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Zurück zu den Ursprüngen


Im Laufe der Jahrhunderte ist einiges aus dem Gleichgewicht geraten. Da wurden einige Weichen falsch gestellt“, erklärt Professor Dr.-Ing. Markus Faltlhauser. Zusammen mit Jörg Viehl und seinem Team vom Gebäudemanagement der Stadt Reutlingen sorgt der Statiker dafür, dass das Turmdach durch die notwendigen Sanierungsarbeiten seine ursprüngliche Stabilität wiedererlangt. Denn: „Die Baumeister des Tübinger Tors haben ein hervorragendes Tragsystem geschaffen.“ Erst durch nachträgliche An- und Umbauten am 1250/1260 erbauten Turm habe sich die Statik verschlechtert. Als Fehlplanung entpuppte sich beispielsweise der Ausbau von vier zentralen Stützen im Tragwerk. Damals vermutlich gut gemeint, entpuppte sich dieser Schritt als fatal für die Statik. Doch auch im Detail liegt einiges im Argen: Verstrebungen zwischen Sparren und Deckenbalken fehlen, hat Bauforscher Tilmann Marstaller in seiner Rekonstruktion herausgefunden. Diese Art Mängel führen zur Verformung des Dachtragwerks bei und können dazu führen, dass sich Dachziegeln lösen. Da bereits Bruchstücke solcher Ziegel im Schneefang des Tors gefunden wurden, war der Aufbau des Gerüstet zur Absicherung des Gebäudes unumgänglich.

Damit das in Zukunft nicht mehr passiert, ist einiger Aufwand nötig. Um das ursprüngliche Tragwerk wiederherzustellen, muss der gesamte Dachstuhl samt Eindeckung abgenommen werden. Bei der Sanierung, die in zwei Bauabschnitten geplant ist, soll die historische Bausubstanz erhalten und verstärkt werden. Von Anfang an mitgedacht wird bei der Sanierung das Thema Denkmalschutz: „Wir sind in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege“, bestätigt Markus Faltlhauser.

Im ersten Bauabschnitt steht bis Ende 2022 zunächst die Sicherung des Dachtragwerkes im Fokus. Die Kosten dafür liegen bei insgesamt rund 750 000 Euro.

Bauabschnitt zwei soll sich neben Themen wie Brandschutz und zeitgemäßer Elektroinstallation dem Turmzimmer im Dachgeschoss widmen. Hier soll ein komplett neuer Bereich mit sanitären Anlangen, Teeküche und Besprechungsraum entstehen. Ob und wann der zweite Bauabschnitt realisiert werden kann, hängt von den Entscheidungen der Haushaltsberatung 2023/2024 ab.

    Jörg Viehl (l.) und Markus Faltlhauser stellen die Baumaßnahmen am Tübinger Tor vor

Das vom Gerüst umhüllte Tübinger Tor

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