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Unbekannte Schätze des Jugendstils

Hintergrundinformationen


 
Der Jugendstil war in unterschiedlichen Ausprägungen von etwa 1890 bis 1915 international verbreitet. Eines seiner Hauptanliegen war die Schaffung einer alle Lebensbereiche durchdringenden neuen Kunstform, eines „Gesamtkunstwerks“, das im Wohnbereich von der Architektur bis zur Türklinke oder dem Besteck reichen sollte. Bedeutende Zentren waren in Europa etwa Paris oder Brüssel, wo üppige pflanzliche Formen eine „floral-dynamische“ Ausprägung bestimmten, während in Wien oder Darmstadt eine strengere, „geometrisch-abstrakte“ Strömung vorherrschte.

Natürlich kann Reutlingen mit solchen Hochburgen nicht mithalten, aber wie in nahezu jeder größeren deutschen Stadt gibt es auch hier zahlreiche Gebäude, die zumindest Elemente des Jugendstils aufweisen. Dabei ist für die Region (und darüber hinaus) geradezu typisch, dass die meisten Häuser eigentlich noch vom Historismus geprägt werden und nur in Details wie dem Fassadendekor, Türen oder Fenstern den neuen Stil zeigen. Gerade auf solche wertvollen, leider aber auch allzu oft gefährdeten Details soll aufmerksam gemacht werden.

Fotogalerie "Unbekannte Schätze des Jugendstils"

  • Fenster Kaiserstraße

Die geschwungenen Blatt- und Blütenranken sind typisch für den „floralen“ Jugendstil. Obwohl noch relativ häufig in Reutlingen anzutreffen, gehören die Glasmalereien der Zeit doch zu den gefährdeten Objekten, die zudem noch weitgehend unerforscht sind.
StadtA Rt., S 100 Nr. 12411/13
  • Lederstraße 90
1896/1901, Architekt: Gottlieb Weiß

Das Haus bekam 1901 seinen reichen Stuckdekor, der in dem 1896 errichteten Zwerchhaus gipfelt. Hier zeigt sich deutlich, dass eine wesentliche Voraussetzung des Jugendstils im Neobarock lag. Die großen Initialen beziehen sich auf die Bauherren, die Gipsermeister Gustav und Georg Benz.
StadtA Rt., S 100 Nr. 12853
  • Oberralschule (heute Johannes-Kepler-Gymnasium)
1903/06, Architekt: Friedrich Krämer

Alle drei Risalite (leicht vorspringende Fassadenteile) werden durch Attiken (niedrige Dachaufbauten über dem Kranzgesims) betont. Hier konzentriert sich der Fassadenschmuck. Obwohl motivisch der Antike entlehnt, sind die Palmetten, Festons und Blattranken in dieser Form und Anordnung nur im Jugendstil denkbar.
StadtA Rt., S 100 Nr. 12852/1
  • Treppenhausdecke Oberrealschule (heute Johannes-Kepler-Gymnasium)
1903/06, Architekt: Friedrich Krämer

Ungewöhnlich sind die im ganzen Treppenhaus angebrachten Stuckbänder des Reutlinger Bildhauers Wolter mit den auffallenden Rundschilden. Die Glasmalereien stammen von dem hiesigen Atelier Carl Schneider.
StadtA Rt., S 100 Nr. 12852/3
  • Portal Schillerstraße 9
1902, Architekt: Anton Röllig

Das im „Fischer-Bogen“ schließende Portalfeld des auch sonst reich dekorierten Hauses gehört zu den markantesten und schönsten Leistungen des Jugendstils in Reutlingen. Mit der - bildhauerisch ungewöhnlich qualitätsvollen - Frauenfigur und dem die Fläche füllenden Rosenlaubwerk wurden hier zwei geradezu klassische Motive kombiniert.
StadtA Rt., S 100 Nr. 12854
  • Emilienkrippe, Mauerstraße 46
1913/14, Architekt: Richard Böklen & Karl Feil

Der neoklassizistische Bau der Stuttgarter Architekten besitzt eines der schönsten Jugendstilportale der Stadt, das neben bereits leicht abstrahiertem Pflanzendekor in der Archivolte vor allem die einzigen Vollfiguren in diesem Zusammenhang aufweist: zwei Kleinkinder, die auf die Funktion des Gebäudes hindeuten. Zusammen mit Blumenkörben erinnert die Komposition an entsprechende keramische Arbeiten etwa der Wiener Werkstätte.
StadtA Rt., S 100 Nr. 12855
  • Kaiserstraße 123
1899, Architekt: Carl Haffner

Die Fenster des 1899 errichteten Wohnhauses dürften ihren reichen Schmuck erst etwas später erhalten haben. Mit ihren Blattkränzen, den stilisierten Blumen und den vegetabilen „Eselsrücken“ stellen sie ein besonders schönes Beispiel für den „floralen“ Jugendstil in Reutlingen dar. Die abstrakten Muster der unteren Brüstungsfelder erinnern wiederum an zeitgenössische Textilkunst.
StadtA Rt., S 100 Nr. 12856
  • Burgstraße 9
1903, Architekt: Robert Schäfer

Die Formen der seitlichen Erker und der glockenförmig gedeckte Dachaufbau, der die Hausecke türmchenartig betont, weisen deutlich über den Historismus hinaus. Nach Gesamtanlage und Detailformen zählt das Haus zu den bedeutendsten Vertretern des Jugendstils in Reutlingen. 
StadtA Rt., S 100 Nr. 12857/1
  • Burgstraße 9
1903, Architekt: Robert Schäfer

Die Stuckrahmen der jeweils unteren Erkerfenster stellen zwei der originellsten plastischen Werke des „floral-dynamischen“ Jugendstils in Reutlingen dar. Singulär sind die Motive der Reutlinger Lokalgeschichte. Hier verbirgt sich in den typisch geschwungenen Weinranken eine Darstellung des berühmten „Rebenmännle“ der Weingärtnerzunft.
StadtA Rt., S 100 Nr. 12857/2
  • Bismarckstraße 76
1901, Architekt: Adolf Lubrecht

Der noch weitgehend historistisch geprägte Bau kündigt im Zwerchgiebel bereits den neuen Stil an. Neben der Halbsonne im Giebelfeld ist dies vor allem die Frauenmaske inmitten des Blattrankenfrieses, der allerdings noch neogotische Formen aufweist. Zusammen mit dem Haus Lederstraße 90 zählt es zu den frühesten Beispielen für Jugendstil in Reutlingen.
StadtA Rt., S 100 Nr. 12858/1
  • Alteburgstraße 19
1910, Architekt: Albert Bauder & Paul Ehmann

Die stattliche Villa („Landhaus“) des Fabrikanten Robert Wandel stellt eine für Reutlingen eher ungewöhnliche Verbindung aus Elementen des Jugendstils und des Heimatstils dar. Höhepunkt der Eingangsfront ist die Portalvorhalle mit prächtig kassettiertem Tonnengewölbe, das in einem „Fischer-Bogen“ ansetzt.
StadtA Rt., S 100 Nr. 12859/2
  • Hindenburgstraße 33
1908/09, Architekt: Markus Zimmermann

Auch dieses stattliche Eckgebäude wird von geschweiften Giebeln geprägt, deren Form so nur im Jugendstil vorkommt. Dies gilt auch für den markantesten Bestandteil der Fassade, den ungewöhnlich breiten Eckerker, der von annähernd quadratischen Vierecken und eckigen Mäanderfriesen überzogen und damit dem „abstrakt-geometrischen“ Jugendstil zuzuordnen ist.
StadtA Rt., S 100 Nr. 12860

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