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Bürgerempfang und offizielle Einweihung der Stadthalle
am 5. Januar 2013

Ansprache Oberbürgermeisterin Barbara Bosch

- Es gilt das gesprochene Wort -
 
Begrüßung

Herzlich willkommen zum Bürgerempfang 2013.
Herzlich willkommen zum ersten Mal in unserer neuen Reutlinger Stadthalle.

Den stimmungsvollen Auftakt heute Abend machte die Württembergische Philharmonie Reutlingen unter der Leitung von Ola Rudner mit der Ouvertüre zu Richard Wagners „Die Meistersinger“.
Die Uraufführung zu dieser Oper fand 1868 statt, also vor genau 145 Jahren. Etwa genauso alt sind die Bemühungen in Reutlingen, eine Veranstaltungshalle für gesellschaftliche und kulturelle Zwecke, insbesondere für Konzerte, zu erbauen. Das Fehlen einer geeigneten Halle wurde als so groß empfunden, dass der Reutlinger Liederkranz, in Anlehnung an das Stuttgarter Beispiel mit der Liederhalle, ab 1876 immer wieder zu Geldspenden für einen Neubau aufrief und sogar einen Wettbewerb auslobte. Die Kostenschätzungen mit 400.000 Mark waren jedoch für den Liederkranz nicht erschwinglich. Überhaupt hat das liebe Geld in der Stadt immer eine Rolle gespielt und spielt es noch heute. Verständlicherweise, weil die Reutlinger schon immer gute Kaufleute waren und sich genau überlegen, wofür sie Geld ausgeben und was sie dafür bekommen. In keinem Fall wollten und wollen die Reutlinger Protz und Pomp. Deswegen fanden in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts auch Pläne für ein sog. Volkshaus am Karlsplatz keine Zustimmung. Im Neubau mit fünfstöckigem Hotel, Konzertsaal und Volksbad sollten ein Festsaal und ein weiterer Saal für 500 Musiker und rund 1200 Zuhörer die lang vermissten Veranstaltungsräume bieten. Daraus wurde nichts, erstens fehlte das Geld und zweitens die Zustimmung der Reutlinger, denen das Projekt zu groß für Reutlingen schien. Das erinnert an die Pläne für das Reutlinger Kultur- und Kongresszentrum KKR rund 80 Jahre später, die ebenfalls in der Versenkung verschwanden, weil sie keine Billigung der Bürgerschaft fanden. So blieb bis zum heutigen Tag nur die Friedrich-List-Halle als Veranstaltungsort in Reutlingen, die die Nationalsozialisten 1938 für Massenveranstaltungen und für Aufmärsche erbauten und nutzten, und die direkt nach dem Krieg als Reparaturwerkstatt für Transportfahrzeuge diente. 1949 wurde sie aus Abbruchmaterial notdürftig wiederhergestellt, nachdem sie bis auf die Grundmauern zerstört war. Aus den Schlagzeilen und den Diskussionen in der Stadt verschwand das Hallen-Thema nie völlig.

In den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts gab es verschiedene Initiativen zum Bau einer Stadthalle, die allerdings alle nie so weit gediehen sind wie die Planungen für das KKR auf dem ehemaligen Bruderhausgelände, nebst Hotel und Multiplex-Kino. Die notwendigen Beschlüsse für den Neubau hatte der Gemeinderat bereits gefasst. Das Großprojekt wurde in der Öffentlichkeit zunehmend kritisch diskutiert, die wachsende Zahl der Gegner in der Bevölkerung wurde unterschätzt, die Notwendigkeit, die Bürgerschaft bei dieser Frage mitwirken zu lassen, nicht erkannt. Die aus dem Widerstand gegen das Großprojekt erwachsene Bürgerinitiative „David kommt“ erzwang mit einem von ihr initiierten Bürgerbegehren den gewünschten Bürgerentscheid, in welchem die Reutlinger im Oktober 2002 dem Vorhaben „Kultur- und Kongresszentrum Reutlingen“ eine mehr als deutliche Abfuhr erteilten.

