Aktuelles

Newsletter Februar 2021


Historische Häuserzeile Oberamteistraße


 
Der Gemeinderat hat sich in seiner Sitzung vom 28. Januar wiederum mit der Oberamteistraße befasst, die Presse hat darüber ausführlich berichtet. Neben einem Bericht der Verwaltung über die bisherige Entwicklung standen Beschlussvorschläge zur dauerhaften statischen Sicherung der Gebäude und die bauliche Sicherung des Kellers auf dem Areal der abgebrochenen Oberamteistraße 34 auf der Tagesordnung, der Gemeinderat hat dem zugestimmt. Der Geschichtsverein hatte sich mit dieser Pressemitteilung im Vorfeld an die Öffentlichkeit gewandt:
 
„Die von der Stadtverwaltung erarbeitete Vorlage für den Gemeinderat stellt einen wesentlichen Schritt zur Realisierung des Projekts der denkmalgerechten Sanierung der Häuser der Oberamteistraße 28 bis 34 dar. Der Reutlinger Geschichtsverein unterstützt die vorliegenden Pläne. Damit wird ein Ziel erreicht, für das sich der Verein seit Jahrzehnten eingesetzt hat. Das vorliegende Ergebnis zeigt, dass dies der richtige Ansatz war. Aus der gemeinsamen Arbeit des Gebäudemanagements mit den Architekten, der Gebäudeforschung und der Denkmalpflege ging ein überzeugendes Konzept hervor.

Stadtgeschichtliche Bedeutung


 
Die Häuserreihe gehört mit wenigen anderen Gebäuden zu den raren Zeugen der Reichsstadtzeit, die vom Stadtbrand von 1726 nicht zerstört wurden. Damit liegt uns ein bauliches Dokument bürgerlichen Wohnens vor, dessen erste bauliche Teile aus dem hohen Mittelalter stammen und das die weiteren erhaltenen Gebäude der reichsstädtischen Zeit der Stadt ergänzt. Die Marienkirche als kunstgeschichtlich bedeutsamer sakraler Bau erinnert eindrucksvoll an das religiös geprägte Mittelalter und an die wirtschaftliche Potenz und das Selbstbewusstsein der jungen Reichsstadt des 13. und 14. Jahrhunderts. Als Signum der städtischen Hoheit ist das Tübinger Tor aus derselben Zeit zu werten. Damit wird durch die Sanierung der Häuserzeile der Oberamteistraße ein interessantes Ensemble der reichsstädtischen Zeit komplettiert. Neben dem eindrucksvollen sakralen Bau und dem Ausdruck städtischer Hoheit steht das bürgerliche Wohnen. Gemeinsam repräsentieren diese Gebäude eindrucksvoll verschiedene Facetten der Reutlinger Stadtgeschichte und werden damit zum sichtbaren Zeugnis der städtischen Identität.
 
Unter den verschiedenen Vorschlägen hat sich der Geschichtsverein stets für eine museale Nutzung eingesetzt, die nun mit dem Konzept „Gebäude als öffentlich erlebbare Exponate“ umgesetzt wird. Der Anschluss an das Heimatmuseum wird eine eindrucksvolle Präsentation und Begegnung mit der Vergangenheit ermöglichen. Die baugeschichtliche und archäologische Erforschung hat viele interessante Erkenntnisse zu Tage gefördert. Man darf auf die Begegnung damit gespannt sein. Auch das Gebäude Nr. 34 trägt seinen Teil bei und schützt den Gewölbekeller, der archäologisch erschlossen wurde und nun ein eigenes wertvolles Zeugnis der Geschichte bildet. Notwendig wurde es, weil das „Steinerne Haus“, das zwar den Stadtbrand und den Zweiten Weltkrieg überstanden hatte, abgerissen wurde. Damit wurde, gewollt oder ungewollt, ein statisches Problem für die Nachbarhäuser geschaffen. Es wurde nicht nur eine materielle, sondern auch eine kulturelle Lücke gerissen, die von der Neukonstruktion nun geschlossen werden soll. Die Umrisse des ehemaligen Gebäudes werden sichtbar, das Innere erhält eine neue Funktion. In Verbindung mit dem Zugang zu den Bestandsgebäuden leistet das neue Eckhaus eine wertvolle Ergänzung der Museumskonzeption. Die geplanten Präsentationen zeigen viel Kreativität und moderne Museumsdidaktik. Das gesamte Ensemble steht damit den zukünftigen Stadtbewohnern und ihren Gästen als Zeichen des Geschichtsbewusstseins der Stadt Reutlingen zur Verfügung. Es entsteht damit ebenfalls ein historisch und ästhetisch attraktiver Ort, der Besucher anziehen und zur Belebung der Altstadt beitragen wird.“
 
