Dr. Manfred Oechsle - Oberbürgermeister a. D.

Lebenslauf

Dr. Manfred Oechsle (geboren 1934 in Geislingen an der Steige, gestorben 2006) war von 1973 bis 1995 Oberbürgermeister von Reutlingen.

Werdegang

Manfred Oechsle studierte Rechts- und Staatswissenschaft in Tübingen und absolvierte eine zweijährige Ausbildung an der Verwaltungsfachhochschule in Speyer. Nach seiner Promotion legte er 1962 die 2. juristische Staatsprüfung ab und arbeitete als Rechtsanwalt in Schwäbisch Hall, danach als Wirtschaftsjurist bei der Firma SEL in Stuttgart. Ab 1964 war er beim Landratsamt Waldshut beschäftigt und von 1966 bis 1968 als Regierungsrat beim Innenministerium in Stuttgart tätig. Von 1968 bis 1972 (Kreisreform) war er Landrat in Münsingen, dann Abteilungsleiter im Landwirtschaftsministerium in Stuttgart. 1973 wurde er zum Oberbürgermeister von Reutlingen gewählt. 1981 und 1989 bestätigte ihn die Bürgerschaft mit eindrucksvollen Mehrheiten als Stadtoberhaupt.

Meilensteine

  • Verwaltung: Eingemeindung von Rommelsbach (1974) und Mittelstadt (1975), Planungsstab für Stadtentwicklung und Stadtsanierung (1974), Übergang der berufsbildenden Schulen in die Zuständigkeit des Landkreises (1975), Stelle eines Ausländerbeauftragten seit 1981, Ausländerbeirat ab 1984, Reutlingen wird Großstadt (ab 1989).
  • Wirtschaftsförderung: Schaffung eines modernen Wirtschafts- und Dienstleistungsstandorts durch Einigung mit den Nachbargemeinden Kusterdingen und Kirchentellinsfurt auf interkommunale Gewerbegebiete (1976/1978), "Dienstleistungspark Orschel" (ab 1990).
  • Städtebau: Schwerpunkte Altstadtsanierung und Kernstadterweiterung, Umgestaltung von Wilhelmstraße und Marktplatz zur Fußgängerzone (1974-1982), Alten- und Pflegeheim Ringelbach (Deutscher Architekturpreis 1977), Hochschulcampus im Hohbuch (1977), Landesgartenschau (1984), Weiterbildungszentrum mit Stadtbibliothek (1985) und Volkshochschule (1988).
  • Verkehr: Ausbau der Verkehrsinfrastruktur mit Ost-West-Trasse (1977–1994) und ZOB/Haltestelle Stadtmitte (1994). Die Rommelsbacher Straße erhält einen Tunnel zwischen den Wohngebieten Römerschanze und Storlach.
  • Sport: Anlegung Sport- und Freizeitpark Markwasen (1977-1982).
  • Kultur: Reutlinger Mundartwochen (ab 1976), aus dem Schwäbischen Symphonieorchester wird die Württembergische Philharmonie (1983), 200. Geburtstag von Friedrich List (1989), Einrichtung des Kunstmuseums im Spendhaus (1989) und Prägung des Begriffs „Kulturmeile“ aufgrund der Dichte an kulturellen Institutionen im Altstadtbereich, Musikreihe „musica antiqua“ (ab 1992); Städtepartnerschaften mit Aarau (1986) und nach der Öffnung des Ostblocks mit Duschanbe und Szolnok (1990) sowie Städtefreundschaft mit Pirna (1990).
  • Umweltthemen: erfolgreicher Protest seitens Verwaltung und Bürgerschaft gegen die Ausweisung von Mittelstadt als Alternativstandort für ein Atomkraftwerk (1974-1987), Renaturierung der Echaz (ab 1983/84).
  • Erinnerungskultur: Beginn eines Besuchsprogramms für ehemalige jüdische Mitbürger und Anbringung einer Gedenktafel für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Reutlingen (Spendhausstraße, 1987), Gedenktafel für die Zwangsarbeiter in Reutlingen (Justinus-Kerner-Straße, 1989/1993).

Gremientätigkeit und Ehrungen

Kreistag Reutlingen (1973-1999, Mitarbeit in verschiedenen Ausschüssen, Ehrung mit Landkreismedaille); Mitglied im Stiftungsrat der Gustav-Werner-Stiftung (1974-1981) sowie in zahlreichen weiteren Kommunalverbänden und Organisationen.

Dr. Manfred Oechsle erhielt 1999 die Ehrenbürgerwürde der Stadt Reutlingen, im Jahr 2013 wurde der Platz um die neu erbaute Stadthalle nach ihm benannt.

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