Auf den Monat genau zehn Jahre ist es her, dass ich bei der öffentlichen Kandidatenvorstellung für das Oberbürgermeisteramt in der Listhalle im Januar 2003 angekündigt hatte, im Falle meiner Wahl die wie an einer Perlenkette entlang der Echaz aufgereihten Kultureinrichtungen durch den Neubau einer angemessenen Stadthalle für Reutlingen ergänzen zu wollen. Bei meinem Amtsantritt im gleichen Jahr versprach ich dann, bis 2005 dem Gemeinderat einen ausgearbeiteten Vorschlag zu unterbreiten. Die Einbindung in eine alle Sparten erfassende Kulturkonzeption und die Bürgerbeteiligung, unter anderem mit einer repräsentativen Befragung, waren bereits Gegenstand der Vorlage vom September 2003.

Es spricht für die Bürger dieser Stadt, für ihre Vernunft, ihre Weitsicht und ihren klaren Blick, dass sie über alle Irrungen und Wirrungen der letzten 150 Jahre hinweg das Ziel einer für Reutlingen passenden Halle nicht aus den Augen verloren, sondern unbeirrt daran festhielten. „Bereit sein ist viel, warten können ist mehr, doch erst den rechten Augenblick nützen ist alles“, wusste schon Arthur Schnitzler. Er scheint die Reutlinger gekannt zu haben. Der rechte Augenblick kam 2005, als wir im Gemeinderat den Vorschlag der Stadtverwaltung zum weiteren Vorgehen einbrachten.
„Was nicht zur Tat wird,  hat keinen Wert.“ Dieser Ausspruch stammt bekanntlich von Gustav Werner, der hier auf dem Areal die Maschinenfabrik zum Bruderhaus  gründete. Das sog. Krankenhäusle bleibt im Bürgerpark als Erinnerung an den Unternehmer und Sozialreformer stehen, der mit der Verbindung aus wirtschaftlichem und sozialen Denken genauso die Reutlinger Mentalität charakterisiert wie das demokratisch-liberale Gedankengut von Friedrich List.

Alle Kernaussagen von 2005 gelten heute noch und wurden eingehalten – sie sind zur Tat geworden. „Die Stadthalle ist für alle da – Kulturschaffende, Bürger, Vereine, Unternehmen“. Dieses Versprechen wurde umgesetzt. Ebenso: „Die Stadthalle ergänzt und bereichert das Reutlinger Kulturangebot. Vernetzung statt Verdrängung“. Wir stehen auch heute zu unserem Wort von damals. 2005 hieß es weiter: „Die Stadthalle passt zu Reutlingen. Groß genug ja. Großspurig nein“. Genau so ist es, wie Sie sich heute überzeugen können. „Die Bürger werden umfassend informiert. Gegen den erklärten Willen der Bürgerschaft wird es keine Stadthalle in Reutlingen geben“. So die Aussage 2005. Die Bürgerschaft hat in einem Bürgerentscheid 2006 und in einer repräsentativen Umfrage 2008 grünes Licht für die Stadthalle gegeben und der proppenvolle Saal hier wie oben beweist, dass wir diese Halle wollen und uns auf sie freuen.

In jeder Etappe des Stadthallen-Projekts wurden die Bürger auf dem Laufenden gehalten und in die Planungen intensiv eingebunden. In diesem Zusammenhang bedanke ich mich bei den heute anwesenden Medienvertretern für die ausführliche, auch kritische Berichterstattung über viele Jahre hinweg.
Ohne die Medien wäre eine sachgerechte Information der Bürgerschaft nicht möglich.
Wie erfreulich, dass wir eine solche Medienvielfalt in unserer Stadt haben. Vor allem die Tageszeitungen – der Reutlinger Generalanzeiger, das Schwäbische Tagblatt und die Reutlinger Nachrichten – haben ihre Leser zuletzt auch in Sonderveröffentlichungen umfangreich und gründlich informiert. Es freut mich in diesem Zusammenhang, dass Roland Hauser vom GEA ein interessantes, lesenswertes Buch über das Jahrhundertprojekt Stadthalle geschrieben hat, das seit wenigen Tagen druckfrisch vorliegt.

Es ist ein erhebendes Gefühl, ein Gefühl der Zufriedenheit und Dankbarkeit, hier in dieser schönen Stadthalle zu stehen und sie mit Ihnen gemeinsam in Betrieb zu nehmen. Welche Freude, das neue Jahr so zu beginnen.
Sie können sich heute selbst ein Bild davon machen, welches Schmuckstück hier entstanden ist. Ein Juwel zeitgenössischer Architektur mit klarem Design und zeitloser Eleganz, das auch hohen Ansprüchen an die Akustik gerecht wird. Endlich ein Konzertsaal für unsere Württembergische Philharmonie Reutlingen, für unsere Kammermusikreihe und für viele andere Musikdarbietungen, und eine Halle für alle, die das kulturelle und gesellschaftliche Leben in unserer Stadt bereichern wird.

