Amphibienschutz wird groß geschrieben

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Amphibienschutz im Markwasen

Das Umwelt- und Verkehrsministerium Baden-Württemberg hat 1999 ein Programm zur Förderung innovativer Projekte zur Lokalen Agenda 21 in Baden-Württemberg landesweit ausgeschrieben.
Im Rahmen dieses Förderprogramms stellte die Stadt Reutlingen am 13. September 1999 einen Projektantrag mit dem Projekttitel:
„Integrierter Amphibienschutz im Freizeitgelände Markwasen in Reutlingen.
Die Amphibien stellen eine der bedrohtesten Tierarten in Baden-Württemberg dar. Sie sind alle geschützt und die meisten stehen sogar auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Im Handlungsbereich 4 „Natur und Landschaft“ des Kommunalen Umwelthandlungsprogramms „Zukunftsbeständiges Reutlingen 21“ ist deshalb als Maßnahme bzw. Projekt das Reutlinger Arten- und Biotop-Entwicklungsprogramm (RABE) beschrieben, welches zum Ziel hat, seltene bzw. geschützte Pflanzen- und Tierarten sowie Biotope, die auf der Gemarkungsfläche der Stadt Reutlingen vorkommen, gezielt zu schützen beispielsweise. zu fördern und zu entwickeln.
Im Bereich Markwasen befindet sich eine landesweit bedeutende Erdkrötenpopulation sowie Populationen des Grasfrosches, des Teich- und des Bergmolches. Zählstatistiken der vergangenen Jahre, die an mobilen Fangzäunen durchgeführt wurden, zeigten ein starke Abnahme der Erdkrötenpopulation. Es musste also gehandelt werden.

Ein integrierter Ansatz wurde gewählt

Üblicherweise wird bei einer Amphibienschutzaktion nur die Hinwanderung betrachtet. Das heißt, es wird „nur“ darauf geachtet, dass bei der Frühjahrswanderung die Amphibien heil über die Straße gebracht werden. Wanderwege, Laichbiotop etc. werden nicht berücksichtigt. Diese Aktion setzte sich jedoch aus mehreren verschiedenen Elementen zusammen:

  • Bau von Amphibientunneln und Beton-Leitelementen
  • Befischung der Laichgewässer zur Reduktion der Laichräuber
  • Mähmanagement zur Verbesserung der Rückwanderungsbedingungen
  • Umweltpädagogischer Teil
  • Gutachten

Viele Beteiligte am Runden Tisch

Um eine breite Akzeptanz der Maßnahme zu erlangen, wurden viele verschiedene Institutionen in das Projekt einbezogen:
 

Die Laichräuber mussten reduziert werden

Bei Probebefischungen der Laichgewässer wurde festgestellt, dass eine große Anzahl des nordamerikanischen Sonnenbarsches vorkommt, der als extremer Laichräuber gilt. Außerdem konnte eine sehr große Anzahl von den heimischen Gründlingen und Moderlieschen festgestellt werden. Bei mehreren Abfischaktionen, die ab Februar 2000 stattfanden, konnte der Fischbestand stark reduziert werden und somit auch der Fraßdruck auf den Amphibienlaich. 

Kinder in Aktion

Anfang Februar 2000 wurden alle Reutlinger Schulen angeschrieben und über einen Info-Brief des BUND wurde die Amphibienschutzaktion vorgestellt und Führungen angeboten. Während der Wanderzeit wurde an insgesamt 20 Tagen 4 Kindergartengruppen und 16 Schulklassen (Klassenstufe 2 – 6) unter der Anleitung von Mitgliedern des BUND die Amphibienschutzaktion vor Ort vorgestellt und die Kinder aktiv mit einbezogen. Parallel dazu wurde mit den Jugendlichen des Carlo-Schmid-Hauses (Berufsbildungsstätte) Kontakt aufgenommen, um sie zur Mithilfe bei der Amphibienschutzaktion, insbesondere zum Aufbau des provisorischen Leitzaunes zu gewinnen. Sie waren mit Begeisterung dabei und trugen wesentlich dazu bei, dass der Leitzaun rechtzeitig erstellt werden konnte. 

Bau der Tunnel und Leiteinrichtungen

Insgesamt 7 Amphibientunnel und 200 lfm Leiteinrichtung wurden gebaut. Die Firma arbeitete sehr zuverlässig und genau, was bei der Installation einer Amphibienschutzeinrichtung äußerst wichtig ist. Nach Fertigstellung der Anlage (Ende September 2000) fand zusammen mit den ehrenamtlichen Amphibienschützern des BUND eine Begutachtung statt, bei der die noch vorhandenen meist geringen Mängel dokumentiert wurden und der Baufirma mitgeteilt wurden. Die Mängel wurden von der Baufirma umgehend beseitigt. 

Ein Gutachten wurde erstellt

Um die Funktionsfähigkeit der Amphibienleitanlage zu überprüfen, wurde der Diplom-Biologe Rainer Blum beauftragt, in den Hauptwandernächten der Frühjahrswanderung 2001 qualitative Beobachtungen an der Leitanlage vorzunehmen. Es konnte bestätigt werden, dass die Amphibien die Tunnels annehmen, sie also zur Durchwanderung nutzen. Weiterhin wurde beobachtet, dass einige der Tiere nach dem Austritt aus dem Tunnel die Wanderrichtung ändern und wieder auf die Straße laufen. Um die Amphibienschutzanlage weiter zu verbessern, sollten deshalb auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite Leiteinrichtungen angebracht werden. 

Wie geht es weiter

Da der Bau der Leiteinrichtungen auf der Rückwanderseite sehr teuer ist, hat vorübergehend dankenswerterweise der BUND die Tunnels mit einem provisorischen Leitzaun versehen, um zu verhindern, dass die wandernden Amphibien auf die Straße gelangen. Mittelfristig wird jedoch eine kostengünstige, aber dauerhaften Lösung angestrebt.
Die Amphibienwanderung 2001 zeigte von der Anzahl der wandernden Tiere wieder einen Trend nach oben. Bleibt zu hoffen, dass die oben beschriebenen, durchgeführten Maßnahmen weiter greifen und der Trend bestehen bleibt.


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