Zusammenfassung der öffentlichen Bezirksgemeinderatssitzung Ohmenhausen vom 09. Juni 2021

Nachfolgend erhalten Sie eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte aus dem öffentlichen Teil der Sitzung

am Mittwoch, 09. Juni 2021, ab 19:30 Uhr in der Turn- und Festhalle,                           Stadtteil Ohmenhausen, Vorsitz: Andrea Fähnle

Bezirksbürgermeisterin Fähnle begrüßt die Damen und Herren Bezirksgemeinderäte, Herrn Amtsleiter Dvorak vom Amt für Stadtentwicklung und Vermessung,                Herrn Tomek, Geschäftsführer und Herr Bönisch, Abteilungsleiter Abt. Planung der RSV GmbH, alle geladenen Gäste, sowie die Pressevertreterinnen und Zuhörerinnen und Zuhörer sehr herzlich.

Die Vorsitzende erklärt, die Vorgaben zum Schutz vor der Übertragung des Covid-19 Virus würden durch Abstandsmaßnahmen, dem Tragen von Mund-/Nasenschutzmasken und der zur Verfügung stehenden Handdesinfektionsmittel erfüllt.

Entschuldigt für die heutige Sitzung sei Bezirksgemeinderat Heun.
Weiter stellt sie fest, dass der Bezirksgemeinderat Ohmenhausen beschlussfähig sei und dass gegen die vorliegende Tagesordnung keine Einwände vorgebracht würden.

Einwohnerfragen

Vor Eröffnung der Sitzung wird den Gästen aus der Zuhörerschaft die Möglichkeit gegeben Fragen zu stellen und Anliegen vorzubringen. Hierzu werde um Handzeichen und Namensnennung gebeten, führt die Vorsitzende aus.

Zwei Schülerinnen melden sich zu Wort.
Beide besuchen die 6. Klasse des Isolde-Kurz-Gymnasiums Reutlingen. Sie berichten, mit der Linie 22 könne der 06:55 bis zur Stadtmitte genommen werden und dies ohne zeitlichen Verlust, während bei der Linie 2 die Fahrt bereits um 06:30 anzutreten sei, was eine lange Wartezeit bis Schulbeginn nach sich ziehe.
Auch auf dem Rückweg müsse mit der Linie 2 unnötiger Zeitverlust in Kauf genommen werden.
Mit der Streichung des Schulbusses hätte sich bereits die Situation verschlechtert, dann aber mit der Linie 22 wiederum sehr verbessert. Diese solle nun wieder gestrichen werden und eine Verschlechterung bei der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel für die Ortschaft Ohmenhausen und ihre Schülerinnen und Schüler halte damit Einzug.

Als ein Kind zweier Patchworkfamilien, berichtet eines der beiden Mädchen weiter, pendle sie regelmäßig hin und her, was künftig mit den Maßnahmen unnötig verursachten zeitlichen Mehraufwand bedeute.
Älteren Menschen würde der Einkauf erschwert, weil sie nicht auf direktem Weg alle Einkaufsläden im Ringelbach erreichen könnten.

Ein Einwohner erzählt, er wohne inzwischen seit dem Jahr 2003 auf dem Hasenberg und habe sich schnell dort eingelebt. Im Laufe der Zeit jedoch habe sich zunehmend verdeutlicht, dass der Hasenberg vom restlichen Ortsteil und von anderen Stadtteilen, wie auch der Stadtmitte abgehängt sei. Dabei müsste Ohmenhausen als zentrumsnaher und ansehnlich großem Stadtteil eine andere Gewichtung beigemessen werden als es offensichtlich der Fall sei. Sein behinderter Sohn fahre regelmäßig zur KBF in den Ringelbach, hierbei sei die Linie 22 von größter Wichtigkeit, doch nicht nur dies müsse als schlagendes Argument betrachtet werden, auch der Aspekt des Umweltschutzes dürfe nicht aus den Augen verloren gehen.
Nicht nur Kosteneinsparungen dürften im Vordergrund aller Entscheidungen stehen, auch die Weiterentwicklung sei nicht außer Acht zu lassen.
Verschiedene Herangehensweisen wären denkbar, zwei Bespiele wolle er hier in den Raum stellen. Durchaus vorstellbar wäre der Schlenker der Linie 5 zum Hasenberg, auch eine geringere Taktung der beiden Ohmenhäuser Linien seien ein Lösungsansatz.

