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Was macht eigentlich Kyle Scheurmann?


Der Künstler Kyle Scheurmann (* 1988, Winnipeg MB, Canada) war mit seinen Werken vom 21.09.2019 – 19.01.2020 in der Gruppenausstellung «kunstort ELEVEN artspace» im Kunstmuseum Reutlingen | Galerie beteiligt und hat an der international Artist-Residency teilgenommen, die im November 2019 im Rahmen der Ausstellung in Reutlingen stattfand. Kuratiert wurde die Ausstellung und das Arist-Residency Programm von Monika Golla und Frank Fierke von kunstort ELEVEN in der ehemaligen Werkrealsschule in Börstingen – Starzach und Martina Köser-Rudolph vom Kunstmuseum Reutlingen.
 
Kyle, wo befindest Du Dich gerade?
 
Ich befinde mich in meinem Atelier am Shawnigan Lake auf Vancouver Island in British Columbia, Kanada. Diese Region ist Teil des Territoriums der First Nations, des Küstenvolkes der Salish, insbesondere der Malahat und Cowichan. Der See und die umliegenden Berge sind während der Pandemie zum Schauplatz meiner neuesten Gemälde geworden. Es ist ruhig und ländlich hier. Nur meine zwei großen, freundlichen Hunde, die herumlaufen.
 
Woran arbeitest Du gerade?
 
Seit Beginn der Pandemie haben meine Arbeiten immer mehr Bezug zu meiner unmittelbaren Umgebung bekommen. Ich habe das Glück, eines der einzigartigsten Naturreservoirs der Erde direkt vor meinem Atelier in den kanadischen Bergen zu haben, so dass es nicht schwer war, Dinge zum Malen zu finden.
Das Thema dieses Pandemie-Gemäldes ist geprägt von der Unmittelbarkeit, die mit der ganztägigen, alltäglichen Arbeit einhergeht. Jetzt, da das neue Jahr vor der Tür steht, blicke ich auf die thematischen Stränge zurück, die sich wie von selbst aus den Arbeiten entwickelt haben. Ich habe zwei wiederkehrende Themen gefunden. Zum einen die Isolation, die wiederkehrt in den Abbildungen einer einzelnen Hütte oder Figur im Wald. Und, das Fortbestehen des Klimawandels (auch während der Pandemie), das sich in Darstellungen von Überschwemmungen und Bränden zeigt. Da ich eine neue Serie von Arbeiten beginne, werde ich diese Ideen bewusst für eine Ausstellung im nächsten Jahr weiter ausarbeiten.
 
Wie bist Du von den Massnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie betroffen?
 
Beide Galerien, mit denen ich zusammenarbeite, mussten zu Beginn der Pandemie schließen. Die Angell Gallery in Toronto war vorübergehend geschlossen, wurde dann für Einzelbesucher wieder geöffnet. Doch schlussendlich mussten sie dann im November wieder ganz schließen. Die Elissa Cristall Gallery in Vancouver hat ihren Betrieb für die absehbare Zukunft vollständig verlegt in Online Präsentationen. Mein Aufenthalt beim Georgian Bay Land Trust in Ontario wurde bis zum nächsten Sommer verlängert, nachdem die letzte Forschungsreise im August dieses Jahres abgesagt worden war. Ich sollte diesen Sommer auch an einem Künstlerprogramm in Madrid teilnehmen, aber diese wurde abgesagt. Glücklicherweise befindet sich mein Atelier in einer kleinen Quarantäneblase, die ich selbst hier draußen im Wald geschaffen habe, so dass ich keine Einschränkungen bei der Arbeit habe.
 
Hatten die Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie auch positive Auswirkungen, auf deine künstlerische Praxis?
 
Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung und Ermutigungen, die ich von der Kunstgemeinschaft erhalte. Ich habe kürzlich sechs Gemälde an die Angell Gallery geschickt, während wir auf eine Ausstellung im nächsten Jahr hinarbeiten. Außerdem hat die Elissa Cristall Gallery Anfang des Herbstes einen Interviewbeitrag veröffentlicht, indem meine neuen Gemälde besprochen wurden. Ich habe an zwei Online-Kunstauktionen für wohltätige Zwecke teilgenommen, die ohne die digitale Plattform vielleicht schwieriger zu realisieren gewesen wären. Aber am wichtigsten ist, dass ich viel mehr Zeit auf meinem Kanu verbracht habe, um das Land, auf dem ich lebe, zu erkunden, was manchmal mit einem vollen Terminkalender für Recherchereisen, wie ich sie in der Vergangenheit hatte, schlichtweg nicht möglich war. Letztes Jahr um diese Zeit war ich in Reutlingen, dann auf dem Weg nach Amsterdam und Kopenhagen. Jetzt bin ich völlig in die kanadische Landschaft eingetaucht.
 
Was möchtest Du (uns) mit auf den Weg geben für die kommenden Monate?
 
Auch wenn es den Anschein haben mag, als gäbe es Licht am Ende des Tunnels, wenn die Impfstoffe in die Produktion gehen, müssen wir in den kommenden Monaten fleißig an der kollektiven Gesundheit und Sicherheit arbeiten. Als Künstler bin ich überzeugt, dass diese Monate für Kulturschaffende eine außerordentliche Zeit ist. Wir erfahren eine veränderte Welt und sind herausgefordert diese zu repräsentieren. Kollaborationen, die im Rahmen des Notstandes entstanden sind, haben uns die Notwendigkeit von Gemeinschaft gezeigt. Diese werden sich weiter entwickeln zu gemeinsamen Projekten und Ausstellungen.
Dieses Gespräch zwischen uns, mit etwa 8000 km Entfernung voneinander, ist erst der Anfang.
 
Herzlichen Dank an Kyle Scheurmann für den Beitrag!
 
Kyle Scheurmanns Studio auf Vancouver Island
 Kyle Scheurmann in seinem Atelier am Shawington Lake auf Vancouver Island BC, Kanada. © Kyle Scheurmann
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