Kinder erkunden ihre Umwelt

Aktuelles aus der Kindertagesbetreuung

Fachtage 2018 - Begegnung und Impulse mit Neuseeland!


Eine Geschichte des Lernens -
Begegnung und Impulse im Gespräch mit Neuseeland


Weit mehr als 10 Jahre sind nun vergangen, seit der baden-württembergische Orientierungsplan entwickelt und erprobt wurde.

Der Ausgangspunkt des Bildungsauftrags ist das Kind selbst - denn ganz am Anfang steht die Einladung „die Welt mit den Augen der Kinder zu sehen. Wie ein roter Faden zieht sich diese Perspektive durch die Texte und die Fragen, auf die es im Kindergarten ankommt: Was kann das Kind? Was will das Kind? Was braucht das Kind? Wie erfährt das Kind die Welt? Wie wird es ein Mitglied der Gemeinschaft? Wie entwickelt es sich zu einem unverwechselbaren Menschen, der aktiv am Leben teil hat? Wie wird man in Bildungs- und Erziehungsprozessen der unaufgebbaren Würde des Kindes gerecht?“ (Orientierungsplan, S. 10, Herder 2014).

Somit stellt der Orientierungsplan das Kind in seinen sozialen Bezügen ins Zentrum jeglicher pädagogischen Arbeit - seine Wege, seine Bedürfnisse, sein Lernen sind der Ausgangspunkt. Pädagogisches Handeln und eine pädagogische Haltung, die das Lernen der Kinder in den Mittelpunkt stellen, sind Auftrag und Ziel.

Wir Erwachsenen arbeiten stetig daran, diesen Auftrag zu erfüllen und dieses Ziel zu erreichen. Eine stärkenorientierte Beobachtung und Dokumentation im Dialog mit dem Kind, den Familien und im Team, ist eine wichtige Voraussetzung dafür, uns dem anzunähern, was das Kind „kann“, „will“ und „braucht“.

Die Stadt Reutlingen hat sich vor über 10 Jahren entschieden, die „Bildungs- und Lerngeschichten“ als Handlungskonzept flächendeckend für alle städtischen Kindertageseinrichtungen einzuführen und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darin gründlich fortzubilden, weil die Lerngeschichten weit mehr sind als eine Verfahrensweise - nein, sie sind ein Handlungskonzept, das neben den Kindern selbst, sowohl ihr soziales Umfeld als auch alle Prozesse einer Kindertageseinrichtung in den Blick nimmt. Zudem dienen sie der Entwicklung einer ressourcenorientierten Haltung, weil ihre Umsetzung Dialog und Reflexion aller Beteiligten voraussetzt und erfordert.

Stetig haben wir seitdem an unserem Konzept für die Implementierung und nachhaltige Sicherung weitergearbeitet: Wir haben die Fortbildungsformate angepasst und weitere Formate ergänzt: den Qualitätszirkel für Einrichtungsleitungen, Fortbildungen für Inklusionsassistentinnen, Sprachbildungsbegleiterinnen, Vertretungsfachkräfte sowie Fresh Up´s für langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für Teams gibt es die Möglichkeit zu individuellen Inhousequalifizierungen und nicht zuletzt haben wir gemeinsam unseren Handlungsrahmen entwickelt, der den Rahmen der pädagogischen Arbeit mit den Lerngeschichten für die städtischen Kindertageseinrichtungen beschreibt.

All das dient dazu - durch Fortbildung, Austausch und Reflexion - eine gute Qualität der pädagogischen Arbeit für die Kinder und Familien sicherzustellen.

An unseren diesjährigen Fachtagen begleiteten uns die neuseeländischen Kolleginnen des Educational Leadership Project schon zum dritten Mal seit der Implementierung auf unserem Reutlinger Weg mit den Lerngeschichten. Dieser Austausch nimmt eine bedeutende Rolle ein in unserem Prozess von den „Bildungs- und Lerngeschichten“, wie sie ehemals vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) entwickelt wurden, hin zu einem umfassenden pädagogischen Handlungskonzept - und manchmal sagen wir auch schon: hin zu einer Philosophie oder Kultur des gemeinsamen Lernens.

Die diesjährigen Beiträge der neuseeländischen Kolleginnen - Wendy Lee, Lorraine Sands, Tania Bullick, Carol Marks und Kim Hope - nahmen das Potenzial der Arbeit mit Lerngeschichten in den Blick: Welche Kraft liegt in „Freundlichkeit“ (Kindness), und wie können Beziehungen zwischen pädagogischen Fachkräften, Kindern und Familien gestärkt werden? Welche Bedeutung nehmen Lerngeschichten bei frühkindlichen Bildungsprozessen ein? Welchen Beitrag leisten Lerngeschichten zu einer kultursensiblen Pädagogik?

An unseren Fachtagen verknüpften wir diese Fragen und den pädagogischen Ansatz der Bildungs- und Lerngeschichten mit empirischen Befunden aus dem Projekt TanGO* der Hochschule Esslingen – Transitions- und Aneignungsprozesse geflüchteter Kinder am Bildungsort Kita.

Im vergangenen Jahr wurde von der Hochschule Esslingen unter anderem auch in Reutlinger Kindertageseinrichtungen geforscht, wie Kinder mit Fluchtbiografie sich Bildungsräume erschließen. Ein Forschungsprojekt, das zu spannenden Ergebnissen und Anregungen geführt hat - nicht nur für Kindertageseinrichtungen, die geflüchtete Kinder aufnehmen. Um die Ergebnisse zurück in die Praxis zu transferieren, braucht es weiterhin den Diskurs zwischen Wissenschaftlerinnen und pädagogischen Fachkräften. Und damit die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu einer nachhaltigen Weiterentwicklung von Qualität in Kindertageseinrichtungen beitragen, ist es unser Anliegen, sie mit unserem „Handwerkszeug“ zu verknüpfen - den Bildungs- und Lerngeschichten.

Wir freuen uns daher, dass Frau Prof. Dr. Marion Weise, Frau Prof. Dr. Regine Morys, Frau Marion Lempp und Frau Laura Oeltjendiers unsere Fachtage mitgestaltet und die Ergebnisse ihrer Untersuchung in unsere Praxis eingebracht haben.

Fachwissen erweitern, neue Impulse und Anregungen mitnehmen und die Frage von Haltungen in der Gestaltung von Dialogen reflektieren - das alles hatte Raum an den Fachtagen 2018!

*Gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg im Rahmen des Projekts

Stadt Reutlingen

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