Eine jugendliche Einwohnerin erklärt, sie habe bereits einen Leserbrief im Reutlinger Generalanzeiger veröffentlichen lassen, weil es ihr ein Bedürfnis sei, die Sicht der Jugendlichen zu veranschaulichen, vor allem die derjenigen, die täglich den Bus nutzen und darauf angewiesen seien. Der öffentliche Nahverkehr sei wichtig für alle Altersgruppen und mit dem Slogan „Alles wird busser“ wäre eine neue Zeit in der Anbindung zur Stadtmitte eingeläutet worden, doch nicht nur dies, eine gut gelungene Kombination der Linien 2 und 22 hätten es ermöglicht, den Ringelbach, alle Teile Ohmenhausens und Betzingen miteinander zu verbinden und die Stadtmitte zu erreichen. Auf diese Weise hätte häufig auf das Auto verzichtet werden können, was den Wunsch zum Klimaschutz stütze. Eine Streichung widerspreche diesem. Nicht nur die Linie 22 sei von den rückgängigen Zahlen der Fahrgäste betroffen, was der Pandemie geschuldet sei, derzeit zeige sich aber, dass sich die Zahlen wieder erhöhen seit der Öffnung verschiedener Örtlichkeiten, so dass eine Reduzierung oder gar Streichung einer Linie keinen Sinn mache. Sie möchte verdeutlichen, dass es unabdingbar wäre, die Linie 22 in vollem Umfang aufrecht zu erhalten.

Ein Einwohner erklärt, er wohne im Ringelbach. In der Funktion eines Kirchenchorleiters erreiche er durch die Nutzung der Linie 22 sehr viel einfacher und mit weniger zeitlichem Aufwand die von ihm betreuten vier Kirchengemeinden, aber auch täglich seinen Arbeitsplatz im Industriegebiet Betzingen. Den Entschluss auf seinen PKW zu verzichten habe er gefasst, um die Umwelt zu schonen und die öffentliche Verkehrsmittel zu stärken. Zunächst hätte er lange Wartezeiten am Zentralen Omnibusbahnhof in Kauf genommen, bevor die Linie 22 geschaffen worden sei, dabei hätten Verspätungen des Busses den rechtzeitigen Zutritt in den Anschlussbus verhindert. Die Linie 22 sei deshalb ein großer Gewinn.
Das Anliegen der Einwohner Ohmenhausens könne er sehr gut verstehen, es gebe vier Einkaufsläden im Ringelbach, zudem Freizeitmöglichkeiten, die auf direktem Weg mit der Linie 22 in kürzester Zeit erreicht werden könnten, womit vor allem älteren Menschen sehr gedient sei. Mit dem innerörtlichen Ringverkehr wäre die gesamte Ortschaft untereinander verbunden, was eine große Verbesserung darstelle, einen Rückschritt dürfe hier nicht erfolgen.

