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Wie geht es den Menschen in Reutlingens Partnerstadt Reading in Zeiten der Corona-Krise und nach der Präsidentschaftswahl?


Tom McMahon, Vorsitzender der Friendship Group Reading – Reutlingen, engagierte sich persönlich im Wahlkampf und konnte daher versichern, dass es keine Zwischenfälle oder gesellschaftliche Unruhen während des Wahlvorgangs gab. Hunderte von Menschen trugen zur Stimmauszählung bei und prüften die Stimmen auf ihre Richtigkeit.
Nachdem das Ergebnis schließlich zugunsten von „President-elect“ Joe Biden als gesichert galt, machte sich McMahon zufolge bei vielen Menschen in Reading außerordentliche Erleichterung darüber breit, dass die „Trump-Jahre“ nun bald vorüber seien und die „ruhige Hand“ und Diplomatie Bidens Amerika wieder in Solidarität mit anderen vorausschauenden führenden Politikern bringen werden, um zur Lösung globaler Probleme beizutragen. „Wir alle hoffen, dass es Mitgliedern der republikanischen Partei gelingen wird, Präsident Trump zur Kooperation mit der künftigen Biden-Administration zu bewegen,“ erklärt der frühere Bürgermeister. Weiterhin wusste er zu berichten, dass nicht zuletzt das Wahlergebnis im Bundesstaat Pennsylvania, in dem Reading liegt, eine wichtige Rolle für das Abschneiden von Joe Biden gespielt hat.
Persönlich freue er sich darüber, dass sich die USA wieder dem Pariser Klimaabkommen anschließen und die Beziehungen zu anderen führenden Politikern der Welt herstellen werden. „The American experiment continues to try to live up to the principles of our founding fathers“, meinte Tom McMahon (Das amerikanische Experiment versucht weiterhin, den Prinzipien unserer Gründerväter gerecht zu werden.) Abschließend richtete er seinen Blick vor diesem Hintergrund auch nach Reutlingen: „Mit großer Zuneigung für die Bürger unserer wunderbaren Partnerstadt Reutlingen freue ich mich auf die Fortsetzung unserer für beide Seiten vorteilhaften Austauschprogramme, die unser Verständnis und unseren Respekt füreinander vertiefen.“
Donna Reed, Stadträtin in Reading, äußerte sich zur derzeitigen Lage der Corona-Pandemie. Mit durchschnittlich 115, an manchen Tagen mehr als 150 neuen Fällen in den vergangenen Wochen stellte sie eine starke Rückkehr der Pandemie im Herbst fest. Gründe für die zweite Welle sah die Stadträtin vor allem in der mangelnden Disziplin beim Tragen von Mund-Nasenschutz-Masken und beim Abstandhalten. Außerdem habe es neben einem Ausbruch am Albright College vor allem zwei lokale Massenausbrüche, sogenannte Superspreadings, durch Wahlkampagnen von Präsident Trump und Vizepräsident Pence am Regionalflughafen Reading gegeben.

Weiterhin berichtete sie, dass Bürgermeister Eddie Moran das Rathaus bereits komplett schließen, reinigen und desinfizieren ließ, nachdem es Infektionen in der Mitarbeiterschaft gab. Einige Beschäftigte würden an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, das Gebäude bleibe aber weiterhin, wie bereits seit Mitte März, für die Öffentlichkeit geschlossen. „Ich fürchte, wir gehen auf eine Phase mit weiteren Restriktionen zu,“ so Donna Reed.
Seit Ausbruch der Pandemie meldete Berks County mit rund 415.000 Einwohnern 11.036 bestätigte Fälle (Stand 13.11.2020). Dies entspricht 2,65 Prozent der Bevölkerung, mehr als doppelt so viel wie im Landkreis Reutlingen. Berks County rangiert damit auf Platz 6 unter den 67 Bezirken im Bundesstaat Pennsylvania mit insgesamt 2.627 Infizierten pro 100.000 Einwohner.
Zuletzt beschrieb Patrick Donmoyer, Leiter des Pennsylvania German Cultural Heritage Center an der Kutztown University, die Situation an Schulen und Hochschulen, die zumeist mit Onlineunterricht oder gemischten Unterrichtsmodellen in Betrieb seien. An der Kutztown University finden Vorlesungen nur noch bis zum Thanksgiving Day am 26. November statt, Examen werden online abgehalten, bis die Studenten im Februar auf den Campus zurückkehren.
Um dennoch auch über große Distanzen in Kontakt zu bleiben, sei vor allem Kunst ein wichtiges Medium, wie ein aktuelles Kunstprojekt zwischen Reading und Reutlingen zeige. Dieses dreht sich um die Brezel, die nicht nur im schwäbischen Reutlingen sondern auch in der „Pretzel City“ Reading eine große Rolle spielt: Im Mai 2019 schickte der Readinger Kunstlehrer Mike Miller über 80 Brezelbilder von Schülern und kunstinteressierten Erwachsenen nach Reutlingen und schaffte damit schließlich ein wandfüllendes Kunstwerk beim internationalen Graffiti- und Streetartmeeting "urbana.rt". Anschließend setzte Susanne Immer, Reutlinger Künstlerin und Kunstlehrerin, das Projekt mit der Klassenstufe 9 des Johannes-Kepler-Gymnasiums fort, wodurch weitere Kunstwerke rund um die Brezel entstanden, die wiederum ihren Weg nach Reading fanden, wo sie inzwischen an öffentlichen Plätzen installiert wurden. Auch Tom McMahon ließ es sich nicht nehmen, beim Auspacken der Pakete dabei zu sein. "Danke Reutlingen!", so die Botschaft der amerikanischen Projektteilnehmer an die Reutlinger Beteiligten dieses Kunstaustausches.

Mike Miller und Tom McMahon mit Brezel-Kunstwerken aus Reutlingen
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