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Der Fotograf Carl Näher – Fotografien von 1934-1952

Hintergrundinformationen

Seit 1925 betrieb der Fotograf Carl Näher (*1901 in Straßburg, + 1981 in Reutlingen) gemeinsam mit Arnulf Schweyer die Lichtbild- und Verlagsanstalt Schweyer & Näher in der Kanzleistraße 9. Nähers Schritt in die Selbstständigkeit erfolgt vier Jahre später. Mit Platten- und Kleinbildkamera fotografierte er in Reutlingen und auf der Schwäbischen Alb, Motive aus dem Schwarzwald, den Alpen oder vom Bodensee kamen ebenso in den Kasten. Private Feiern, detaillierte Firmenporträts, in Szene gesetzte Postkartenmotive: Nähers Repertoire passte sich der Nachfrage des Marktes an und war entsprechend breit gefächert. Bald war er auch bei aktuellen Ereignissen im Einsatz, die er als Reportagefotograf dokumentierte. Seine Aufnahmen aus der Zeit des Nationalsozialismus sind heute wertvolle Bildquellen.

In mehreren Abschnitten erwarb das Stadtarchiv Reutlingen nach der Auflösung der Firma 1993 den größten Teil des Bildbestandes, der bis in das Jahr 1934 zurückreicht. Unter den etwa 330 000 Glasplatten, Planfilmen und Kleinbildnegativen befinden sich viele Schätze von stadt- und regionalgeschichtlicher Bedeutung. Die Aufnahmen des Albums zeigen nur Motive und Themen, mit denen sich der Fotograf während der ersten beiden Jahrzehnte seiner Selbstständigkeit beschäftigte. Durch die finanzielle Unterstützung der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg bildet die Sammlung Näher derzeit den Schwerpunkt der Erschließungsarbeit des Stadtarchivs.


Hinweis:

Jede Verwertung der Fotografien ist ohne Zustimmung des Stadtarchivs Reutlingen unzulässig.

Carl Näher im Schwarzwald

StadtA Rt., S 105/4 Nr. 351/8 (1938)
Carl Näher im Schwarzwald
Foto Näher am Weibermarkt

Mit „Lichtbildner, Photohandlung“ meldete sich Carl Näher als selbstständiger Fotograf 1929 beim Steueramt an. In seinem Laden am Weibermarkt 3 vertrieb er Fototechnik und Filme und unterhielt ein Fotolabor.

StadtA Rt., S 105/4 Nr. 13056 (1937) 
Carl Nähers Fotoladen am Weibermarkt 3
Anblick

Rund um die Nikolaikirche und den Gerberbrunnen reihten sich das Herren- und Knabenkonfektionsgeschäft Müller & Co. in der Wilhelmstraße 12, im Hintergrund am Nikolaiplatz 5 befand sich die Werkstatt von Emil Kohfink Elektro-Installation und in der Wilhelmstraße 10 der Gasthof zum Goldenen Hahn. Noch tauchen Verkehrsmittel wie Leiterwagen und Fahrräder häufiger im Stadtbild auf als Autos.

StadtA Rt., S 105/4 Nr. 10213 (1934)
Nikolaikirche und Gerberbrunnen
Durchblick

Kein Licht ohne Schatten: Mit diesem Wechselspiel gestaltete der Fotograf Straßenszenen, hier den Durchgang beim Spitalhof, besonders effektvoll. Im Hintergrund ist das Bürobedarfsgeschäft von Gustaf Bofinger, Marktplatz 2, zu sehen.

StadtA Rt., S 105/4 Nr. 10181 (1934)
Durchgang Spitalhof
Überblick

Bei allen Fotografen waren Stadtansichten von erhöhten Standpunkten aus, wie zum Beispiel vom Turm der Marienkirche, als Postkartenmotive sehr beliebt. Das halb geöffnete Fenster verleiht dem Blick in Richtung Tübinger Tor einen zusätzlichen Reiz.

StadtA Rt., S 105/4 Nr. 10032 (um 1934)
Stadtansicht von erhöhtem Standpunkt aus
Neuland

Im Bereich der Oststadt entstanden ab Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche Fabrikantenvillen. Die Besitzer ließen ihr Wohneigentum, hier die Villa Carl Schirm in der Charlottenstraße am Stadtgarten, auch in den darauf folgenden Jahrzehnten immer wieder porträtieren. Die Aufnahmen der repräsentativen Häuser und Gartenanlagen wurden oft durch Fotografien der Inneneinrichtung ergänzt.

StadtA Rt., S 105/4 Nr. 10494 (1934)
Villa Carl Schirm
Stillleben mit Zeitung und Brille, 1. Februar 1934

Von Anfang an finden sich im Nachlass des Fotografen auch Stillleben. Neben Aufnahmen von inszenierten Gegenständen aus dem Alltag entstanden Fotos mit jahreszeitlichen Arrangements für Postkarten. Ständig entwickelte der Fotograf seine eigenen Bildideen weiter. Unter „Fotohandlungen“ war Carl Näher im Adressbuch von 1937 aufgeführt. Im Adressbuch von 1951 war der Eintrag um „Modernes Meisteratelier, Spezialität Werbe- und Industrieaufnahmen“ ergänzt.