Eine Einwohnerin berichtet, sie wohne inzwischen seit mehr als 30 Jahren auf dem Hasenberg. Lange Zeit sei dieser Teil vom Rest der Ortschaft und von der Stadtmitte abgehängt gewesen, deshalb hätte es die dortigen Bewohner froh gestimmt, als die Linie 22 eingeführt worden sei. Mit dieser neuen Linie habe sie sich letztlich auf das Busfahren umgestellt. Sie könne nicht nachvollziehen, weshalb im Zuge einer Sanierung der RSV eine solch wichtige Linie gestrichen werde. Sie habe an Herrn Oberbürgermeister Keck ihr Anliegen vorgebracht, in der Antwort habe man sich auf die schlechten Zahlen, bedingt durch die Corona Pandemie, berufen. Nun aber, wo Einrichtungen, Institutionen, Läden mit den sinkenden Insidenzzahlen wieder öffnen, müsse davon ausgegangen werden, dass die Fahrgastzahlen enorm ansteigen dürften. Deshalb an dieser Stelle die Bitte, man möge den Einwohnern die Chance geben zu zeigen, dass die Linie 22 wieder verstärkt genutzt werde.
Herr Tomek sei nach Ihrem Wissen hinzugeholt worden, nicht nur um die finanzielle Talfahrt zu korrigieren, sondern um im Ganzen eine Verbesserung herbei zu führen. Darum richte sie nun ganz direkt ihre Frage an Herrn Tomek, zu welchem Zweck er eingestellt worden sei und vor allem mit welchem Einsparziel.
Auch wolle sie die Frage in den Raum werfen, ob denn Alternativen wie Bustickets in Erwägung gezogen worden seien, die verschiedene Örtlichkeiten und möglicherweise Veranstaltungen miteinander verbinden könnten. Sicher gebe es eine Vielzahl an Konzepten und Lösungsansätzen, die zu erschließen wären, dies jedoch sei nicht erfolgt.

Dass es ein Defizit gebe, das könne nicht bestritten werden, jedoch müsse erkannt werden, dass es in der Struktur begründet liege.
Sollte es nicht gelten eine Veränderung in der Struktur im Zuge der Sanierungsmaßnahmen vorzunehmen, richtet die Einwohnerin ihre Frage erneut an Herrn Tomek.
Es bleibe nur zu hoffen, dass die RSV von nun an wieder auf Vordermann gebracht werde.

Eine Einwohnerin richtet sich an die Vertreter und Vertreterinnen des Aufsichtsrats der RSV GmbH und fragt, wo dieser gewesen sei, als sich die Probleme um die Finanzen aufgetan hätten und warum dieser nicht rechtzeitig eingeschritten wäre, als sich abgezeichnet habe, wie schlecht es um den Betrieb stehe.
Weiter dürfe nicht unerwähnt bleiben, dass nur wenige Busfahrer in der Weise die Bushaltestellen anfahren, dass ein Rollstuhlfahrer oder eine Mutter mit Kinderwagen problemlos einsteigen könne. Auch dies seien Dinge, die in einer Aufarbeitung und Verbesserung eines Busunternehmens einfließen sollten, denn allein die Finanzen machten die Öffentlichen Verkehrsmittel nicht aus.
Sie sei 25 Jahre lang Bezirksgemeinderätin in Ohmenhausen gewesen und ebenso lange hätte das Gremium um eine Buslinie wie die Linie 22 gekämpft. Nun endlich sehe sich der Hasenberg angebunden und solle erneut abgetrennt werden vom Rest der Ortschaft und der Stadtmitte, dies könne nicht zumutbar sein. Sie hoffe auf den Erhalt der Linie 22.

Die öffentliche Bezirksgemeinderatssitzung wird nach der letzten Wortmeldung aus der Zuhörerschaft um 20:22 Uhr eröffnet.

Stadtbusnetz, Streichung Linie 22, zu Gast: Herr Amtsleiter Dvorak, Amt für Stadtentwicklung und Vermessung und Herr Tomek, Geschäftsführer der RSV GmbH.

Bezirksbürgermeisterin Fähnle nimmt kurz Stellung:
Die Streichung der Linie 22, wenn auch nur vorübergehend, habe bei der Bevölkerung von Ohmenhausen, selbst bei anderen Ortsteilen und natürlich auch beim Bezirksgemeinderat Ohmenhausen für große Unruhe gesorgt.

Eine Streichung bzw. Kürzung der Linie 22 ab dem 04.07.2021 könne so nicht hingenommen werden.
Der Bezirksgemeinderat habe deswegen in der Sitzung vom 28.04.2021 einen entsprechenden Antrag gestellt.
Mit diesem einstimmigen Antrag des Bezirksgemeinderats wären Herr Amtsleiter Dvorak und Herr Tomek gebeten worden, erneut zu prüfen, wie und welche Alternative es ab dem 04.07.2021 für die Linie 22 geben könne.