Es ist uns in guter demokratischer Tradition gelungen, dieses Großprojekt in der Stadt gemeinsam voranzubringen und zu vollenden. Darauf können wir – Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft – stolz sein! Wir bekommen etwas hin in dieser Stadt, auch wenn es gelegentlich dauert. Hauptsache ist, es wird gut. Und es ist gut geworden!

Ein besonderer Dank geht an die Bürgerinnen und Bürger Reutlingens, die sich in vielfältigen Formen der Bürgerbeteiligung in den vergangenen Jahren
konstruktiv-kritisch mit Anregungen eingebracht und die Diskussion bereichert haben. Mein Dank gilt auch den Mitgliedern des Reutlinger Gemeinderates, die sich in unzähligen Sitzungen mit dem Neubau der Stadthalle befasst und wichtige Entscheidungen getroffen haben.
Ich kleide meine Anerkennung in die Reime des Reutlinger Chronisten und Dichters Carl Bames, der vor mehr als 150 Jahren fast prophetisch schwärmte:

Drum fasste unser hoher Rath,
den löblichen Entschluss, in unsrer Stadt,
zu bauen einen großen Saal,
der nicht zu kurz und nicht zu schmal,
für jede Gesellschaft hätte Platz,
für Mann und Frau, für Tochter und Schatz,
wo man bequem sich könnte bewegen,
und tanzen und singen und sonst sich regen.
Da müssen den Magistrat wir loben:
Meine Damen und Herren, die Hände erhoben!


Der Applaus gebührt heute den amtierenden und den ehemaligen Reutlinger Stadträtinnen und Stadträten, die an den Beschlüssen zur Stadthalle mitgewirkt haben. Wir haben uns von Anfang an bemüht, einen breiten Konsens in der Bürgerschaft herzustellen, was auch weitgehend gelungen ist. Ich freue mich deshalb, dass einstige Gegner des KKR-Projektes heute hier sind und mit uns die Einweihung der neuen Stadthalle feiern. Weil es auch ihre Halle ist und weil sie mit diesem Konzept mitgehen konnten!
Viele Reutlinger Bürger, auch aus dem Freundeskreis der WPR, haben schon früh ihre Unterstützung signalisiert, sogar einen Verein „Willy“ gegründet, und uns immer wieder begleitet und ermuntert.

Diese Stadthalle ist wirklich ein Gemeinschaftsprojekt. Darum kommt zum Stolz über das Erreichte auch der Dank für das Geleistete. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass ein solches Vorhaben, wenn es denn einmal begonnen ist, so reibungslos läuft. Wir sind bis zum heutigen Tag im Zeitplan. Und: Wir halten auch den Kostenrahmen ein. Das haben wir der Bürgerschaft versprochen und auch dieses Versprechen halten wir. Wir beweisen damit, dass – bei allen Unwägbarkeiten – Kosten öffentlicher Bauprojekte nicht zwangsläufig explodieren müssen. Unsere Projektgruppe Stadthalle hat sich auch dafür mit allen Kräften eingesetzt und verdient gemacht. Sie hatte während der gesamten Bauzeit die Fäden einschließlich des Kostencontrollings straff in der Hand. Falls Vertreter der Hamburger Elbphilharmonie oder des Berliner Flughafens im Saal sind, können wir gerne Anregungen geben. Mitarbeiter dürfen allerdings nicht abgeworben werden.
Apropos Elbphilharmonie. Die Kosten dafür sollen sich auf 575 Millionen Euro belaufen, unsere Stadthalle an der etwas kleineren Echaz kostet nicht einmal ein Zehntel dieser Summe. Wir bezahlen das aus den in Jahrzehnten für diesen Zweck angesparten Rücklagen. Dazu kommen stattliche Fördermittel des Landes Baden-Württemberg. Dafür, sehr geehrter Herr Minister Dr. Schmid, bedanke ich mich herzlich. Die Zusammenarbeit mit dem Land war und ist beispielhaft gut. Ich danke auch dem Regierungspräsidium und seinem Chef Regierungspräsident Strampfer für die gute Zusammenarbeit und das offene Ohr für die Reutlinger Belange. Glücklicherweise hatten das Land und seine Behörden nicht nur offene Ohren, sondern auch offene Taschen. Ohne Förderung aus den Städtebau-Fördermitteln des Landes könnte ein solches Großprojekt nicht geschultert werden. Zur Erinnerung an die gute Kooperation möchte ich Ihnen nachher gerne die als Teil der Öffentlichkeitsarbeit erstellten Baustellenberichte, in ein Bauteil aus unserer Fassade gesteckt, überreichen.

