Aktuelles

Newsletter Januar 2023


Veranstaltungen zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus

Vortrag des Geschichtsvereins mit Prof. Dr. Klaus Gestwa:
Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine

Lange bevor die russische Armee am 24. Februar 2022 die Ukraine überfiel, hatte der Kreml bei seiner hybriden Kriegsführung historische Narrative als Waffe eingesetzt, um der Ukraine nicht nur ihr Territorium, sondern auch ihre Geschichte zu nehmen. Durch diese russische Aggression ist die Ukraine nicht zerfallen, sondern hat vielmehr als Land immer mehr zu sich gefunden. Dabei erweist sich der Umgang mit der eigenen, durchaus umstrittenen Geschichte als zentral für den Prozess der nationalen Identitätsstiftung. Bei den Erinnerungskriegen im östlichen Europa kommt dem 27. Januar als doppelter Gedenktag an die Befreiung von Auschwitz und an das Ende der Blockade Leningrads große Bedeutung zu.

Klaus Gestwa ist seit 2009 Direktor des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde der Universität Tübingen. Bei seinen Forschungsprojekten arbeitet er seit Langem mit russischen und ukrainischen Kolleginnen und Kollegen zusammen, seit einiger Zeit unter anderem auch zu den Erinnerungskriegen im östlichen Europa. Der Vortrag findet am Dienstag, 24. Januar 2023 um 20:00 Uhr in der Volkshochschule statt. Bitte beachten Sie, dass diesmal keine Onlineübertragung per Zoom vorgesehen ist.

Gedenkveranstaltung im Kulturzentrum franz-k

Zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 bereitet regelmäßig eine Gruppe von Aktiven eine zentrale Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus vor. In diesem Jahr soll der Abend nach mehrfacher coronabedingter Verschiebung den Minderheiten mit anderer sexueller Orientierung gewidmet sein. Zu dem Abend über die „Verfolgung von Schwulen und Lesben in der NS-Zeit“ ist die Öffentlichkeit am 27. Januar um 18:30 Uhr ins Kulturzentrum franz-k eingeladen. Näheres entnehmen Sie bitte den Presseankündigungen.

Weitere Hinweise

Reutlinger Mutscheltag

Reutlingen wird für die Vielfalt charakteristischer und traditionsreicher Backwaren beneidet, mit denen sich fast immer auch ein Brauchtum verbindet. Der Geschichtsverein engagiert sich besonders beim Schiedweckenabend, nun aber steht am Donnerstag nach Dreikönig, in diesem Jahr der 12. Januar, der Mutscheltag an. Das Bild zeigt ein „Mutscheltag-Stillleben“, das der Fotograf Näher in den 1960er Jahren arrangierte.

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Geschichte und Bedeutung der Reutlinger Mutschel sind von unserem Vereinsmitglied Dr. Werner Ströbele in einem Geschichtsblätterbeitrag eingehend dargestellt worden. Der Jahrgang 2010 mit diesem Artikel steht mittlerweile auch online zur Verfügung:

https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/84636

Der zweite Teil des Reutlinger Urkundenbuchs, der nun erfreulicherweise vor der Drucklegung steht, belegt die Jahrhunderte zurückreichende Tradition dieses Gebäcks: Im Sommer 1433 ist in einem Gerichtsentscheid die Rede von einem Haus des verstorbenen „Mutschlunbecken“, noch früher ist der Personenname Mutschler in der Stadt nachgewiesen. Die Bedeutung der Mutschel zu Reichsstadtzeiten belegt eine undatierte, wohl dem ausgehenden 15. Jahrhundert entstammende Ordnung für die Bäckerzunft. Sie sieht eigens eine Strafe von fünf Schillingen vor, wenn ein Bäcker dabei ertappt wird, die Mutscheln „zuo clain bachen“ zu haben.

Aus jüngerer Zeit sind auf dem landeskundlichen Portal „leo-bw.de“ zwei Filme des Stadtarchivs aus den 1960er und 1970er Jahren online verfügbar. Über das heutige Brauchtum informiert auch die städtische Homepage:

https://www.reutlingen.de/mutscheltag.

Abschied von Pfarrer Martin Burgenmeister

Die evang. Kirchengemeinde Reutlingen-West/Betzingen verliert mit Martin Burgenmeister einen langjährigen und engagierten Pfarrer, der weit über seinen Bezirk hinaus wirkte. Der Reutlinger Geschichtsverein, dessen Mitglied Burgenmeister ist, arbeitete regelmäßig bei der Vorbereitung von Veranstaltungen rings um den 27. Januar mit ihm zusammen. Überdies sorgte Pfarrer Burgenmeister als Vertreter der ACK Reutlingen federführend für die Vorbereitung der jährlichen Gedenkstunden in der Marienkirche zur Pogromnacht im November. Erfreulicherweise konnte in seiner Amtszeit ein bau- und kunstgeschichtlicher Beitrag zu "seiner" Christuskirche in der Tübinger Vorstadt aus der Feder von Bärbel Schwager beigesteuert werden, der im Geschichtsblätterjahrgang 2019 erschien.

Nach Reutlingen kam Pfarrer Burgenmeister 2014, nun steht der verdiente Ruhestand vor der Tür, den er mit seiner Familie bei Hamburg verbringen wird. Wir danken für das stets zuverlässige und produktive Miteinander und wünschen für die Zukunft alles erdenklich Gute. Die Nachfolge in der ACK trat bereits Frau Pfarrerin Daniela Reich an. Die Verabschiedung erfolgt am Sonntag, 22. Januar um 16:00 Uhr, natürlich in der Christuskirche.

Geschäftsstelle des Reutlinger Geschichtsvereins
Kontakt
Tel.: 07121/303-2386
E-Mail: geschichtsverein@reutlingen.de
www.reutlinger-geschichtsverein.de

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