Herr Tomek führt aus, er sei seit dem 01. Januar 2021 Geschäftsführer der RSV GmbH.
Als er vom Unmut zur Streichung der Linie 22 erfahren habe, sei es ihm ein Anliegen gewesen, die Bedürfnisse und Bedenken des Bezirksgemeinderats und der Einwohner Ohmenhausens anzuhören. Er beteuert, dass es den Verantwortlichen keinerlei Freude bereite, derartige Reduzierungen oder gar Streichungen vorzunehmen jedoch mache es die äußerst angespannte Haushaltslage unabdingbar, derartige Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Auch die RSV GmbH müsse ihren Beitrag zu den Einsparungen leisten, die sich hier auf über drei Millionen Euro im Jahr belaufen.
Der ausgearbeitete Vorschlag der RSV GmbH zu geeigneten Maßnahmen und der damit einhergehenden Umsetzung des geänderten Buskonzepts wäre durch den Gemeinderat der Stadt Reutlingen beschlossen worden.
Grundsätzlich stelle sich immer die Frage, wie viel Leistung eine Stadt im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs erbringen könne, denn dieser sei niemals profitabel.
Das neue Buskonzept, das am 09. September 2019 eingeführt worden sei wäre zunächst ein voller Erfolg gewesen, die Pandemie ein halbes Jahr später jedoch, habe diesen Erfolg drastisch geschmälert.
Die Änderungen zum 04. Juli 2021 seien den daraus resultierenden stark gesunkenen Fahrgastzahlen geschuldet und müssten als notwendige, temporäre Maßnahmen betrachtet werden. Mit nachweislich stark gestiegenen Fahrgastzahlen müsse erneut eine Anpassung erfolgen.

Herr Bönisch ergänzt, dass das Busnetz höchst komplex sei. Häufig werde die Frage gestellt, ob es nicht mehr Sinn mache, kleinere Busse einzusetzen, um wenigstens diese voll auszulasten. Dies jedoch falle bei einer Einsparung nicht ins Gewicht, lediglich die Produktivität müsse gegeben sein.

Herr Amtsleiter Dvorak setzt fort, dass das Ziel vorgegeben sei drei Millionen Euro im Jahr einzusparen, doch dies allein stehe nicht hinter den Änderungsmaßnahmen. Allgemein gelte es die RSV wieder fitter zu machen. Wünschenswert wäre in diesem Zuge, dass sich die RSV GmbH künftig ohne Beteiligung privater Gesellschafter in städtischer Hand befinde. Verhandlungen würden derzeit gemeinsam mit den Stadtwerken Reutlingen geführt, hier gehe es letztlich nur noch um die Preisdarstellung.

Er selbst, wie auch Herr Tomek und Herr Bönisch seien bestrebt am heutigen Abend die Möglichkeit aufzuzeigen die bis zum 04. Juli 2021 denkbar wäre. Nach diesem Stichtag würden alle dargelegten Ideen weiter auf ihre Realisierbarkeit hin geprüft. Es sei wichtig anzumerken, dass sich die Verantwortlichen auf Grundsätzliches verständigt hätten, keine Linie sei dabei bewusst herangezogen und kurzerhand gestrichen worden. Im Vordergrund aller Überlegungen hätte gestanden, das Stadtbusnetz in seiner neuen Form und Grundkonzeption zu erhalten und nicht zur alten Form zurück zu kehren. Dabei sollten die Hauptlinien Bestand haben, während die Quartierbusse, Nachtbuslinien und Tangentiallinien, worunter die Linie 22 falle, eingestellt würden. Um den Hasenberg nicht erneut unterversorgt zurück zu lassen sollte dieser über die Linie 2 bedient werden. Dies hätte jedoch einen 40-minütigen Takt zur Folge gehabt, den es in keinem Teil des Stadtgebiets gebe. Somit habe eine andere Lösung gefunden werden müssen.

