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Kunstmuseum präsentiert Günther Uecker


Aus der Serie Energieschauer-Australien Neben seinen großformatigen Objekten und Installationen hat Uecker aber immer auch Arbeiten auf Papier geschaffen, von denen das Kunstmuseum nun vom 19. April bis 29. Juni 2008 eine Auswahl zeigt. Mit Aquarellen, Sandbildern, übermalten Fotografien, Prägedrucken, Holzschnitten und Lithographien bietet die Ausstellung einen Querschnitt durch diesen intimsten Teil von Ueckers Schaffen.

Bereits Anfang der sechziger Jahre stand er als Mitglied der legendären Avantgardegruppe ZERO in der vordersten Reihe der neuen Kunst. Mit dem radikalen Schritt vom gemalten Tafelbild zum Nagel-Objekt hat er Kunstgeschichte geschrieben. Der Nagel wurde schließlich fast zu sehr zum Signet des Künstlers, beschränkt sich dessen Oeuvre doch keineswegs auf dieses populäre Markenzeichen.

Neben Ueckers großformatigen Objekten und installativen Arbeiten entstehen immer auch Arbeiten auf Papier. Auch in diesem Medium begegnen einem allerdings sämtliche Themen, die den Künstler beschäftigen, etwa Aggression und Mitgefühl oder Licht und Bewegung. Auch hier erweist sich die Nähe seines Schaffens zu Naturprozessen. Auch hier untersucht der Künstler in seinen Strukturfeldern das Verhältnis von Punkt und Reihung, von Dichte und Weite. Auch in seinen Papierarbeiten finden sich die Spuren der körperlich geprägten Aktion, die dem Künstler genau so wichtig ist wie die gedankliche Arbeit und das philosophische Einkreisen der Ideen.

Die Ausstellung umfasst Aquarelle, Sandbilder, übermalte Fotografien, Prägedrucke, Holzschnitte und Lithographien und bietet so einen Querschnitt durch das zeichnerische und druckgrafische Schaffen Günther Ueckers. Dem aggressiven Akt des Nagelns entsprechen im Holzschnitt die Einkerbungen des Stemmeisens im Holzblock oder auch die Verletzungen des Steins, deren Spuren sich in einzelnen seiner Lithographien finden. In den Prägedrucken, die auch an die kinetischen Lichtscheiben des Künstlers erinnern, erhält Ueckers Grafik räumliche Qualität. In diesen strahlend weißen, gewissermaßen entstofflichten Arbeiten ordnen sich Nagelschafte zu strengen oder sanft strömenden Formationen. In den Sandbildern begegnen wir demjenigen Material, das auch in vielen skulpturalen und installativen Arbeiten des Künstlers zum Einsatz kommt. Das wohl intimste Medium, dessen sich der Künstler bedient, ist schließlich das Aquarell. Häufig auf Reisen und immer in Zyklen entstehend, gehen Ueckers Aquarelle vom Licht, von der charakteristischen Atmosphäre und von typischen Naturphänomenen der bereisten Länder aus, nehmen aber auch psychische Befindlichkeiten auf.

Die in Reutlingen gezeigten Werke waren Teil einer monografischen Ausstellung Günther Ueckers in der Kunsthalle der chinesischen Stadt Tianjin im Winter 2006/07. Der Titel „Letter to China“ spielt an auf eine 1994 von den chinesischen Behörden verbotene Ausstellung. Damals wollte der Künstler u.a. seine Arbeit „Brief an Peking“ zeigen, in der er die 1948 von den Vereinten Nationen verkündete Allgemeine Erklärung der Menschenrechte auf große Tücher geschrieben hatte, was offensichtlich als Zumutung empfunden wurde. Dass Günther Uecker dann nach zwölf Jahren mit einer Ausstellung mit seinen Papierarbeiten nach China zurückkehrte, ist auch als eine Referenz an eine große Kulturnation zu deuten, die nicht nur das Papier erfunden hat, sondern in der die Zeichen- und die Druckkunst eine uralte Tradition haben.

Eröffnung: Freitag, 18. April, 20 Uhr

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