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Die Regionalstadtbahn nimmt Fahrt auf


Die Regional-Stadtbahn nimmt Fahrt auf

Mit der Mitteilungsvorlage „Regional-Stadtbahn – Fahrplan“ präsentierte die Stadtverwaltung der Öffentlichkeit und dem Gemeinderat am Dienstag einen Werkstattbericht zum Jahrhundert-Verkehrsprojekt. 

"Die Regional-Stadtbahn ist für mich als Oberbürgermeister dieser Stadt DAS klimaschützende, generationsübergreifende Verkehrsgroßprojekt mit höchster Priorität und Chefsache", betonte Thomas Keck bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der Gemeinderatssitzung. Denn die Bahn sei nicht nur in der Lage, die Stadt mit Region und dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb nachhaltig ökologisch zu verbinden, sondern auch den hohen Anteil der täglichen Ein- und Auspendler,sowie des Freizeitverkehrs an den Gesamtautofahrten deutlich zu senken. Weniger Autoverkehr bedeute mehr Lebensqualität und den unverstellten Blick  auf öffentliche Räume, wo wieder der Mensch in den Mittelpunkt rückt, betonte der Rathaus-Chef: "Und das ist eine gute Perspektive für die Menschen, die in der Stadt leben, aber auch für die vielen Besucherinnen und Besucher unserer Stadt". Reutlingen werde durch die Regional-Stadtbahn an Attraktivität und Zentralität gewinnen. "Darüber hinaus ist die Regional-Stadtbahn ist die passende Mobilität für das Biosphärengebiet Schwäbische Alb", so Keck, "sie steht mit Mensch und Natur im Einklang".

Das Jahr 2021 - für das Vorankommen der Regional-Stadtbahn ein entscheidendes Jahr: Noch vor der Sommerpause steht die Verabschiedung des Finanzierungsschlüssels in der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Regional-Stadtbahn Neckar-Alb, aber auch im Reutlinger Gemeinderat an. Der Finanzierungsschlüssel wird erstmals verbindlich regeln, wie die Kosten für Planung, Bau und Betrieb der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb in der Region verteilt werden. "Die Entscheidung über den Finanzierungsschlüssel ist wegweisend", unterstrich der Oberbürgermeister, "dann steigen wir in die Bau- und Genehmigungsplanungen für die projektierten Netzergänzungen ein: In die Innenstadtstrecke durch unsere Stadt und in die Gomaringer Spange über Betzingen und Ohmenhausen bis nach Nehren". Schon jetzt könne er versprechen: "Der ehemaligen Straßenbahnstadt Reutlingen wird die Regional-Stadtbahn hervorragend  zu Gesicht stehen!" 

Die Netzergänzungen müssen von Reutlingen aus in die Region hinein Schritt für Schritt geplant und gebaut werden. Damit die Regional-Stadtbahn nach der Entscheidung über den Finanzierungsschlüssel schnell Fahrt aufnehmen könne,  habe die Stadtverwaltung bereits viel Vorarbeit auf der Reutlinger Gemarkung geleistet – und viel Herzblut und Hirnschmalz investiert. So wurde für die Gomaringer Spange eine eisenbahntechnische Vorplanung erstellt, die sich zurzeit in den Bezirksgemeinderäten in Betzingen und Ohmenhausen in der Beratung befindet. Ein Ergebnis der bisherigen Beratungen ist, dass der beauftragte Fachgutachter alternative Trassenverläufe durch beide Stadtteile prüft. Parallel wird das notwendige Umweltgutachten erstellt.  

Grundsätzlich hat Reutlingen für die Innenstadt gleich drei geeignete Varianten zu bieten: Die Honauer-Bahn, die Gartenstraße und die Lederstraße. Mit Blick auf die Nachbarstadt Tübingen eine vergleichsweise komfortable Ausgangssituation. Aber: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wir planen den Einstieg in die Beratungen und die Festlegung auf eine Trasse im Gemeinderat, so der jetzige Zeitplan, in der zweiten Jahreshälfte. Kopfzerbrechen bereitet den Fachgutachtern die Verknüpfung der Stadtbahngleise mit den Hauptgleisen der Deutschen Bahn im Bereich des Hauptbahnhofes. Die Ausschleifung stellt eine große Herausforderung dar.
 
"In Anbetracht der dauerhaften stadt- und ortsbildprägenden Wirkung liegt es mir persönlich besonders am Herzen, dass die Führung der Stadtbahn durch Reutlingen, ob in der Innenstadt oder den Bezirken, mit Bedacht und Weitsicht geplant wird", sagte Keck. Alle Planungsvarianten seien sorgfältig zu prüfen und sämtliche Belange abzuwägen - "nur so kann es zu einer gut begründeten Entscheidung kommen, die am Ende auch die Menschen in dieser Stadt nachvollziehen können". Die enge Einbeziehung der Stadtgesellschaft sei dabei selbstverständlich: "Wir wollen die Menschen nicht am Bahnsteig stehen lassen!", sagte der OB. Ein erster Schritt zur intensivierten Bürgerbeteiligung ist mit der zentralen städtischen E-Mailadresse rsb@reutlingen.de für Fragen zur Stadtbahn bereits getan. Wer möchte, erhält über Projekt-Updates einen Newsletter.

Mit den von Reutlingen ausgehenden Netzergänzungen liege man genau richtig, verwies der Oberbürgermeister abschließend auf eine aktuelle Studie des Landes Baden-Württemberg zur Reaktivierung von Bahnstrecken. In dieser Studie wurden 42 stillgelegte Bahnstrecken auf ihr Fahrgastpotenzial hin untersucht. Die Echaztalbahn hat es mit dem landesweit höchsten Nachfragepotenzial auf den 1. Platz und die Gomaringer Spange auf den 3. Platz geschafft. Ein motivierendes Ergebnis, auch mit Blick auf die Förderung. Es stelle beispielsweise für den Bau der beiden Regional-Stadtbahn- Strecken eine Förderquote von bis zu 96% und die Übernahmen von Betriebskosten in Aussicht. "Angesichts einer solchen Förderkulisse bin ich zuversichtlich, dass es noch in diesem Jahrzehnt heißt: Bitte einsteigen!", so Keck.

Mit Blick auf die Innenstadtstrecke ist zurzeit in Klärung, inwieweit sich diese hohe Förderquote aus dem Reaktivierungsprogramm exakt auf den Verlauf der alten Trassen bezieht oder ob auch für einen an der Gesamtstrecke kilometermäßig untergeordneten Abschnitt innerhalb eines bestimmten Korridors begründet parallel gefahren werden kann. "Bezüglich dieser Frage stehen wir mit dem Land Baden-Württemberg im Austausch", kündigte das Stadtoberhaupt an: "Ich bespreche mich in den nächsten Tagen hierzu persönlich mit Vertretern des Verkehrsministeriums". Letztlich werde die Entscheidung aber nicht im Land getroffen, sondern auf Bundesebene.
Die Visualisierung zeigt die Regional-Stadtbahn in der Lederstraße
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