Die Gäste veranschaulichen ihren Vortrag anhand einer Präsentation.

Herr Bönisch erläutert, dass sich alle Entscheidungsfindungen auf dem Gemeinderatsbeschluss Reutlingen vom März 2021 begründeten.

Die Linie zwei fahre bis Pfullingen, eine Anpassung der Taktung auf 30 Minuten an die der Linie 22 sei nicht möglich gewesen, womit die Abstimmung der beiden Linien aufeinander derzeit nicht umsetzbar wäre. Eine Reaktivierung der Linie 22 werde jedoch vorgenommen, damit sie zu Teilen dem Wohngebiet Bodäcker/Hasenberg und Mahdach erhalten bleibe.

Die Linie 22 werde mit einer 30-Minuten-Taktung montags bis freitags in der Zeit von 05:00 bis 19:00 Uhr den Hasenberg/ Bodäcker bedienen, setzt Herr Amtsleiter Dvorak fort. Außerhalb dieser Zeiten müsse ein 40- bzw. 60-minütiger Takt in Kauf genommen werden, zu diesem Zweck werde die Linie 2 eingesetzt. Mit dieser Lösung und in Verbindung mit der Schülerlinie E22 wären auch die Schüler ausreichend versorgt.
Leider müsse zunächst auf den Ringverkehr verzichtet werden, technisch sei dies nicht durchführbar, was gut abgestimmte Fahrbeziehungen trotzdem nicht ausschließe und eine ansehnliche Kompromisslösung verzeichnen ließe. Sobald die RSV GmbH habe erfolgreich saniert werden können, sei es das Ziel in den früheren Zustand zurück zu kehren.

Neben den vorbeschriebenen Einsparungen würde auch an anderen Stellen entsprechende Maßnahmen vorgenommen, gleichermaßen jedoch mit dem Ansinnen, keinen allzu großen Schaden zu verursachen.

Abschließend bittet Herr Amtsleiter Dvorak nochmals zu bedenken, dass es sich um temporäre Änderungen handle, wie vom Gemeinderat der Stadt Reutlingen beschlossen. Er bedanke sich für die Möglichkeit, dass dieses schwierige Thema noch so kurzfristig in dieser öffentlichen Bezirksgemeinderatssitzung habe thematisiert werden können und äußert sich glücklich darüber, dass die Linie 22, wenn auch etwas eingeschränkt, aufrecht erhalten bleibe.

Bezirksbürgermeisterin Fähnle bedankt sich bei den Gästen für die vorausgegangenen Ausführungen.

An dieser Stelle sei es ihr ein besonderes Anliegen zu betonen, dass der Bezirksgemeinderat Ohmenhausen auch in Zukunft stets zu Gesprächen bereit sei und darum bitte, dass sich einzelne Personen nicht vorab bereits öffentlich gegen Vorschläge und Vorhaben der Stadt Reutlingen und seiner Gremien aussprechen, bevor sich der Bezirksgemeinderat in die jeweilige Thematik habe einbringen können.

Die Vorsitzende übergibt das Wort an das Gremium.

Bezirksgemeinderätin Stein zeigt sich erleichtert, dass die Linie 22 nicht gänzlich gestrichen worden sei. Jedoch seien die Einsatzzeiten nicht sehr sinnvoll geplant. Beim Krankenhauspersonal, aber auch Menschen, die täglich die Bruderhaus Diakonie aufsuchten und dazu die Linie 22 nutzen, um in den Ringelbach zu fahren, lägen die Fahrzeiten außerhalb derer, die nun als Rahmen festgelegt zur Verfügung stünden. Auch voll Berufstätige, die nur an Wochenenden oder abends die Möglichkeit hätten im Ringelbach einkaufen zu gehen, seien ab dem Stichtag wieder auf ihren privaten PKW angewiesen, um nicht lange Fahrten und äußerst unbequeme Umstiege mitsamt aller Einkäufe auf sich zu nehmen. Weiter sei das gesamte Freizeitangebot im Bereich des Ringelbach, das zumeist abends oder an Wochenenden in Anspruch genommen werde, aufgrund der erschwerten Erreichbarkeit nicht länger attraktiv. Besonders zu leiden hätten demnach wieder die Kinder, die nur unter erheblichem Mehraufwand das Freibad aufsuchen könnten.

