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Rückzugsorte für Krabbler und Brummer


„Unser Ziel ist es, dem Insektensterben entgegenzuwirken“, sagt Katrin Reichenecker, Fachgebietsleiterin Natur-, Arten- und Bodenschutz beim Vor-Ort-Termin auf einer unscheinbar wirkenden Grünfläche in der Hermann-Ehlers-Straße im Hohbuch. Dafür sei auf vielen Ebenen Einsatz gefragt: beim Bund und Land, bei Kommunen und bei Privatleuten. Die Stadt Reutlingen ist seit vielen Jahren mit Maßnahmen wie der Aussaat von Blumenwiesenmischungen, Abmagerung von Fettwiesen und der Anlage von Ackerrandstreifen auf städtischen landwirtschaftlichen Flächen in dieser Richtung aktiv. Zusätzlich zum insektenschonenden Vorgehen bei der Grünflächenunterhaltung hat das Amt für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt in den vergangenen Jahren ökologische Sonderflächen angelegt, die ganz speziell dem Schutz der Insekten dienen sollen. Mitten im besiedelten Gebiet wurden im Rahmen des Kooperationsprojekts „Natur nah dran“ vom Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) und dem Land Baden-Württemberg zwei städtische Grünflächen in artenreiche Wildblumenwiesen umgewandelt. Eine Fläche nahe der Hindenburgstraße, die andere ist das Flurstück 9127 – das unscheinbare grüne Fleckchen an der Hermann-Ehlers-Straße.

Ein Falter fliegt über die naturnahe Grünfläche im Hohbuch

Auf den beiden Flächen mitten in der Stadt sollen sich vorrangig Pflanzen und Insekten heimisch fühlen. In der Hermann-Ehlers-Straße können sie das auf 3700 Quadratmetern. Viel Platz also, um das Ziel, die Artenvielfalt im urbanen Raum zu erhalten und damit dem Insektensterben entgegenzuwirken, anzugehen. Um seltene Pflanzen anzusiedeln und die Biodiversität zu stärken, wurde hierzu eigens Saatgut ausgebracht. Die Fläche wird seitdem lediglich zweimal jährlich, nach der Juniblüte und im September, gemäht. Dadurch könnten alle Pflanzen verblühen und aussamen, was zu einer ganz natürlichen Entwicklung der Wiese führe, weiß Reichenecker. Außerdem sollen die Blüten den Insekten möglichst lange als Nahrungsquelle dienen. Das freut Bienen, Falter, Käfer und viele andere Insekten, die in diesen Tagen überall auf der ökologischen Fläche summen, brummen und flattern. Damit sie dabei möglichst ungestört sind, sollten Menschen das Areal bestenfalls nicht betreten.

Um die Bedeutung der Sondernutzungsflächen vor Ort zu verdeutlichen, sollen bald Informationstafeln an der Hermann-Ehlers-Straße aufgestellt werden.
Auch weitere Flächen dieser Art könnten in Zukunft im Reutlinger Stadtbild auftauchen. Wann und in welcher Art, hängt von den Möglichkeiten des klammen Haushaltes ab. Bei der Frage wo neue Sonderflächen etabliert werden könnten, gelte es abzuwägen – sie seien nicht überall geeignet, so Expertin Reichenecker: „Wir brauchen auch optisch gepflegtere Flächen, auf denen sich auch Menschen gerne aufhalten dürfen.“

             Katrin Reichenecker, Fachgebietsleitung Natur-, Arten- und Bodenschutz, mit einer Wilden Karde auf der naturnahen Sonderfläche im Hohbuch

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