Eingestuft als „entarteter Künstler“, erhielt Grieshaber in Deutschland Berufs- und Ausstellungsverbot. Trotz widriger Umstände, „malgré tout“, versuchte er künstlerisch zu arbeiten. Zusammen mit der Kunstanstalt Erwin Sautter und einigen Freunden entstanden von 1933 bis 1939 die „Reutlinger Drucke", Mappenwerke mit Holzschnitten zur Marienkirche und anderen Themen. Nach Krieg und Kriegsgefangenschaft meldete er im Juli 1946 seinen Wohnsitz in Eningen an.
Das Motto „Malgré tout" begleitete ihn ein Leben lang. Sofort nach Kriegsende stürzte er sich in künstlerische und publizistische Aktivitäten: machte Vortragsreisen und Ausstellungen, gab eine Zeitung heraus, entwarf Flugblätter und Plakate, erstellte Mappenwerke und Bücher. Die Achalm wurde seit 1947 sein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt, die Schwäbische Alb seine Heimat. Von 1951 bis 1953 arbeitete er als Dozent an der „Bernsteinschule“, einer Einrichtung zur Kunstausbildung in der Nachkriegszeit, und entwickelte seine farbigen Holzschnitte zum großformatigen Tafelbild.
Bereits Mitte der 1950er Jahre gelang ihm der Durchbruch zum international anerkannten Künstler: 1955 Berufung als Professor an die Kunstakademie Karlsruhe, 1957 Oberschwäbischer Kunstpreis, 1958 Ausstellungen in Amsterdam, Heidelberg und München. Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen zur Prüfungsordnung beendete er 1960 seine Anstellung als Kunstprofessor und entschied sich für eine Laufbahn als freischaffender Künstler.
Geehrt mit Preisen, Auszeichnungen und Ämtern, arbeitete der Holzschneider, Maler, Typograph und Drucker seit den 1960er Jahren eng mit Verlagen und Kultureinrichtungen der DDR zusammen. Politisch engagierte Beiträge produzierte er für die Züricher Kunstzeitschrift „Spectrum“ ebenso wie für seine eigene Publikationsreihe „Engel der Geschichte“. Bei Aufträgen für öffentliche Gebäude experimentierte er mit unterschiedlichsten Techniken und Materialien für Wand- und Fenstergestaltungen. Nach seinem Tod, am 12. Mai 1981, hinterließ er ein vielseitiges und umfangreiches Werk, das vom kleinformatigen Buch bis hin zum monumentalen Holzstock reichte. Geprägt durch die Erfahrungen im Dritten Reich, blieb er zeitlebens ein wachsamer „homme engagé", der politische und gesellschaftliche Verhältnisse analysierte und durch seine Kunst kommentierte.
Die Fotogalerie zeigt eine kleine Auswahl aus den beiden Fotosammlungen Näher (S 105/4) und Dohm (S 105/5) des Reutlinger Stadtarchivs. Besonders der Bestand des Fotohauses Näher enthält eine Reihe interessanter Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus den 1950er Jahre. Der Fotografenmeister Carl Näher (1901 bis 1981) gehörte zur Reutlinger Kunstszene und hatte enge Kontakte zu Grieshaber. Die Fotos wirken dadurch weniger formell und ermöglichen Einblicke in Leben und Werk des Künstlers.