Bezirksgemeinderat Weiblen bedauert sehr, dass sich nun der zeitliche Druck aufgrund mangelnder Vorlaufzeit bemerkbar mache, was ihn noch immer mit Unverständnis zurücklasse.
Gerade die Wochenenden und Abendstunden nach 19:00 Uhr seien enorm wichtig, um die Bevölkerung zu versorgen, aus diesem Grund bitte er darum bei den neuen Planungen die Rückkehr in den bisherigen Zustand vorzunehmen.

Bezirksgemeinderat Salzbrunn erklärt, er schließe sich den Ausführungen seiner Vorredner an. Die Öffentlichen Verkehrsmittel einer Stadt müssten als eine Art Grundrecht betrachtet werden und es erfordere eine zeitnahe Anpassung an den bisherigen Zustand, der erlaube, auch an Wochenenden und Abenden eine wichtige Linie wie die Linie 22 nutzen zu können.

Bezirksgemeinderat Graziotti führt aus, dass gerade die Kinder und Jugendlichen, die lange nun sehr eingeschränkt gewesen seien, ihre Freizeitaktivitäten an den Abenden und Wochenenden betreiben können sollten. Dazu sei es unabdingbar im Sinne der ökologischen Stadt auch die Möglichkeit zu geben, mit öffentlichen Nachverkehrsmitteln auf direktem Weg diese Orte zu erreichen. Auch er könne nicht nachvollziehen, wie es zu diesem zeitlichen Druck gekommen sei, mit frühzeitigen Gesprächen zwischen Gremium und Fachämtern hätten sich andere Lösungswege gefunden.

Bezirksgemeinderat Koch zeigt sich ausgesprochen betroffen und bringt dies klar zum Ausdruck.
Es sei in jeglicher Art und Weise am Bezirksgemeinderat und Bezirksamt Ohmenhausen vorbeigearbeitet worden. Das Resultat daraus liege nun vor.
Der aktuelle Vorschlag von RSV und Fachamt beinhalte zwar eine Aufrechterhaltung der Linie 22, dies jedoch mit massiven Einschränkungen.
Ab 04.07.2021 werde diese nicht mehr im 20-minütigen sondern im 3- minütigen Takt Mahdach und Haseberg versorgen. Dies jedoch nur von 05:00 Uhr morgens bis 19:00 Uhr abends und nicht länger an Wochenenden. Dies sei weit davon entfernt, was sich der Bezirksgemeinderat und alle Einwohner von Ohmenhausen, aber auch Betzingen und Ringelbach gewünscht hätten.
Der vom Bezirksgemeinderat Ohmenhausen einstimmig gestellte Antrag vom 28.04.2021 sei in keinem Gremium behandelt worden. Auch wenn die dort dargestellten Notwendigkeiten nicht grundlos aufgeführt worden seien, sei dieser nicht zielführend gewesen. Unzählige Leserbriefe und Unmutsbekundungen
verschiedener Art und Weise hätten nun die Verwaltung veranlasst die vorausgegangene Entscheidung zu überdenken. Das Resultat daraus liege nun in Form massiver Einschränkungen vor.
Jedes einzelne Mitglied des Gremiums sei ebenso Einwohner dieser Stadt und verstehe, dass Einsparungsmöglichkeiten hätten gefunden werden müssen, nicht jedoch, wenn diese nicht gleichmäßig auf das gesamte Stadtgebiet verteilt würden. Im Zuge der Gleichbehandlung wären dies etwa 8%, die jeder Stadtteil zu tragen gehabt hätte, stattdessen würden überproportionale 30% alleine Ohmenhausen aufgebürdet.

