Ausschnitt aus der Pax Publica

Newsletter Januar 2020


„Untergepflügt und aufgeworfen“
Neue Überlegungen zum NS-Unternehmen „Wüste“ am Albtrauf

 
Den ersten Vortrag des Halbjahrs bestreitet Dr. Karl Kleinbach aus Balingen am Donnerstag, 23. Januar 2020, 20:00 Uhr wie gewohnt in der Volkshochschule.
 
In dem bizarren kriegswirtschaftlichen Notprogramm mit dem Decknamen „Unternehmen Wüste“ entstanden ab 1944 entlang der Bahnlinie Tübingen-Rottweil zwischen Dusslingen und Zepfenhahn zehn Ölschieferwerke. Insgesamt wurden dabei mehr als 12.000 Männer und Frauen, KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Internierte, gezwungen, unter äußerst primitiven Bedingungen diese Bergwerks- und Produktionsanlagen zu errichten. Unter anderem wurden dafür von der SS sieben Außenlager des Konzentrationslagers Natzweiler Struthof erstellt. Die KZ-Häftlinge litten unter Gewalt, Terror, völlig unzureichender Ernährung und Unterbringung.
 
In Engstlatt wurde im Gewand „Ried“ im Sommer 1944 mit dem Bau des Werks 3 begonnen. Das Werksgelände erstreckte sich auf einer Fläche von 19 Hektar. Für den Aufbau dieser Industrieanlage wurden Häftlinge des KZ-Außenlagers Bisingen eingesetzt. Von dieser Anlage ist heute nur noch ein Backsteinbau sichtbar. Allerdings kommen durch landwirtschaftliche Nutzung des Geländes noch immer zahlreiche Kleinfunde ans Tageslicht. Seit 2015 sammelt und dokumentiert Karl Kleinbach solche Pflugfunde. Wie lassen sich solche Funde auswerten und interpretieren? Lassen sich darüber neue Einsichten über Ausbeutung, Vernichtung und die Ordnung des Terrors durch das NS-Regime gewinnen? Wie können solche Bodenfunde die Methoden zeitgeschichtlicher Forschung mit Archivdokumenten und Zeitzeugen ergänzen? Welche Möglichkeiten ergeben sich durch diesen archäologischen Zugang für Angebote an Gedenkstätten und Bildungseinrichtungen?
 
Der Referent studierte Kulturwissenschaft, Philosophie und Pädagogik und arbeitet im Ruhestand ehrenamtlich am Museum / KZ-Gedenkstätte Bisingen.
 


Facebook-Seite für den Reutlinger Geschichtsverein

Der Reutlinger Geschichtsverein wird sich verstärkt in den aktuellen sozialen Medien präsentieren. Dazu hat sich eine Kernarbeitsgruppe aus den Mitgliedern des Ausschusses gebildet, die zuerst eine Facebook-Seite einrichten und diese redaktionell betreuen wird. Wir verfolgen damit verschiedene Ziele. Zuerst geht es um Informationen und um den Austausch zu unseren Themen, in diesem Bereich können wir nun schneller auf aktuelle Entwicklungen reagieren. Wir werden damit sowohl unsere Mitglieder als auch neue Zielgruppen ansprechen. Als Inhalte sind vorgesehen Hinweise zu Veranstaltungen, möglicherweise auch Rezensionen, Stellungnahmen und aktuelle Themen. Für Beiträge sind wir offen und werden dafür eine Anlaufstelle angeben. Wir haben intensiv über diesen Schritt diskutiert und sind uns der Herausforderungen des Mediums bewusst. Insgesamt überwiegen aus unserer Sicht die Vorteile und wir freuen uns, dass wir unserem Verein und unseren Projekten neue Möglichkeiten erschließen können.  
Andrea Anstädt, Dr. Boris Niclas-Tölle, Professor Roland Wolf
 


Ausfahrten im neuen Halbjahresprogramm
 
Das Halbjahresprogramm wurde noch im Dezember versandt. Falls Sie nicht bedacht worden sein sollten, melden Sie sich bitte bei der Geschäftsstelle. Inzwischen hat die Volkshochschule auch die Preise unserer Ausfahrten mitgeteilt:
 
13. März 2020
Landesmuseum Württemberg (Sammlung historischer Tasteninstrumente)
29,00 Euro
 
14. März 2020
Begehung Roßbergschanzen
14,00 Euro
 
10. Mai 2020
Kleinodien im Zwiefalter Klostergebiet, Teil 6
39,00 Euro
 
4. Juli 2020
Kartause Ittingen mit Stein am Rhein
54,00 Euro zzgl. Eintritt 7 Sfr.
 
Das Halbjahresprogramm finden Sie zum Download auch hier: www.reutlinger-geschichtsverein.de.
 
 
 
Veranstaltungen zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, Januar und Februar 2020
 
Zu dem Jahrestag hat eine Projektgruppe unter Federführung der ACK Reutlingen eine Reihe von Veranstaltungen vorbereitet, der Geschichtsverein ist mit dem o.g. Vortrag Dr. Kleinbachs beteiligt.
 
