Im Zeichen der Industriealisierung

1821 - Friedrich List und die Reutlinger Petition

Friedrich List im Alter von 28 Jahren als Professor in Tübingen
Foto: Friedrich List im Alter von 28 Jahren als Professor in Tübingen
Der am 6. August 1789 in Reutlingen geborene Friedrich List zählt als Nationalökonom, Eisenbahnpionier, Verwaltungsreformer, Publizist und Politiker zu den herausragenden Persönlichkeiten des 19. Jh. Seine im Januar 1821 verfasste Reutlinger Petition, in der er in provokativer Form die Missstände in Verwaltung und Rechtsprechung anklagt, zwingt ihn nach Verbüßung einer Haftstrafe auf dem Hohenasperg nach Amerika auszuwandern (1825), wo ihm großes Ansehen zuteil wird. 1830 nach Europa zurückgekehrt, wirkt er maßgeblich am Bau der Eisenbahn Leipzig-Dresden und an anderen Projekten mit. Die Tragweite seiner Ideen und Forderungen wird allerdings erst nach seinem Tod (Selbstmord in Kufstein am 30. November 1846) richtig erkannt.

1840 - Gustav Werners soziales Wirken

Gustav Werner nach einem Gemälde von Robert Heck, 1888
Foto: Gustav Werner nach einem Gemälde von Robert Heck, 1888
Im Februar 1840 beginnt mit der Errichtung einer kleinen Anstalt für elternlose Kinder die beispiellose soziale Tätigkeit des evangelischen Theologen Gustav Werner (1809-1887) in Reutlingen. Für Kinder, Jugendliche, hilfsbedürftige Erwachsene und Alte schafft Werner zahlreiche Heime, Fabriken und andere Einrichtungen. Allein zwischen 1854 und 1862 gründet er 24 Zweiganstalten. Seine Stiftung "Zum Bruderhaus" besteht in Reutlingen und in anderen Landkreisen bis heute.

1848/49 - Demokratische Revolution

Zentrales Anliegen der 1848er Revolution: Die Forderung nach Pressefreiheit
Foto: Zentrales Anliegen der 1848er Revolution: Die Forderung nach Pressefreiheit
Die demokratischen Ideen des Vormärz, die sich in der 1848er Revolution Bahn brechen, fallen auch in Reutlingen auf fruchtbaren Boden (Gründung eines "Volksvereins", Errichtung einer Bürgerwehr, zahlreiche Kundgebungen). Höhepunkt dieser Aktivitäten, die Reutlingen allmählich in den Ruf einer "radikalen" Stadt bringen, ist an Pfingsten 1849 eine große Versammlung aller Volksvereine, bei der die erregte Menge sogar die Beteiligung am Badischen Aufstand fordert.

1859 - Eisenbahnanschluss und Industrialisierung

Eröffnung der Eisenbahnlinie nach Gönningen im Jahr 1902
Foto: Eröffnung der Eisenbahnlinie nach Gönningen im Jahr 1902
Der Eröffnung der Eisenbahnlinie von Plochingen nach Reutlingen im September 1859 bedeutet den entscheidenden Impuls für den wirtschaftlichen Aufschwung Reutlingens in der zweiten Hälfte des 19. Jh. Besondere Bedeutung erlangen die Sektoren Leder- und Textilindustrie, Werkzeugproduktion, Maschinen- und Papierfabrikation. Gleichzeitig starker Anstieg der Bevölkerung.

1907 - Eingemeindung von Betzingen

Eingemeindungsfeier im Betzinger Rathaus am 1. April 1907.
Foto: Eingemeindungsfeier im Betzinger Rathaus am 1. April 1907.
Die am 1. April 1907 vollzogene Eingemeindung von Betzingen nach
Reutlingen ist Ausdruck einer immer stärkeren Orientierung der umliegenden Gemeinden auf das leistungsfähige Wirtschaftszentrum Reutlingen. Unter ähnlichen Vorzeichen erfolgt 32 Jahre später auch die Eingemeindung von Sondelfingen.
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