Mit der Beschlussfassung des Gemeinderats Reutlingen im März 2021 sei die politische Entscheidung zum Sanierungskonzept gefallen. Herr Tomek habe immer wieder erklärt, dass ihm Bürgernähe und Bürgerbeteiligung ein Anliegen sei, in der selben strittigen Angelegenheit habe er die gewählten Vertreter besagter Bürgerinnen und Bürger gänzlich außen vorgelassen, was daraus schließen ließe, dass das Interesse an deren Meinung nicht gar so groß sein könne.

Im Vorfeld sei das Gremium bereit gewesen produktive und fruchtbare Lösungswege zu finden, was nicht willkommen zu sein schien. Umso mehr hoffe er auf Gespräche nach dem 04. Juli 2021 aufgrund derer mehr zu bewegen wäre. Gerade der Stadtteil, der einen großen Teil an den Einsparungen zu tragen habe, sollte in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden.

Auch wenn Ohmenhausen weiterhin flächendeckend versorgt werde, sollte gut darüber nachgedacht werden, ob dem vorliegenden Beschlussvorschlag zugestimmt werden könne, denn die hinreichend dargestellten Einschränkungen beziehen sich auf Bereiche, die wichtig für die Einwohnerinnen und Einwohner seien. Bevor jedoch mit einer Ablehnung die Linie 22 nun gänzlich gestrichen werde, stimme er unter dem Augenmerk, dass es sich um eine temporäre Entscheidung handle, zu. In diesem Zusammenhang sollte der einstimmig gefasste Antrag des Bezirksgemeinderats Ohmenhausen vom 28.04.2021 erneut zur Abstimmung gestellt werden.

Den Vertretern von RSV und des Fachamts möchte er noch mit auf den Weg geben, dass es bei einem guten Sanierungskonzept nicht nur um die Frage der Einsparungsmöglichkeiten gehe, vielmehr gelte es die Kundschaft zu befriedigen und zu versorgen, nur so könne die Zahl des Fahrgastaufkommens
erhöht werden. Bei derartigen Maßnahmen, wie sie nun ab dem 04. Juli 2021 durchgesetzt würden, wäre der Verlust an treuen Kunden und die vermehrte Nutzung von privaten Fahrzeugen unvermeidbar. Nachdem nun mit der Öffnung von Geschäften und Veranstaltungsorten auch mit einem erhöhten Bedarf von Verkehrsmitteln gerechnet werden müsse, sei dies ein nicht nachvollziehbarer Rückschritt.
Mit der Abstimmung zum vorliegenden Beschlussvorschlag müsse deutlich dargestellt werden, dass es sich um eine rein temporäre Fahrplanänderung handele, die mit der erneuten Anpassung ab dem Winter 2021 rückgängig gemacht werden müsse.

Bezirksbürgermeistern Fähnle bedankt sich für die Wortmeldungen aus dem Bezirksgemeinderat Ohmenhausen und berichtet, Herr Bezirksbürgermeister Rupp des Stadtteils Reutlingen-Betzingen habe ihr eine Nachricht zukommen lassen, die sie nun gerne verlese:

„Der Stadtbezirk Ohmenhausen setzt sich vehement dafür ein, im Rahmen der Einsparungen im RSV-Netz die Linie 22 zu erhalten und somit eine Anbindung von Ohmenhausen über die Alteburgstraße an die Innenstadt zu gewährleisten. Mit Blick auf die Anbindung des Wohngebiets Hasenberg und insbesondere auf die zahlreichen Schulwege-Verbindungen in die Innenstadt kann ich diese Bemühungen gut nachvollziehen.
Aus Betzinger Sicht war die bisherige Lösung, die Linie 2 bis Ohmenhausen zu führen und von dort als Linie 22 den Ringschluss in Richtung Innenstadt vollziehen zu lassen, ebenfalls ein Pluspunkt des neuen RSV-Netzes. Zwar gibt es von Betzingen schnellere Anbindungen an die Innenstadt, erstmals wurde mit der Linie 22 aber die Möglichkeit geschaffen, von Betzingen umsteigefrei wichtige Ziele an der Alteburgstraße - insbesondere Hochschule, Stadion und Freibad - zu erreichen. Zudem wurde (mit der Umsteigemöglichkeit im Bereich der Abzweigung L383) die Möglichkeit einer schnellen Anbindung von / nach Gönningen und Bronnweiler geschaffen.
Aus diesen Gründen stellt auch für Betzingen die Linie 22 in ihrer derzeitigen Form eine Bereicherung dar. Sollte es dem Erhalt dieser Linienführung zuträglich sein, bin ich gerne bereit, über Veränderungen und Einsparmöglichkeiten bei den anderen nach Betzingen führenden Linie zu diskutieren.“