StadtA Rt., S 105/4 Nr. 10602 (1934)
Stillleben Zeitung und Brille
Wirtschaftliche Entwicklung

Das Echaztal bei Honau: Eine Lebensader, deren Wasserenergie ausschlaggebend für Industrieansiedlungen war. Bereits 1897/98 expandierte die in Pfullingen ansässige „Baumwollweberei Gebrüder Burkhardt“ und errichtete eine Baumwollspinnerei am Bahnhof Unterhausen.

StadtA Rt., S 105/4 Nr. 11224 (1935)
Echaztal bei Honau
Unterwegs

Ob im Schwarzwald, im Allgäu oder am Bodensee: Szenen des ländlichen Alltags, Landschaften und Sehenswürdigkeiten kamen immer in den Kasten, manchmal in umfangreichen Serien. Hier der Blick aus dem Zimmer der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff im Schloss Meersburg auf den See.

StadtA Rt., S 105/4 Nr. 11935 (1937)
Blick auf den See in Meersburg
Chronist

Wie kein anderer Reutlinger Fotograf dokumentierte Carl Näher die Zeit des Nationalsozialismus mit ihren Aufmärschen, Versammlungen, Aktionen des Winterhilfswerks, Reichsberufswettkämpfen und Wahlkundgebungen, hier vor dem Reutlinger Rathaus im Jahr 1938.

StadtA Rt., S 105/4 Nr. 318/15 (1938)
Nationalsozialismus vor dem Rathaus
Verschönerung und Propaganda

Rohstoff- und Baustoffkontingentierung schränkten die Bautätigkeit in den 30er- und 40er-Jahren stark ein. Bei den wenigen realisierten öffentlichen Bauten waren altdeutsche Bauformen und Elemente nationalsozialistischer Formensprache beliebt. Den Eingangsbereich des 1936 erbauten Olympia-Lichtspielhauses am Federnseeplatz, Ort für Propagandaveranstaltungen, gestaltete der Maler Anton Geiselhart mit von den Nationalsozialisten hochgehaltenen Symbolen wie Familie, Sport, Hitlerjugend und Bauernschaft.

StadtA Rt., S 105/4 Nr. 11696 (1936)
Eingangsbereich des Olympia-Lichtspielhauses
Bei der Arbeit

Ob Küfer, Schriftsetzer, Fabrikarbeiter oder ein Kaminfeger auf den Dächern: Carl Näher schaute genau hin, wenn er Menschen bei der Arbeit in ihrer Umgebung fotografierte.

StadtA Rt., S 105/4 Nr. 11163 (1935)
Kaminfeger auf dem Dach
Immer fleißig

Im Nähsaal der Strickwarenfabrik Beutel-Bild, Burgstraße 56-58, wurde auch mitten im Krieg fleißig gearbeitet. Häufig wurden solche Produktionsabläufe zu Propagandazwecken inszeniert und dokumentiert um von Schwierigkeiten wie Materialnachschub oder Arbeitskräftemangel abzulenken.

StadtA Rt., S 105/4 Nr. 30311 (1941) 
Carl Näher und HAP Grieshaber
Rohstoffmangel

Über eine Holzrampe wurden 1942 vier Glocken der Marienkirche auf einen pferdebespannten Anhänger geschoben, eine Glocke blieb hängen. Schaulustige Reutlinger verfolgten den Abtransport Richtung Güterbahnhof, von dort wurden die Glocken zum Einschmelzen gebracht. Nur eine Glocke kehrte nach dem Krieg zurück.

StadtA Rt., S 105/4 Nr. 1046/17 (1942)
Abtransport Glocken der Marienkirche
Auf dem Land

Rübenernte und Ochsengespann: Auf seinen Streifzügen über die Schwäbische Alb fotografierte Näher Bauern und Feldarbeiter – für uns heute Bilder aus einer längst vergangenen Zeit. Seine Motive der schweren Arbeit in malerischer Landschaft unter einem dramatischen Wolkenhimmel haben bis heute nichts von ihrer Ästhetik verloren.

StadtA Rt., S 105/4 Nr. 10725 (1934)
Rübenernte und Ochsengespann
Gestaltung

Mit der Reutlinger Kunstszene war Carl Näher eng verbunden. Hier begutachtet er mit HAP Grieshaber die Schaufenstergestaltung des Malers Lothar Quinte, der die Auslagen des Fotogeschäfts Näher am Weibermarkt neu arrangierte. 
                            
StadtA Rt., S 105/4 Nr. 3502/18 (1952)
Aufbruch

Mitte der 50er Jahre eröffnete Carl Näher am aufstrebenden „Boulevard“ Karlstraße im Haus Nr. 22 eine Filiale mit großzügigem Studio. Sein Sohn Dietmar, Fotografenmeister wie der Vater, übernahm das Fotohaus von 1974 bis zur Schließung 1993.     
                   
StadtA Rt., S 105/4 Nr. 37760 (1955)
Karlstraße

Stadt Reutlingen

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