Reutlinger Stadttore und Türme

Das Tübinger Tor wurde früher „Mettmannstor" genannt. Es wurde 1235 im Rahmen der Errichtung der Stadtmauer erbaut. Deutlich erkennbar sind die charakteristischen Eck- und Buckelquader, der Fachwerkaufsatz stammt von 1330. Durch das Tübinger Tor führte die Straße nach Tübingen, vorbei an der Tübinger Vorstadt, die dem Straßenbau in den 1960ern weichen musste. Während in mittelalterlicher Zeit der Türmer auf dem Tübinger Tor wohnte und ständig nach Gefahren Ausschau hielt (die größten Gefahren waren nicht , wie man meinen könnte, angreifende Feinde, sondern Brände in der Stadt, weswegen der Türmer in erster Linie aufsteigenden Rauch beobachte), wird der Raum auf dem Turm heute als besonderes Empfangszimmer der Stadtverwaltung genutzt.

Das Gartentor wurde 1392 erstmals als "Neues Tor" genannt. Bis 1700 blieb das Tor für den Verkehr geschlossen, es führte auch keine Straße unter ihm hindurch (es gab hinter dem Tor nicht einmal eine Brücke über den Stadtgraben). Dennoch war es einer der vier großen Tortürme, die Aufgaben des Türmers wurden von hier aus ebenso erfüllt, wie von den anderen Türmen aus. Außerdem diente das Gartentor in reichsstädtischer und teilweise auch in württembergischer Zeit als Gefängnis.

Durch das Gerbertor oder Untere Mühltörlein hatten die Gerber die Möglichkeit, an einer ihnen nahen Stelle die Stadt zu verlassen, um am dahintergelegenen Gerbersteg in der Echaz ihre Felle zu waschen. Rechts neben dem Tordurchgang, kann man die kleine Nische in der Mauer erkennen. Als während der Reformation in Reutlingen der Rat der Stadt vorschrieb, dass innerhalb der Stadtmauern keine lateinischen Messe mehr gelesen werden durfte, umgingen die Gerber für kurze Zeit dieses Interdikt, indem sie außerhalb der Stadtmauer, hier an dieser Nische, ihren traditionellen Gottesdienst abhalten ließen. Die Nische dürfte dem von auswärts gekommenen Priester als Altar gedient haben. Über der Nische ist ein strahlengekränzter Christus dargestellt, daneben zwei Wappen der Gerber: die gekreuzten Schabmesser.
Lage: An der Haltestelle Stadtmitte, Mauer an der Echaz

Außer dem Tübinger Tor, dem Gartentor und dem Gerbertor gab es noch das Untere Tor, auch Stuttgarter Tor genannt, dort wo jetzt die Wilhelmstraße auf den Karlsplatz hinausführt, das Albtor am oberen Ende der Wilhelmstraße, das Obere Tor am Ende der Kanzleistraße und den Peinturm, der auch als Gefängnis diente, am Ende der Oberamteistraße

In der Jos-Weiß-Straße befindet sich noch ein Stück der ehemaligen Stadtmauer mit einem runden Zwingerturm. Es handelt sich um den Eisturm. Als Teil der äußeren Stadtbefestigung waren die Zwingertürme die eigentlichen Wehrtürme der Befestigungsanlage. Erkennbar sind die Schießscharten an der Turmfassade. Diese Zwingertürme waren durch einen unterirdischen Gang miteinander verbunden, um den Wachhabenden ein schnelles Wechseln von Turm zu Turm zu ermöglichen. An die Zwingermauer schloss sich nach außen der mit Wasser gefüllte Stadtgraben an, der nach dem Ende der Reichsstadtzeit und dem Abbruch der Stadtmauern aufgefüllt wurde. Zu dieser Zeit verlor auch der Eisturm seinen militärischen Zweck und er wurde von 1877 bis 1906 als städtischer Eiskeller genutzt.
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