Bezirksbürgermeisterin Fähnle erklärt weiter, sie hoffe auch auf die Unterstützung des Bürgermeisters Stefan Wörner aus Pfullingen, der ebenfalls von der Linie 22 profitiere.

Aufgrund mehrerer Anträge bzw. Anfragen aus dem Gemeinderat und dem Bezirksgemeinderats Antrag aus Ohmenhausen zum Erhalt der Linie 22 zwischen Stadtmitte und Ohmenhausen Mahdach/Hasenberg habe die Stadtverwaltung Reutlingen und die RSV GmbH das Angebot auf der Linie 22 nochmals überarbeitet.

Beschlussfassung zum Beschlussvorschlag, Gemeinderats Drucksache Nummer 21/021/03:

Der Bezirksgemeinderat Ohmenhausen stimmt einstimmig mit 10 von 10 Stimmen der Beschlussvorlage mit der Nummer 21/021/03 vom 04.06.2021 zu.

Weiter stellt der Bezirksgemeinderat Ohmenhausen den

Ergänzenden Antrag zum Beschlussvorschlag (Drucksache Nummer: 21/021/03 vom 04.06.2021)

Der Bezirksgemeinderat Ohmenhausen hält seinen in der Sitzung vom 28.04.2021 einstimmig gefassten Antrag aufrecht und stellt ihn erneut und ergänzend zum vorausgegangen einstimmig bestätigten Beschlussvorschlag (Drucksache Nummer: 21/021/03 vom 04.06.2021) zur Abstimmung.

Der Bezirksgemeinderat Ohmenhausen beantragt zur nächsten Fahrplanumstellung im Dezember 2021 die Linien 2 und 22, sowie die Schülerbeförderung weiter aufrecht zu erhalten.

Der Ringverkehr der Linien 2 und 22 bleibt weiterhin erhalten.
Die Linien 2 und 22 werden sodann mit diesem Konzept an 7 Tagen in der Woche im Umfang der bis zum 04.07.2021 angebotenen Betriebszeiten aufrechterhalten.

Zur Erreichung einer entsprechenden Kostenreduzierung ist der Bezirksgemeinderat Ohmenhausen weiterhin bereit eine Reduzierung der Taktzeiten von 20 auf 30 Minuten zu tragen.
Dadurch wird eine Einsparung von 340.000 km im Jahr erreicht. Diese Einsparung liegt etwa. 50.000 km über der, von der RSV ursprünglich vorgeschlagenen Einsparmöglichkeit.

Bei Wiedererlangen der normalen Betriebsauslastung soll die Taktzeit wieder auf 20 Minuten zurückgeführt werden.

Der Bezirksgemeinderat Ohmenhausen stimmt dem ergänzenden Antrag einstimmig mit 10 von 10 Stimmen zu.

Mitteilungen

 Baumaßnahmen 2021 der FairNetz

Neben Netzanschlussmaßnahmen zur Versorgung einzelner Gebäude, informiert die FairNetz, steht in Ohmenhausen insbesondere der Glasfaserausbau im Fokus.

Der Bezirksgemeinderat nimmt die Mitteilung zur Kenntnis.

Anfragen, Anträge, Sonstiges

Es liegen keine Anträge vor,

Für das Bezirksamt Ohmenhausen
Daniela Kaupp

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