Aktuelles

Newsletter Dezember 2020


Vorträge


Am Mittwoch, 9. Dezember spricht der Stuttgarter Archivar und Historiker Dr. Wolfgang Mährle um 20:00 Uhr über

Krieg und Reichsgründung: Württemberg vor 150 Jahren


Am 25. November 1870 trat das Königreich Württemberg dem sich formierenden Deutschen Reich bei. Gleichzeitig kämpften württembergische Soldaten im Krieg gegen Frankreich. Bei Champigny wehrten sie am 30. November und am 2. Dezember 1870 einen lange vorbereiteten französischen Ausbruchsversuch aus dem belagerten Paris ab. Der Vortrag rekonstruiert 150 Jahre nach den historischen Ereignissen aus württembergischer Perspektive die politischen und militärischen Entwicklungen, die 1870/71 zur Gründung des Deutschen Reiches führten. Er zeigt zudem auf, wie diese Ereignisse in Reutlingen erlebt und später erinnert wurden.
 
Der Referent ist Archivar am Hauptstaatsarchiv Stuttgart und leitet den Arbeitskreis für Landes- und Ortsgeschichte. Dr. Mährle ist ein hervorragender Kenner der Materie und kuratierte die diesjährige Ausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg „Nation im Siegesrausch. Württemberg und die Gründung des Deutschen Reiches 1870/71“.


Organisatorische Hinweise


Im Gebäude der Volkshochschule gelten die bekannten Hygieneregeln, namentlich auch die Verpflichtung zum Tragen von Masken. Wegen der begrenzten Besucherzahl im Vortragssaal bitten wir um eine Anmeldung bei der Volkshochschule. Da das Online-Buchungssystem der Volkshochschule keine ermäßigten Mitgliederpreise akzeptiert, empfehlen wir Ihnen eine Anmeldung per Telefon (07121/336-121) oder per E-Mail (info@vhsrt.de) und Bezahlung an der Abendkasse. Wir bitten um Verständnis, dass die Kontaktdaten der Besucher für vier Wochen zum Zweck allfälliger Nachverfolgung aufbewahrt werden.
 
Wenn Sie die Vorträge zu Hause im Livestream verfolgen wollen, melden Sie sich bitte ebenfalls telefonisch oder per E-Mail bei der Volkshochschule an. Sie erhalten dann die Zugangsdaten mitgeteilt.


Neuer Termin Mitgliederversammlung 2020


Die wegen der Corona-Einschränkungen kurzfristig verschobene Mitgliederversammlung für 2020 findet nun am 17. März 2021 statt, wie für den November bereits vorgesehen im Spitalhofsaal. Die Mitglieder werden postalisch fristgerecht eingeladen.


Neues Halbjahresprogramm 2021


Das neue Halbjahresprogramm ist in Vorbereitung. Wie bisher ist es mit einigen Unwägbarkeiten hinsichtlich der Pandemie-Entwicklung behaftet und nach wie vor werden die Ausfahrten nur in begrenztem Umfang stattfinden können. Dennoch dürfen wir uns auf einige attraktive historische Highlights freuen.


Gedenkstunde zur Pogromnacht


Anders als im letzten Newsletter angekündigt, musste aufgrund des November-Lockdowns die Gedenkstunde am 9. November in der Marienkirche entfallen. Ein kleiner Kreis des Vorbereitungsteams aus ACK, Schule, jüdischer Gemeinde und Stadtarchiv hat sich stattdessen mit Oberbürgermeister Thomas Keck zu einem Moment der Stille und des Gedenkens in der Spendhausstraße eingefunden.
 
Die von Schülerinnen und Schüler der Laura-Schradin-Schule bereits vorbereitete Präsentation „Verlust jüdischen Lebens in Reutlingen“ wird im kommenden Jahr einer dann hoffentlich wieder möglichen größeren Öffentlichkeit gezeigt werden.


Neue städtische Homepage


Bekanntlich sind wir mit unserem Internetauftritt unter dem Dach der städtischen Homepage www.reutlingen.de präsent. Nach einigen Jahren wurde die Homepage neu gestaltet, die Inhalte blieben jedoch im Wesentlichen unverändert.
 
Ziel der Neugestaltung war die Verbesserung der Barrierefreiheit sowie eine Anpassung an heutige Nutzergewohnheiten und -bedürfnisse im Internet.
 
Ansicht der Homepage der Stadt Reutlingen
 
Die zentrale Navigation läuft nun über den Menübutton rechts oben (im Bild grün umrandet). Dort finden Sie die gewohnte Unterseite „Kultur“. Für die Belange des Geschichtsvereins ist neu, dass es nun eine eigene Unterseite „Geschichte“ gibt, wo nicht nur Stadtarchiv und Geschichtsverein zu finden sind, sondern auch Links zu den Seiten weiterer geschichtlicher Themen und Vereinigungen in der Stadt.
 
Kleinigkeiten werden in den kommenden Wochen noch anzupassen sein. Anregungen und Rückmeldungen sind bei der Geschäftsstelle willkommen.


Reutlinger Straßenbahnwagen von 1928


Unser Vereinsmitglied Bernhard Madel ist ein nicht nur in Fachkreisen bestens bekannter Experte für die Geschichte der Reutlinger Straßenbahn. Zuletzt hat er dazu in den Geschichtsblättern 2019 publiziert. Aus der Presse haben sicherlich schon viele erfahren, dass genau aus der dort behandelten Weimarer Zeit ein Straßenbahnwagen stammt, der nun bei e-bay angeboten worden ist. Herr Madel schreibt uns dazu:
 
„Ein Zeitzeuge aus Reutlingens Industriegeschichte, der Straßenbahntriebwagen Nr. 53 wird derzeit über e-bay Kleinanzeigen angeboten. Der von der Maschinenfabrik Esslingen erbaute Wagen hat inzwischen eine durchaus geschichtsträchtige Vergangenheit. Seine Jungfernfahrt startete zur Eröffnung der städtischen Straßenbahn Reutlingen – Altenburg am 1. August 1928.
 