Auch wenn wir einige Nummern kleiner bauen als Hamburg, können wir beeindruckende Zahlen nennen. Die wesentlichen können in den Veröffentlichungen der letzten Tage nachgelesen werden. Dass die Stadthalle 621 Fenster und 372 Türen hat, dürfen Sie nachher gerne nachzählen. Es ist ja heute üblich, dass man Laien zum besseren Verständnis Vergleiche aus ihrer Lebenswelt anbietet, um abstrakte Zahlen begreifbar zu machen. Da möchte unsere Projektgruppe nicht zurückstehen und hat ausgerechnet, dass 54.160 Schuhkartons in den kleinen Saal passen und – ein Vergleich für die Männer im Saal – 935. 000 Bierkästen nötig wären, um die Baugrube zu füllen. Ich weiß allerdings nicht, ob diese Vergleiche errechnet oder praktisch ausprobiert wurden.
Etwa 80 Firmen haben hier auf der Baustelle gearbeitet, viele davon aus der Stadt und der Region. Insofern ist ein solches Bauvorhaben auch ein Konjunkturprogramm und sichert Arbeitsplätze. Spatenstich war am 6. November 2009 und acht Monate später am 2. Juli 2010 die Grundsteinlegung. Alle, die dabei waren, werden sich noch an diesen heißen Sommertag mit gefühlten 40 Grad in der Baugrube erinnern.
Wenn wir heute auf drei Jahre Bauzeit zurückblicken, so können wir froh und dankbar sein, dass die Arbeiten zügig und ohne bleibende Schäden, und, mit einer bedauerlichen Ausnahme, ohne Unfälle über die Bühne gingen. Allen beteiligten Firmen und Handwerkern mit Bauleiter Marco Füller an der Spitze gilt mein herzlicher Dank für die geleistete Arbeit.

Ich sprach bereits davon, dass die Stadthalle eine Mannschaftsleistung darstellt. Fast alle Ämter des Rathauses waren mit dem Projekt in Gänze oder in Abschnitten beteiligt. Die Arbeit lief über Dezernatsgrenzen und Ämtergrenzen hinweg, sie enthielt viel Unvorhergesehenes und verlangte von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen ganz besonderen Einsatz. Den haben Sie gebracht, liebe Mitarbeiter, es ist auch Ihr Verdienst, dass wir heute hier stehen und die Halle einweihen können. Dafür herzlichen Dank. Das funktioniert nur, wenn vorneweg die Chefetage voll und ganz hinter einem Projekt steht. Dies war hier im Haus der Fall, die Unterstützung war großartig. Mein Dank geht an Bürgermeister Hahn und Bürgermeister Rist und ganz besonders an Erste Bürgermeisterin Ulrike Hotz. Sie hatte als Chefin des Baudezernats die fachliche Oberaufsicht über das Projekt, hat es zu ihrer eigenen Sache gemacht und war zu jeder Tages- und Nachtzeit ansprechbar, immer bereit, sich zu kümmern und Unmögliches zu ermöglichen. Sie haben großen Anteil am guten Ergebnis dieses Neubaus. Dafür, liebe Frau Hotz, ganz herzlichen Dank.

