Stadterhebung und reichsstädtische Freiheiten

Anfang 13. Jh. - Marktrecht und Stadterhebung

Standbild Kaiser Friedrichs II. auf dem Kirchbrunnen (Ausschnitt)
Foto: Standbild Kaiser Friedrichs II. auf dem Kirchbrunnen.
Wohl um 1180 erhält Reutlingen von dem Staufer Friedrich Barbarossa das Marktrecht. Zwischen 1220 und 1240 wird es von Kaiser Friedrich II. zur Stadt erhoben und mit Mauern, Gräben und Türmen befestigt.

1247 - Belagerung Reutlingens und Bau der Marienkirche

Marienkirche: Aufnahme aus den 1920er Jahren.
Foto: Marienkirche: Aufnahme aus den 1920er Jahren.
Vergebliche Belagerung Reutlingens durch Anhänger des Gegenkönigs Heinrich Raspe. Als Dank für die glücklich überstandene Gefahr beginnen die Bürger mit dem Bau der Marienkirche, dem Wahrzeichen der Stadt, die 1343 vollendet wird. Bis zur Reformation ist die Marienkirche allerdings nur Filialkirche der außerhalb der Stadtmauern gelegenen Pfarrkirche St. Peter und Paul in den Weiden.

1262 - Die achalmischen Rechte gelangen an Württemberg

Vom Rang einer "freien" Reichsstadt ist Reutlingen allerdings zunächst weit entfernt. In rechtlicher wie in wirtschaftlicher Hinsicht besteht ein enges Abhängigkeitsverhältnis vom Achalmvogt, der Zoll, Steuern und sonstige städtische Einkünfte einzieht, die niedere und hohe Gerichtsbarkeit ausübt, sowie den Schultheißen ernennt. 1262 verpfändet Konradin, der letzte Hohenstaufer, diese achalmischen Rechte an Graf Ulrich von Württemberg.

1337 - Das Rechtswesen

Im sogenannten "privilegium fori" (1337) befreit Kaiser Ludwig IV. Reutlingen von der Gerichtsbarkeit des Rottweiler Hofgerichts sowie aller anderen Landgerichte. Die niedere Gerichtsbarkeit unterliegt fortan dem städtischen Schultheißen. Die Hoch- bzw. Blutgerichtsbarkeit verbleibt dagegen zunächst beim Achalmvogt und geht erst im Laufe des 15. Jh. an die Reichsstadt über. Eine rechtliche Besonderheit bildet das Reutlinger Asyl, das aufgrund eines kaiserlichen Privilegs aus dem Jahr 1495 allen Totschlägern, die ihre Tat ohne Vorsatz verübt haben, einen reichsrechtlich garantierten Asylschutz in Reutlingen zusichert.

1343 - Friedensordnung und Reichsstädtische Verfassung

Erste städtische Friedensordnung um 1300.
Foto: Erste städtische Friedensordnung um 1300.
In der ältesten Rechtsurkunde der Stadt (um 1300) trifft die Reutlinger Bürgerschaft Bestimmungen zur Sicherung von Ruhe und Ordnung und regelt das Verfahren bei Verletzung des Stadtfriedens. Die erste reichsstädtische Verfassung von 1343 sichert der in Zünften organisierten aufstrebenden Schicht der Handwerker weitgehende politische Mitbestimmungsrechte. Mit der Verfassungsordnung des Jahres 1374, die - abgesehen von einem Intermezzo 1552-1576 ("Hasenrat") - die Grundlage der demokratisch-zünftischen Tradition bis zum Ende der Reichsstadtzeit bildet, ist die Vorherrschaft des Patriziats endgültig gebrochen.

1377 - Schlacht bei Reutlingen

Historisierende Darstellung der Schlacht (Ausschnitt)
Foto: Historisierende Darstellung der Schlacht (Ausschnitt)
Sieg über ein württembergisches Ritteraufgebot unter Graf Ulrich vor den Toren der Stadt. Der Städtekrieg, den Reutlingen als Mitglied des Schwäbischen Städtebundes mitträgt, endet allerdings 1388 in der Schlacht bei Döffingen mit der Niederlage des Bundes und seiner Auflösung. Reutlingen muss im Friedensschluss 1389 die württembergische Vorherrschaft anerkennen.

14./15. Jh. Reichsstädtisches Territorium

Im Laufe des 14. und 15. Jh. dehnt Reutlingen sein Herrschaftsgebiet auf sieben umliegende Dörfer und Weiler aus: Wannweil (zwischen 1333 und 1463), Ohmenhausen (1358), Bronnweiler und das Gut Alteburg (1437), Betzingen (1495/97), Gomaringen mit Stockach, Ziegelhausen und Hinterweiler (1499). Mit einer Fläche von ca. 44 qkm zählt Reutlingen zu den kleineren Reichsstädten.
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