Staßenbahntriebwagen Nr. 53
 
Der Bau dieser Strecke war ein wichtiger Teil der Reutlinger Industriegeschichte, waren doch zahlreiche Betriebe wie Emil Adolff, Hermann Wangner, Gebr. Wendler, Burkhardt und Weber, Gustav Wagner, Ulrich Gminder, Weisert & Böpple, Stoll Strickmaschinen und die Bruderhaus Papier, Möbel und Maschinenfabrik auf Arbeitskräfte aus dem Nordraum Reutlingens angewiesen. Dies beweist auch die finanzielle Unterstützung mehrerer dieser Firmen zur Verwirklichung der Straßenbahnstrecke. Bis 1970 legte der Wagen Tausende von Kilometern zurück.
 
Nach der Stilllegung der Altenburger Strecke am 30. Mai 1970 wurde der Wagen auf den Linien nach Pfullingen und Eningen eingesetzt. Am 19. Oktober 1974 fuhren auch auf diesen Strecken zum letzten Mal Straßenbahnen.
 
Schon damals gab es Interessenten, die sich für die Rettung industriegeschichtlicher Objekte engagierten, zumal die Reutlinger Straßenbahn in „Fachkreisen“ wegen ihrer abwechslungsreichen Strecken und ihres vielfältigen Wagenparks viele „Fans“ nach Reutlingen lockte. So auch der Betreiber der ehrenamtlich betriebenen Bergischen Museumsbahn Wuppertal/Cronenberg, der über den Wagen bereits im November 1974 verfügte. Im Laufe der Jahre war der Verein jedoch gezwungen, seine Aktivtäten einzuschränken und bot deshalb 2006 den Reutlinger Wagen zum Verkauf an. Per Tieflader kam der Wagen am 18. Juli 2006 wieder nach Reutlingen zurück. Die Idee, den Wagen gastronomisch im Ratskeller zu nutzen, ließ sich jedoch nicht verwirklichen. Nach unbestätigten Informationen wurde der Wagen stattdessen auf der Alb untergestellt. Am 29. Oktober berichtete der Reutlinger General-Anzeiger, dass der Wagen für 27.500 Euro bei e-bay zum Verkauf stünde.
 
Reutlinger Straßenwagen 1928
 
Angesichts dieses besonderen Objekts, das sowohl für Industrie- als auch Technik-  und Stadtgeschichte steht, wäre es sehr bedauerlich, wenn es verloren ginge. Das Industriemuseum ist m. E. deshalb der richtige Standort für dieses außergewöhnliche Exponat.“


Erinnerungen an die
Listbrücke


Ein weiteres Erinnerungsstück an Reutlingens Industriegeschichte wurde jüngst wieder lebendig. Die 1906 zur Verkehrserschließung des damals neu errichteten Güterbahnhofs erbaute Listbrücke musste zu Anfang der 1980er Jahre dem vierspurigen Ausbau der innerörtlichen B 28 weichen. Nicht zuletzt dank des unermüdlichen Einsatzes des verdienten und erst kürzlich verstorbenen Alt-Stadtrates Ulrich Lukaszewitz werden nun an der Tübinger Straße / Ecke Gutenbergstraße einige bislang bei den Technischen Betriebswerken verwahrte Überreste der Eisenkonstruktion in etwas verfremdeter Manier wieder gezeigt.
 
Listbrücke
 
Lange Zeit blieb im Dunkeln, wer Konstrukteur dieser von den Königlich-Württembergischen Staatseisenbahnen errichteten Brücke war. Dank den Forschungen Andreas Stötzners aus Leipzig, der sich auf die Suche nach Spuren von Leben und Werk seines Vorfahren Willi Kilbert (1877 – 1946) begeben hat, konnte dies nun geklärt werden: Niemand anderer als dieser aus Niederschlesien stammende Bauunternehmer und Ingenieur lieferte den Entwurf für die fast 80 Jahre bestehende Reutlinger Brücke.
 
Kilbert hatte in Karlsruhe, Dresden und Stuttgart studiert und war ab 1899 als Ingenieur in verschiedenen Büros von Leipzig über Kattowitz und Wien bis Stuttgart tätig, wo er von 1902 bis 1905 beim bahnbautechnischen Büro der württembergischen Staatseisenbahnen angestellt war. Sein Schwerpunkt bestand damals im Entwerfen und in der Berechnung von Eisenbahnbrückenbauwerken. 1910 ließ sich Kilbert in Weimar nieder und gründete dort die Firma W. Kilbert (Beton-, Kunststeinbau). Kilbert ist – neben Arbeiten am Weimarer Hauptbahnhof – mit etlichen weiteren Brückenbauten, auch an den neuen Reichsautobahnen hervorgetreten. 1912 – 1914 war er überdies Lehrer an der Sächsischen Baugewerkeschule.
 
Bemerkenswert ist vielleicht, dass in Kilberts Stuttgarter Arbeitszeugnis die Reutlinger Brücke als besondere Leistung eigens erwähnt wurde. Eine Zusammenstellung zur Vita Kilberts aus der Feder von Andreas Stötzner wurde dem Stadtarchiv übergeben.
 
 
Geschäftsstelle des Reutlinger Geschichtsvereins
Kontakt
Tel.: 07121/303-2386
E-Mail: geschichtsverein@reutlingen.de
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