Veranstaltung

Strawalde. Hunger nach Bildern

Plakat zur Ausstellung Strawalde. Hunger nach Bildern. Jerg-Ratgeb-Preis 2022, Kunstmuseum Reutlingen | Spendhaus. 2022.
So., 15. Mai bis So., 21. August 2022

Jerg-Ratgeb-Preis 2022
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Beschreibung

Die große Spannbreite und Vielfalt von Strawaldes Schaffen wird in den knapp 80 ausgestellten Arbeiten, die von ersten Zeichnungen aus 1948 bis zu den jüngsten abstrakten Werken aus dem Jahr 2020 reichen, sichtbar. Über die Jahrzehnte hinweg wendet sich der Künstler unterschiedlichen Techniken zu und beschäftigt sich mit einer großen Varietät an Themen und Gattungen, die zu späteren Zeitpunkten aufgegriffen und weiterentwickelt werden. Strawalde ist einer dieser Künstler, die auf der einen Seite – durch die Entwicklung einer eigenen künstlerischen Handschrift – einen hohen Grad an Wiedererkennbarkeit haben. Und doch ist auf der anderen Seite seine Kunst so vielfältig, dass die Ausstellungsbesucher*innen vor manchen Wänden staunen mögen, dass alle dieser Werke demselben Atelier entstammen.

Abstrakt und gegenständlich, geometrisch und organisch, fein gezeichnet oder temperamentvoll mit Farbe auf die Leinwand gebracht, fließend oder konturiert – Strawaldes Bilder kommen aus dem Inneren, schöpfen aus persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen, sind intuitiv, vielfältig, verwegen und teilweise gegensätzlich. Es ist sein unaufhaltsamer Schöpfungswille sowie die Vielfalt und Rätselhaftigkeit seiner Bildkunst, die für den Betrachter immer wieder neue Entdeckungen bereithält und den bis heute ungestillten Hunger nach Bildern des Künstlers offenbart.

Statt einer chronologischen Abfolge versuchen fünf Ausstellungskapitel im Kunstmuseum Reutlingen | Spendhaus, das Wesentliche und Wiederkehrende der Bildkunst Strawaldes erlebbar zu machen. Man möchte dem Künstler unterstellen, in seinen Gemälden eine Geheimsprache zu erfinden, doch sind es letztlich Wirklichkeitsmuster, denen er als Künstler nachgibt. Für Strawalde wohnt auch den kleinsten Dingen ein Zauber inne. Das Ornamentale und Textile, die gestischen, musikalischen und fließenden Farbaufträge, das Spannungsverhältnis von Materialität und Spontaneität stehen im ersten Ausstellungskapitel im Fokus, das auch seine neuesten, abstrakten Werke präsentiert. Die Frau – als eines seiner bekannten Bildmotive – offenbart sich hier als Sehende. Schwarzweiß, doch voller Wunder – für Strawalde ist Sehen eine Berufung, und gerade seine großformatigen schwarzen, weißen und schwarz-weißen Malereien zeugen von der durch die Kunst nach außen gewandten Innerlichkeit.

Musik bleibt zeitlebens eine Passion, die sich eher in sublimierter Form in seiner Kunst als in Jürgen Böttchers Leben manifestiert. Die Bewegung seiner aus Tusche gewachsenen Phantasiegeschöpfe, sein Tuschetanz auf dem Papier, lässt Form und Zufall zu stimmigen Kompositionen zusammenwachsen. Gebärden von Büschen und Bäumen zeugen von Strawaldes tiefem Naturempfinden, das in seinem Œuvre einen größeren Platz einnimmt, als man zunächst vermuten könnte. Zeitlebens spielt Strawalde ein Spiel mit der Kunst. So darf in der Ausstellung ein Kapitel über seine Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte, mit Alten und Neuen Meistern nicht fehlen. Der Künstler tritt hier nicht nur in einen – wahlweise respekt- oder humorvollen – Dialog, sondern lotet in seinen bekannten Übermalungen von Kunstpostkarten immer wieder auch die Grenzen dessen aus, was im Umgang mit den Kollegen aus früheren Zeiten legitim ist, wie weit man gehen darf.

