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Ein Jahr Freiwilligendienst geht zu Ende: Was drei junge Leute aus Bouaké in Reutlingen erlebt haben


„Am Anfang war es nicht immer einfach. Der kalte Reutlinger Winter war sehr gewöhnungsbedürftig für mich. Und manchmal habe ich mich auch etwas einsam gefühlt. Aber inzwischen habe ich hier viele Leute kennengelernt und unsere Ansprechpartner bei den Einsatzstellen und vom Städtepartnerschaftsverein waren immer für uns da.“ So beschreibt Tiélourougo Tuo den Beginn ihres Freiwilligendienstes. Sie und ihre Landsleute Raoul Kouamé und Gaoussou Saganogo arbeiteten im Rahmen des Programms „Weltwärts“ seit September letzten Jahres am Kolpinghaus, am Jugendhaus Orschel-Hagen und am Umweltbildungszentrum Listhof.

Im Jahr 2016 kamen erstmals junge Leute aus Bouaké zum Freiwilligendienst nach Reutlingen – seitdem ist das Programm ein fester Bestandteil der Städtepartnerschaft mit der zweitgrößten Stadt in Côte d’Ivoire. Das Programm wird gefördert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Träger hier vor Ort ist der Städtepartnerschaftsverein Reutlingen-Bouaké. Bei der Auswahl der Freiwilligen arbeitet der Verein Hand in Hand mit AREBO (Freunde Reutlingens in Bouaké), seinem Gegenstück in Bouaké. „Das Interesse ist jedes Jahr sehr groß“, berichtet Sibylle Hahn, die die jungen Leute in Reutlingen betreut. „AREBO wählt nur Kandidatinnen und Kandidaten aus, die bereits gut Deutsch sprechen und sich schon in ihrer Heimat ehrenamtlich engagieren. Es ist wichtig, dass die jungen Leute einschätzen können, was sie hier erwartet und dass sie gut zu ihren Einsatzstellen passen.“ Daher klappt der Einsatz der jungen Ivorer in der Regel sehr gut und beide Seiten profitieren sehr vom gegenseitigen Austausch.

Raoul Kouamé bestätigt diese Einschätzung. Er blickt auf viele schöne Erlebnisse in Reutlingen zurück: „Das gesamte Jahr war voller schöner Augenblicke. Unvergesslich bleiben mir aber vor allem die alltäglichen Momente im Jugendhaus Orschel-Hagen mit den Kindern und Jugendlichen beim Spielen, zum Beispiel Uno Zero, Tischtennis, Tischkicker oder Billard. Wir haben auch zusammen gebacken und gekocht, sogar ivorische Spezialitäten.“ Überrascht war Kouamé von der Offenheit und Hilfsbereitschaft der Menschen in Reutlingen und ihrer Neugierde auf sein Heimatland. Vor kurzem hielt der junge Ivorer sogar einen Vortrag über seine Heimat im Jugendhaus.

Auch Gaoussou Saganogo hat die Menschen hier liebgewonnen, besonders seine Gastfamilie, bei der er während des Jahres gewohnt hat. „Sie waren für mich wie meine eigene Familie. Sie haben mir unglaublich viel gegeben und mir immer geholfen.“ Vermissen wird Saganogo außerdem die Menschen und schönen Momente im Team Hiller, einer Sport-Initiative des Reutlinger Professors Dr. Gotthilf Hiller.

Alle drei Freiwilligen haben persönlich enorm von ihrem Auslandsjahr in Reutlingen profitiert. „Aus diesem Jahr nehme ich vor allem viele schöne Erinnerungen, wertvolle Erfahrungen und die Begegnungen mit wunderbaren Menschen mit. Ich nehme auch mehr Selbstvertrauen und das Gefühl mit, dass ich Herausforderungen bewältigen kann, auch wenn am Anfang nicht immer alles einfach ist“, so Tiélourougo Tuo.

Auch für ihre Einsatzstellen war der Aufenthalt der jungen Ivorer ein großer Gewinn. Entsprechend positiv fiel das Resümee beim gemeinsamen Abschiedsfest am 12. August auf dem Listhof aus: Die Einrichtungen selbst auch deren Kinder und Jugendlichen hätten viel von den drei Freiwilligen gelernt und bei vielen Dingen eine neue Perspektive bekommen.

Ende August werden bereits vier neue Freiwillige aus Bouaké anreisen. Erstmals wird auch die Volkshochschule als neue Einsatzstelle mit dabei sein. Ein zusätzlicher Platz ist noch frei. Für das Jahr 2028 gilt: BFD-Einsatzstellen aus dem kulturellen, sozialen und pädagogischen Bereich, aus Umwelt- und Naturschutz oder auch dem Sport können sich gerne bei Sibylle Hahn melden unter sibylle.hahn(at)reutlingen-bouake.de.

Nun steht aber erst einmal der Abschied von Tuo Tiélourougo, Raoul Kouamé und Gaoussou Saganogo bevor. Und dieser fällt ihnen – bei aller Freude auf die Heimat – schwer. Kouamé bekennt: „Ein Teil meines Herzens wird immer in Reutlingen bleiben.“

Gruppenbild der Frewilligen im Einsatz aus Bouaké

Bild: Raoul Kouamé (v. l.), Tuo Tiélourougo und Gaoussou Saganogo waren in Reutlingen als Freiwillige im Einsatz

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