 1912


Geschmückte Eröffnungszüge stehen am 24. Juli 1912 vor dem Hauptbahnhof bereit zum Empfang der Ehrengäste aus Stuttgart Die „Elektrische“ löste die 1899 in Betrieb genommene und dampfbetriebene „Büschelesbahn“ zwischen Eningen und Reutlingen ab. Die war durch die Gartenstraße bis zum Hauptbahnhof gefahren. Auf einer 7,2 Kilometer langen Strecke verkehrten die neuen Wagen fortan bis nach Betzingen. Auf ausdrücklichen Wunsch der Geschäftsinhaber in der Wilhelmstraße führte sie im Übrigen ab 1912 durch Reutlingens damalige Hauptverkehrsader. Zusammen mit den Gleisen erhielt diese als erste Reutlinger Straße überhaupt einen Pflasterbelag.

Finanzierung, Bau und Betrieb lag über dreißig Jahre lang in Händen der privaten Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft aus Stuttgart. So verfügte Reutlingen ab 1912 über ein Nahverkehrsmittel, von dem Kommunen vergleichbarer Größe in jener Zeit nur träumen konnten. Auch die Stadt Pfullingen entschied sich nach anfänglichem Zögern für eine entsprechende Verkehrsanbindung. Die Folgen des Ersten Weltkriegs verzögerten den Bau jedoch erheblich, erst ab September 1916 fuhr auch dorthin eine Straßenbahn.

1928 konnte die nächste Linie realisiert werden: eine Verbindung zu den Orten Rommelsbach, Oferdingen und Altenburg. Diese Strecke befand sich im Eigentum der Stadt Reutlingen. Namhafte Industrieunternehmen unterstützten das Vorhaben, da sie Interesse daran hatten, Arbeitskräfte aus den nördlich gelegenen Ortschaften zu gewinnen. 1944 vereinigte die Stadt alle Linien zu einem Eigenbetrieb mit der Bezeichnung „Reutlinger Straßenbahnen“, der schließlich ab 1952 zu den neu gebildeten Stadtwerken gehörte. 

Nach der Beseitigung der vergleichsweise eher geringen Kriegsschäden mit nur kurzer Betriebseinstellung 1945 erbrachte die Bahn Höchstleitungen: 1948 wurden 9,9 Millionen beförderte Personen auf den drei Linien registriert. Mit aus finanziellen Erwägungen unterblieben jedoch ab Ende der fünfziger Jahre richtungsweisende Modernisierungen, obwohl etwa durch den Neubau der Siedlungen Römerschanze und Storlach in die Bahnen von Altenburg her immer mehr Fahrgäste einstiegen.

Lediglich der Neubau der Linie nach Orschel-Hagen hatte ab September 1964 noch eine Netzerweiterung auf 22,4 km Gleislänge zur Folge. Ein Verkehrsgutachten regte 1966 jedoch die Umstellung auf Busbetrieb an, was zur schrittweisen Einstellung führte. Die letzten Bahnen fuhren nach Betzingen am 5. September 1967, nach Altenburg und Orschel-Hagen am 30. Mai 1970 und nach Eningen und Pfullingen am 19. Oktober 1974.

Für 20 Pfennig von Eningen bis zum Karlsplatz: Ein Fahrschein von 1954 zeigt das damalige Liniennetz In der kleine Archivalienschau sind unter anderem der „Vertrag zwischen der Stadtgemeinde Reutlingen und der Württembergischen Eisenbahngesellschaft über den Bau und Betrieb einer elektrischen Straßenbahn“ von 1911, ein grafischer Fahrplan von 1912 sowie Fotos von den ersten Betriebstagen 1912 bis zur letzten Fahrt im Oktober 1974 zu sehen. Die Ausstellung kann bis zum 18. August zu den Öffnungszeiten der Rathaus-Eingangshalle besichtigt werden.
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