Wir nähern uns nun den Schaltzentralen der Stadthalle, der Projektgruppe Stadthalle und dem Architekturbüro Max Dudler. Lieber Herr Prof. Dudler, Sie und Ihre Kollegen vor Ort, die Architekten Hans Malte Meyer und Andreas Enge, sind die kreativen Köpfe hinter dieser Architektur, die unserer Stadt ein neues Gesicht an dieser Stelle geben wird. Sie haben diese „Visitenkarte“ entworfen und realisiert. Die Zusammenarbeit mit Ihnen und Ihren Leuten war auch persönlich eine überaus positive, von gegenseitiger Wertschätzung getragene Erfahrung. Dafür Anerkennung und Dank. In diesen Dank schließe ich das mit der Bauleitung beauftragte Architekturbüro Schasler und das für die Raumakustik verantwortliche Büro Schaffert ein. Mit dem Neubau der Stadthalle auf dem Bruderhausgelände ist nicht nur ein modernes Gebäude entstanden, sondern ein neuer urbaner Raum, der wie ein Scharnier die historische Altstadt mit den umliegenden Stadtteilen verbindet.
Es hat sich gelohnt, dass wir uns in zwei Wettbewerben, dem Ideenwettbewerb und dem Realisierungswettbewerb, gründlich auseinandergesetzt haben, was im Zentrum der Stadt entstehen soll. Allen Jurymitgliedern, die sich unter der Leitung von Prof. Lederer engagiert und fachkundig mit den Wettbewerbsbeiträgen auseinandergesetzt haben, gilt mein Dank. Im Bürgerpark an der Echaz wird künftig ein Ensemble, bestehend aus Stadthalle, hochklassigem Hotel, dem Krankenhäusle mit Café sowie dem Open-Air-Kulturplatz, unseren Bürgern und Gästen eine ganz neue Aufenthaltsqualität in der Stadt bieten. Obwohl die Arbeiten vor dem Tübinger Tor noch nicht fertiggestellt sind, lässt sich auch bei winterlichem Grau erahnen, was hier künftig möglich wird. Wir haben damit ein neues Kapitel der Stadtentwicklung aufgeschlagen, in der die Stadthalle ein zentrales, aber nicht das einzige Element ist.
Apropos Bürgerpark. Die Spendenaktion läuft weiter. Mit 50 Euro sind Sie dabei und können Ihren Namen in ein Messingband eingravieren lassen, das um den jeweiligen Spendenbaum läuft. Viele Bürger und Unternehmen haben sich schon verewigen lassen, aber es sind noch freie Bäume da…

Zurück zur Stadthalle: An der Spitze der hochmotivierten, baubetreuenden Projektgruppe steht Klaus Kessler, den inzwischen halb Reutlingen unter seinem Zweitnamen „Mr. Stadthalle“ kennt. Seine Kompetenz, seine Begeisterung und mitreißende Zuversicht haben nicht nur im Gemeinderat manche Bedenken zerstreut. Er hat das Kunststück zuwege gebracht,  auf Qualität und Kosten gleichermaßen zu achten. An seiner Seite, weniger im Rampenlicht, aber ebenso effektiv sein Stellvertreter Til Eder. Sie beide haben Großartiges geleistet, bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit und noch darüber hinaus. Es ist heute auch Ihr Tag, den Sie sicher erleichtert genießen.
Bitte nehmen Sie alle den Dank an Ihr Team mit. Wir wissen, dass zum Gelingen viele Menschen beitragen, die nicht alle genannt werden können, aber trotzdem wichtig sind.

Es ist ein Novum, dass der Bürgerempfang am 5. Januar ist, und es wird auch eine Ausnahme bleiben. Nächstes Jahr sind wir wieder am Öbersten, dem Dreikönigstag am 6. Januar, zusammen. Dem besonderen Anlass entsprechend feiern wir die Einweihung in mehreren Etappen. Unsere Stadthalle ist bereits Anfang der Woche mit einer eindrucksvollen Silvestergala in Betrieb gegangen und hat allen
600 Gästen eine unvergessliche Nacht beschert. Dem Team um den Geschäftsführer unserer Betriebsgesellschaft, Herrn Krumrey, sowie allen weiteren Beteiligten einschließlich des Cateringunternehmens Rauschenberger zolle ich meinen höchsten Respekt, mit einer solchen Veranstaltung in einer neuen Halle ins kalte Wasser gesprungen zu sein. Heute Abend nun also die feierliche Eröffnung mit Bürgerempfang, und morgen ein ökumenischer Gottesdienst in der Marienkirche und der Tag der offenen Tür in der Halle ab 11 Uhr, mit einem Programm für die ganze Familie. Die Eröffnungsfeierlichkeiten beinhalten demnach für jeden etwas, in den Kategorien Smoking bis Jeans sozusagen. Auch damit soll das Konzept einer Halle für alle unterstrichen werden.

