Der Sturmbock von HAP Grieshaber im Foyer des Reutlinger Rathauses

Eine Stadt - Zwei Sturmböcke

Sturmbock neben der Marienkirche

Sturmbock neben der Marienkirche

Wer die Marienkirche mit offenen Augen umrundet, dem wird sicherlich schon einmal der Sturmbock aufgefallen sein, der neben der Kirche gegenüber dem Naturkundemuseum liegt.
Nach der Legende gelobten die Reutlinger, als sie 1247 von den Truppen des stauferfeindlichen Gegenkönigs Heinrich Raspe belagert wurden, dass sie der heiligen Maria eine Kirche erbauen wollten, wenn sie von der Belagerung verschont blieben. Tatsächlich, als die Feinde abzogen, erfüllten die Geretteten ihr Versprechen und begannen, dieses prächtige Bauwerk zu errichten. Als Längenmaß für die Kirche soll ein Sturmbock gedient haben, welchen die Feinde bei ihrem Rückzug zurückgelassen hatten. Dieser Sturmbock wurde - als Zeichen Reutlinger Unabhängigkeit und reichsstädtischen Stolzes - bis zum Jahre 1517 im Kirchenschiff aufbewahrt, von wo er auf Geheiß des Kaisers Maximilian I. entfernt werden musste. Der Transport des riesigen Sturmbocks aus der Kirche stellte sich allerdings als schwieriges Unterfangen dar, da der Platz vor dem Westportal, durch welches das Ungetüm unbeschadet aus der Kirche hätte getragen werden können, bereits bebaut war. Doch wussten die Reutlinger sich in dieser Situation zu helfen: Sie brachen ein Loch in die Chorwand, durch welches sie den Sturmbock aus der Kirche in die gegenüberliegende Pfarrgasse (heute Aulberstraße) schieben konnten, und hängten denselben an der Außenwand des neu erbauten Rathauses auf (wo er mitsamt Rathaus beim großen Stadtbrand 1726 vernichtet wurde).

Der Sturmbock im Foyer des Rathauses

Sturmbock im Foyer des Reutlinger Rathauses

Im April 1966 wurde das neue Reutlinger Rathaus eingeweiht. Das Foyer des Ratsgebäudes wurde künstlerisch ausgestaltet: HAP Grieshaber (1909-1981), der Reutlinger Holzschneider, hatte in einen
13 m langen afrikanischen Stamm Szenen aus der Stadtgeschichte geschnitten. Mit seiner Idee knüpfte der Künstler an die Geschichte des Sturmbocks der Marienkirche an. Bevor der Sturmbock in das neue Rathaus gebracht wurde, diente er als Druckstock. Von den wenigen Abzügen besitzt das Städtische Kunstmuseum, das Haus in Deutschland für den Neuen Holzschnitt, eine komplette Mappe. Gerne wird diese bei eigens zu vereinbarenden Führungen auch im Vergleich zum Druckstock gezeigt.

Faltblatt "Der Sturmbock von HAP Grieshaber im Reutlinger Rathaus" (PDF-Datei)

Stadt Reutlingen

Bleib in Kontakt!

Querbeet

Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass unsere Dienste Cookies verwenden. Mehr erfahren OK