21. Januar, 19:30 Uhr, Stadtbibliothek Reutlingen
„aus dieser Schicksalsrichtung“ – Paul Celans Selbstverständnis als Jude im Spiegel seiner Briefe – Buchvorstellung. Vortrag mit Dr. Barbara Wiedemann
 
27. Januar, 18:00 Uhr, Spitalhofsaal
Gedenkveranstaltung, vorbereitet von der ACK Reutlingen zusammen mit Schülerinnen und Schülern des Johannes-Kepler-Gymnasiums, Thomas Felder, der BruderhausDiakonie, Habila Rappertshofen u.a. Begrüßung durch Oberbürgermeister Thomas Keck
 
Im Anschluss um 19:30 Uhr, Reutlinger Theater Die Tonne
Theaterabend der KULTUR VOM RANDE in Zusammenarbeit mit dem Reutlinger Theater Die Tonne, den Theater-AG‘n der Don-Bosco-Schule der Stiftung Liebenau und des Werkgymnasiums Heidenheim sowie des Inklusiven Ensemble der „Tonne“
 
29. Januar, 20:00 Uhr, Kulturzentrum franz.K
„Je dunkler die Nacht ...“. Lesung und Diskussion über die Stuttgarter Widerstandsgruppe Schlotterbeck
 
31. Januar, 19:00 Uhr, Kulturzentrum franz.K
Dotschy Reinhardt Ensemble. Die renommierte Jazz-Sängerin liest aus ihrer Autobiographie "Gypsy – Die Geschichte einer großen Sinti-Familie" und spielt danach mit ihrem Ensemble Sinti-Jazz und Weltmusik
 
4. Februar, 20:00 Uhr, Kulturzentrum franz.K
„Dem Erinnern Raum geben“. Aktions-Forschungs-Film und Ausstellung, Fragen nach der Geschichte der Ermordeten und eigene Geschichtsbilder. Ein Projekt für andere Perspektiven.
 
9. Februar, 11:00 Uhr, Programmkino KAMINO
„Heimat ist ein Raum aus Zeit“. Der prämierte Film von Thomas Heise zeigt die biografischen Spuren einer zerrissenen Familie über das ausgehende 19. und das folgende 20. Jahrhundert hinweg.
 
Nähere Informationen: martin.burgenmeister@elkw.de
 
 
Film zu Grafeneck im „Hotel Silber“
 
Im Nachgang zu dem eindrücklichen Geschichtsvereinsvortrag von Friedemann Rincke zur Stuttgarter Gedenkstätte „Hotel Silber“ am 12. Dezember wird auf eine Veranstaltung in Stuttgart hingewiesen.
 
Am Sonntag, 22. Januar 2020, um 19 Uhr findet im „Hotel Silber“ in Stuttgart (Dorotheenstraße) eine Vorführung des Dokumentarfilms „Die staatlichen Krankenmorde in Grafeneck im Familiengedächtnis“ mit anschließendem Gespräch statt.
 
Zum 80. Jahrestag der „Euthanasie“-Verbrechen führt der Leiter der Gedenkstätte Grafeneck, Thomas Stöckle, in das Thema ein, bevor ein neuer Film aus der Reihe FRAGE-ZEICHEN erstmals gezeigt wird. Es folgt ein Gespräch mit Goswinde Köhler-Hertweck, deren Onkel in Grafeneck ermordet wurde. Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg mit der Gedenkstätte Grafeneck, dem Stadtjugendring Stuttgart e.V. und der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung wird unter veranstaltungen-hs@hdgbw.de erbeten.



Zu den Stadtmauerhäusern in der Jos-Weiß-Straße

Die Stadtmauerhäuser sind ein lange von uns gepflegtes Thema, zu dem wir uns auch aktuell eingebracht haben. Der AK Altstadt hat sich sofort nach dem neuen Bauantrag, den die Anwohner uns vorgestellt haben, mit dem Projekt beschäftigt. Der Vorsitzende hat daraufhin einen Brief an das Bürgerbüro Bauen im Namen des Geschichtsvereins geschrieben, in dem wir uns auf die Seite der Anwohner gestellt haben. Der Vorsitzende war weiter bei der öffentlichen Veranstaltung der Anwohner und hat dort das Wort in diesem Sinne ergriffen, am nächsten Tag hat die Presse zurecht zitiert, dass der Geschichtsverein die Anwohner unterstützt. Wir haben dabei insbesondere für die Erhaltung der historischen Ansicht und mit der sozialgeschichtlichen Bedeutung der Häuser argumentiert. Nach der Besprechung mit den Anwohnern haben wir es für ein effektives Vorgehen gehalten, dass das Vorgehen von möglichst vielen verschiedenen Seiten ausgehe. Das ist jetzt auch geschehen, auch unser Mitglied Brigitte Gayler hat einen Leserbrief in diesem Sinne verfasst, bekannt ist auch die Stellungnahme der Stadtführer. Mit dem Bürgerbüro Bauen sind wir im Gespräch und wir wollen uns als nächstes über die jüngsten Veränderungen im Bauantrag informieren lassen. Über das weitere Vorgehen wird der Vorstand und der AK Altstadt beraten.





Geschäftsstelle des Reutlinger Geschichtsvereins
Kontakt
Tel.: 07121/303-2386
E-Mail: geschichtsverein@reutlingen.de

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