Von der Reformation bis zum Übergang an Württemberg 1802

1505 - Schirmverträge mit Württemberg

Schirmvertrag von 1505 sowie Herzog Ulrich von Württemberg (1487-1550)
Foto: Schirmvertrag von 1505
Reutlingen schließt mit Württemberg einen zunächst auf 51 Jahre befristeten Schirmvertrag ab, der später bis 1802 laufend verlängert wird. Neben der Regelung von Zoll- und Handelsfragen ist darin für die Reutlinger Seite die Zahlung eines jährlichen Schutzgeldes sowie die Stellung von Soldaten im Kriegsfall vorgesehen.

1519 - Überfall Herzog Ulrichs

Herzog Ulrich von Württemberg
Foto: Herzog Urlich von Württemberg (1487-1550)
Der Tod eines württembergischen Forstknechts dient Herzog Ulrich als Vorwand, Reutlingen zu überfallen und einzunehmen. Durch die Hilfe des Schwäbischen Bundes wird die Stadt rasch wieder befreit und der Herzog für 15 Jahre aus seinem Land vertrieben

1524 - Reformation und Markteid

Unter dem Einfluss des Reutlinger Predigers Matthäus Alber (1495-1570) wendet man sich in Reutlingen früh der Lutherischen Lehre zu. In dem berühmten Markteid von Mai 1524 zwingen die Bürger die Obrigkeit, an dem neuen Glauben festzuhalten. Neben Nürnberg unterzeichnet Reutlingen als einzige Reichsstadt 1530 das protestantische Glaubensbekenntnis, die Confessio Augustana. Nach den unheilvollen Folgen des sogenannten Schmalkaldischen Kriegs (1546/47) gewinnt die Lehre Luthers mit dem Augsburger Religionsfrieden (1555) endgültig die Oberhand. Bis 1802 bleibt in Reutlingen die Anerkennung der Augsburger Konfession Voraussetzung für den Erwerb des Bürgerrechts.

1618-1648 - Dreißigjähriger Krieg

Reutlingen erleidet durch Plünderungen und Einquartierungen schwere Schäden. Durchzüge schwedischer, kaiserlicher, bayerischer und französischer Truppen bringen die Reichsstadt an den Rand des finanziellen und wirtschaftlichen Ruins. Die Einwohnerzahl sinkt um ein Drittel, die Kontributionen belaufen sich auf eine Million Gulden. Reutlingen sieht sich 1648 zum Verkauf der Ortschaften Gomaringen und Hinterweiler an Württemberg gezwungen.

1726 - Stadtbrand

Zeitgenössische Darstellung des Stadtbrands von 1726
Foto: Zeitgenössische Darstellung des Stadtbrands von 1726
Einschneidendstes Ereignis im 18. Jh., dessen Auswirkungen sich bis heute im Stadtbild und in der Bausubstanz bemerkbar machen. Der drei Tage lang wütende Brand vernichtet vier Fünftel der Wohnhäuser, fast alle öffentlichen Gebäude und macht 1200 Familien obdachlos. Dank vieler spontaner Hilfeleistungen vollzieht sich der Wiederaufbau relativ rasch, jedoch ungeplant und mit bescheidensten Mitteln

Ende 18. Jh., 1802/03 - Krise der Reichsstadt und Übergang an Württemberg

Reformbürgermeister Johann Jakob Fezer (1760-1844)
Foto: Reformbürgermeister Johann Jakob Fezer (1760-1844)
Finanzielle Engpässe, administrative Mängel sowie interne politische und soziale Probleme beeinträchtigen zunehmend die Handlungsfähigkeit der Reichsstadt. Vergeblich bemüht sich Bürgermeister Johann Jakob Fezer um durchgreifende Reformen (1798). Schließlich büßt Reutlingen im Zuge der tiefgreifenden territorialen Umgestaltungen in Deutschland während der Napoleonischen Kriege seine Selbständigkeit ein und geht an Württemberg über (1802/03). Reutlingen wird eine von 64 württembergischen Oberamtsstädten und ab 1818 Sitz der Regierung des Schwarzwaldkreises.

1813 - Hermann Kurz

Am 30. November 1813 wird der schwäbische Dichter, Schriftsteller und in der demokratischen Bewegung engagierte Redakteur Hermann Kurz in Reutlingen geboren. Ab 1863 zur Existenzsicherung als "Unterbibliothekar" an der Universität beschäftigt, stirbt Kurz am 10. Oktober 1873 in Tübingen.
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