Neben der Malerei ist Film – insbesondere der Dokumentarfilm – das zweite künstlerische Medium Strawaldes. Während der DDR, als seine Bildkunst schon früh wenig bis gar keine Anerkennung fand, widmete er sich dem Film und arbeitete fast 30 Jahre als Regisseur bei der DEFA, wo er unter seinem bürgerlichen Namen Jürgen Böttcher zu internationaler Bekanntheit kam. In Kooperation mit dem Reutlinger Programmkino KAMINO finden zwei Matinéen (26.6. + 10.7. jeweils um 11:15 Uhr) statt, in denen Jürgen Böttchers Filme Barfuß und ohne Hut, 1964 (26 min) / Drei von vielen, 1961 (33 min) / Martha, 1978 (48 min) und die Dokumentation Der Maler und Filmemacher Jürgen Böttcher – Strawalde, 2004 (13 min) gezeigt werden. Strawaldes Blick für Details, für die einfachen und alltäglichen Dinge, spiegelt sich in seinen Filmen wider, in denen er einfache Momente und Lebenssituationen mit viel Empathie und Aufmerksamkeit schildert.
Mit einem Eintrittsticket des Kunstmuseum Reutlingen erhalten Sie zu den Matinéen im KAMINO den ermäßigten Eintritt von 9 Euro. Während des gesamten Ausstellungszeitraums erhalten Sie mit Ihrem Strawalde-Kinoticket den ermäßigten Eintritt ins Museum für 4 Euro.

Kuratorinnen: Ina Dinter und Anna Nerobova

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Distanz Verlag, Berlin mit Beiträgen von Ina Dinter, Anna Nerobova, Carolin Quermann und Benjamin Rux. Die Autor*innen nähern sich Strawalde und seinen Bildstrategien aus unterschiedlichen Richtungen und versuchen durch ihre Interpretationen seinem Werk näher zu kommen sowie neue Zugänge zu ermöglichen.

Alle Veranstaltungstermine im Rahmen der Ausstellungen finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.

EN short version
Every four years, the HAP Grieshaber Foundation awards the prestigious Jerg Ratgeb Prize. In 2022, the prize will be awarded to Berlin-based painter and film director Strawalde (Jürgen Böttcher, born 1931 Frankenberg/Sa.). In a selection of about 80 works, the exhibition allows the viewer to discover the essence of his visual art. In his diverse paintings, Strawalde traces patterns of reality and surrenders to the magic inherent in even the smallest things. The movement of his imaginary creatures grown out of ink, the dance of his ink on paper, allows form and chance to merge into coherent compositions. Throughout his life, Strawalde would play a game with art. In his well-known overpaintings of art postcards, he explores the limits of what is legitimate when it comes to dealing with Old and New Masters.

The exhibition will be accompanied by screenings of Jürgen Böttcher's films in cooperation with KAMINO and a catalogue.

Curators: Kuratorinnen: Ina Dinter and Anna Nerobova

For all information on events and activities accompanying the exhibition, please check our calendar.

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Veranstaltungsort
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Hinweise

Der mit 20.000 Euro dotierte Jerg-Ratgeb-Preis, den die HAP Grieshaber Stiftung alle vier Jahre vergibt, wird 2022 an den Maler und Filmregisseur Strawalde (Jürgen Böttcher) verliehen. Ins Leben gerufen von den Künstlern HAP Grieshaber und Rolf Szymanski, wird mit dem Preis ein überzeugendes Lebenswerk ausgezeichnet und beinhaltet neben dem Preisgeld eine Ausstellung mit Begleitpublikation im Kunstmuseum Reutlingen | Spendhaus.


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