Wettbewerbsergebnisse

Es war ein Wettbewerb der besonderen Art: Die Teilnehmer sollten ein Konzept für den Erhalt der historischen Häuserzeile Oberamteistraße 28 bis 32 finden, die als eine der ältesten zusammenhängenden Fachwerkhäuserzeilen Süddeutschlands gilt. Die anspruchsvolle Aufgabenstellung erforderte neben maßgeschneiderten Konzepten für die denkmalgerechte Sanierung der Altbauten aus dem frühen 14. Jahrhundert auch Pläne für einen Neubau, der das in den 1970-er Jahren abgerissene, als „Steinernes Haus“ bekannte Eckgebäude ersetzt und die durch den Abriss in Schieflage geratenen verbliebenen Häuser statisch sichert. Zu berücksichtigen hatten die Planer überdies die eingeschränkte Nutzung der Gebäude, die umfangreiche Untersuchungen im Vorfeld nahe legten.

Elf Büros stellten sich dieser Herausforderung. Ein Preisgericht, das sich unter anderem aus Vertretern aller Gemeinderatsfraktionen sowie Experten aus den Bereichen Architektur, Denkmalpflege oder Statik zusammensetzte, gelangte im Dezember 2017 zu einem einhelligen Urteil: Der Entwurf des Stuttgarter Büros Wulf Architekten GmbH erzielte den ersten Rang. Weitere Arbeiten, unter anderem auch von einem Reutlinger Büro, teilen sich jeweils zwei dritte und zwei vierte Ränge.

1. Rang: Wulf Architekten GmbH

Der Siegerentwurf von Wulff Architekten zeigt das Glashaus am Tag

Urteil des Preisgerichts vom 15.12.2017


Die Verfassenden nutzen die Aufgabenstellung, um eine überraschende, bei genauer Betrachtung aber sehr überzeugende Lösung vorzuschlagen.
 
Die beiden denkmalgeschützten Häuser sind dringend statisch zu stützen. Aus dieser Vorgabe entwickeln die Projektierenden ein hölzernes Tragwerk, welches die bestehenden Bauten sichert. Überzeugend und in sich logisch wird dieses Fachwerk zu einem die Gebäudehüllen tragenden System weiter ausgebildet.
             Der Siegerentwurf von Wulff Architekten zeigt das Glashaus bei Nacht
Des Weiteren wird gekonnt und mit dem gleichen Konstruktionsprinzip der Vorsprung des Nachbarhauses aufgenommen. Mit dieser Geste gelingt es, das neue Haus einerseits in der bestehenden Zeile einzubinden, andererseits schafft die eigenwillige Materialisierung der Fassaden mit Glasziegeln diese Zeile entsprechend kräftig abzuschließen. Zusätzlich gelingt es mit dieser transluziden Materialisierung das prägende Thema der benachbarten Fachwerkhäuser auf eine zeitgemäße Art und Weise zu übersetzen und weiterzuführen. Das Fachwerk wird nur in seinen Umrissen sichtbar sein. Der Neubau wirkt mit diesem Erscheinungsbild fast poetisch
Blick in den zukünftigen Neubau Oberamteistraße 34
Hauptidee des Entwurfes ist aber die überraschende innere Leere des  Neubaus,  die  einerseits  die geschützten  und  wertvollen vorhandenen Fundamente und Kellergewölbe inszeniert, andererseits die gegebene kleinteiligen Kammern der historischen Bausubstanz ergänzt.
Die Teilnehmer des Preisgerichts
Damit wird der Forderung des Wettbewerbsprogramms, dass diese Häuser selber Exponat sind, entsprochen. In den bestehenden Räumen gelingt es, die Baugeschichte Reutlingens dar- und auszustellen.

Interessanterweise wird die Wegführung im Altbestand den Besuchenden überlassen und nicht vorgegeben. In der Erweiterung wird die Treppenanlage zusammen mit dem Lift in das Fachwerk eingewoben und so Teil des räumlichen Erlebnisses. Gleichzeitig werden die Gebäude so behindertengerecht erschlossen.
 
Denkmalpflegerisch nicht unproblematisch ist wegen der dafür notwendigen Leitungszuführung die Anordnung der Sanitäranlagen im Erdgeschoss der Oberamteistraße 28. Da sich der Eingriff aber nur auf das Erdgeschoss bezieht, sollte dieser aber trotzdem denkmalpflegerisch lösbar sein.

Dem Beitrag gelingt es, in der Verbindung von Alt und Neu eine neue und ideale Synthese zu präsentieren. Sowohl das Alte, als auch das Neue profitieren voneinander. Die mittelalterliche Baukunst wird mit diesem Entwurf fast didaktisch als Konstruktionsthema aufgegriffen und modern gefasst.

Zum Herunterladen: Entwurf von wulf architekten gmbh, Stuttgart (PDF)
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Weitere Wettbewerbsteilnehmer

3. Rang:

4. Rang

Teilnehmer der ersten Wertungsrunde

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Bereich: GMR - Sonderprojekte

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