Auf der städtischen Internetseite finden Sie weitere Hinweise zum Sanierungskonzept:
 
https://www.reutlingen.de/oberamteistrasse

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus 27. Januar


 
Der im Vorfeld geplante Geschichtsvereinsvortrag mit Karl-Heinz Steinle aus Berlin konnte als Onlineveranstaltung dank der technischen Infrastruktur der Volkshochschule stattfinden. Erfreuliche ca. 40 Teilnehmer aus der Region, zum Teil aber auch weit darüber hinaus, haben einen Überblick zum Kampf gegen den Strafrechtsparagraphen 175 in der NS-Zeit und in der Bundesrepublik, gerade auch in Reutlingen, erhalten.
 
Die für den 27. Januar vorgesehene größere Veranstaltung musste entfallen, stellvertretend haben Vertreter der Vorbereitungsgruppe Blumen niedergelegt. Unser Vereinsmitglied Pfarrer Martin Burgenmeister teilt hierzu mit:
 
„Das Gedenken an die Opfer der NS-Gewalt in Reutlingen erfolgte in der Corona-Virus-Pandemie 2021 in kleinster Form. Am Tag der Befreiung des NS-Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz legten Katrin Zürn-Steffens, Pfarrerin in der BruderhausDiakonie, und Martin Burgenmeister, Pfarrer an der Christuskirche und Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Reutlingen, stellvertretend einen Kranz an die Gedenktafel am Gustav-Werner Platz. Diese erinnert besonders an die ermordeten Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen. Das Gedenken gilt allen Opfern der NS-Gewalt. Die Arbeitsgemeinschaft Gedenken, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern sozialer und kommunaler Einrichtungen und Kirchen, wollte dieses Jahr eigentlich besonders der aufgrund ihrer sexuellen Orientierung Verfolgten und Ermordeten gedenken. Dies ist nun im Rahmen einer Gedenkstunde 2022 im franz.K geplant.“


Wer kennt sich aus? Das Stadtarchiv stellt unbekannte Fotomotive ins Internet


 
Das Stadtarchiv Reutlingen besitzt bekanntermaßen eine der großen kommunalen Fotosammlungen in Baden-Württemberg, darunter die Bestände der alteingesessenen Reutlinger Fotohäuser Dohm und Näher. Die bis 1853 zurückreichende Sammlung dokumentiert Veränderungen im Stadtbild, das kulturelle Leben, die wirtschaftliche Entwicklung aber auch Ereignisse oder Personen.
 
Fußballmannschaft
 
So erfreulich der umfangreiche Fundus ist, die Identifizierung der Fotos bereitet mitunter Probleme. Nicht immer liegen Informationen zu Motiv oder Datierung vor. Die Aufnahmen gehen teilweise weit über das Stadtgebiet hinaus. Gerade in solchen Fällen ist das Stadtarchiv auf sachkundige Unterstützung angewiesen. Auf seiner Internetseite
 
www.reutlingen.de/unbekannte-fotos
 
werden zahlreiche zu identifizierende Fotos präsentiert. In den letzten Jahren haben sachkundige Personen ihr Wissen eingebracht und so viele Fotos aus der Anonymität herausgeholt. Das Stadtarchiv arbeitet an der Onlinestellung seiner Fotobestände. Dann bietet sich die Gelegenheit selbst in dem riesigen Fundus zu stöbern und zur detaillierteren Erschließung beizutragen.
 

 
Geschäftsstelle des Reutlinger Geschichtsvereins
Kontakt
Tel.: 07121/303-2386
E-Mail: geschichtsverein@reutlingen.de
www.reutlinger-geschichtsverein.de
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