Herr Krumrey hat in einer schwierigen Phase die Geschäftsführung der Hallen-GmbH übernommen. Ihr großes und erfolgreiches Engagement in der Ihnen eigenen Art hat uns alle sehr beeindruckt – aufrichtigen Dank hierfür! Unserer neuen Geschäftsführerin Petra Roser, die zu Jahresbeginn voll ins Geschäft eingestiegen ist, wünsche ich mit ihrem Team viel Erfolg und das Glück der Tüchtigen. Sie haben keine Zeit durchzuschnaufen, nach diesem Wochenende geht die Halle mit einer Vielzahl unterschiedlichster Veranstaltungen voll in Betrieb. Besonders dürfen wir uns auf das renommierte Mozartfest 2013 freuen, mit einem vielseitigen Programm auf hohem Niveau.

Ich bedanke mich bei den Künstlerinnen und Künstlern, die den heutigen Abend musikalisch bereichern. Natürlich ist auch die Programmzusammenstellung gut überlegt worden. Nach mir wird die Württembergische Philharmonie Reutlingen unter der Leitung von Ola Rudner ein Werk des im September verstorbenen, vielseits geachteten Reutlinger Komponisten Karl Michael Komma spielen, „Signale für großes Orchester“. Wir wollen damit den von mir auch persönlich sehr geschätzten Komponisten, Pianisten und früheren Hochschullehrer ehren und ihm gedenken. Ich freue mich, dass seine Frau und seine älteste Tochter heute unter uns sind.

Danach wird Finanz- und Wirtschaftsminister Dr. Nils Schmid für das Land Baden-Württemberg sprechen. Aller guten Dinge sind drei – abschließend wird Architekt Prof. Max Dudler seine Ansprache halten und die Schlüsselübergabe vornehmen.

Von der besonders guten Konzertakustik konnten wir uns schon bei den Proben begeistert überzeugen. Nun haben wir endlich einen Konzertsaal, der mit der Qualität unseres Orchesters mithalten kann, ja dieses zu weiteren Höhenflügen animieren wird. Das Publikum ist voller Vorfreude, wie sich an den Verkaufszahlen für die Konzertkarten zeigt. Diese gehen ebenso erfreulich nach oben wie die Mundwinkel des Intendanten. Um die Tauglichkeit unserer Reutlinger Stadthalle als Konzerthaus nachdrücklich unter Beweis zu stellen, beschließt den offiziellen Teil der heutigen Einweihungsfeier ein besonderer musikalischer Höhepunkt. Mein Wunsch war, dass das Konzept der Halle auch darin zum Ausdruck kommt, dass die Berufsmusiker und
-musikerinnen unseres Orchesters gemeinsam mit einem Querschnitt aus den vielen und etablierten Laienchören dieser Stadt auftreten. 240 Sängerinnen und Sänger aus
12 Chören haben sich unter der Leitung von Martin Künstner auf diesen Abend vorbereitet. Ich bin ihm sowie dem Sprecher der Reutlinger Chöre, Herrn Ott, dem Intendanten Herrn Grube und unserem Chefdirigenten Herrn Rudner sehr dankbar für Ihre Bereitschaft, dies musikalisch umzusetzen.

Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium,
wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum.

Keine Bange, ich bin nicht ob der Begeisterung über das vollendete Werk nun völlig entrückt, sondern wir werden als krönenden Abschluss den 4. Satz aus Beethovens
9. Sinfonie hören, vielen auch bekannt als Europahymne. Wie könnte man ein solches Bauwerk schöner eröffnen als mit Schillers „Ode an die Freude“!

Unsere Stadthalle hat eine lange Vorgeschichte, aber sie weist vor allem in die Zukunft. Dies nicht nur, weil sie eine Photovoltaikanlage, betrieben durch die Genossenschaft Erneuerbare Energien Neckar-Alb, auf dem Dach hat. Die Stadthalle ist Ausdruck des Reutlinger Bürgerstolzes, der nicht nur die städtische Mitte neu definiert, sondern auch in die Region hinausstrahlt. Die ehemals Freie Reichsstadt Reutlingen kann in ihrer Geschichte auf Erfolge und auf Niederlagen, auf Krisen und Fortschritt verweisen. Möge die neue Stadthalle den Stolz auf unsere Stadt und ihre Bürgerschaft mehren, ihr Zuversicht für die Zukunft geben und die Identifikation mit unserem Gemeinwesen stärken.

Und damit übergebe ich die Stadthalle Reutlingen unserer Bürgerschaft.

Stadt Reutlingen

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