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Eine Hornissen-Familie zieht um


Zwischen Garagendach und -Tor haben sich Hornissen häuslich eingerichtet Der Besitzer der Garage wandte sich hilfesuchend an Günter Neuhäuser, den Hornissen- und Wespenschutzbeauftragten der Stadt. Und der eilte prompt herbei.

Runde zwei Jahrzehnte nimmt er sich schon derjenigen Hornissenköniginnen und ihrer Staaten an, die sich innerhalb des Reutlinger Stadtgebiets dort niederlassen, wo sie den Menschen nicht so willkommen sind. In Rolladenkästen, in Garagen, auf Dachböden beispielsweise.

Arbeiterin für Arbeiterin wird behutsam in die Kiste bugsiert In erster Linie, erzählt der Biologe, während er sich Schutzanzug, Lederhandschuhe und Imkerhut überstreift, wird er beratend tätig: "Hornissen sind sehr nützliche Insekten, ideal ist es, wenn sie bleiben können, wo sie sind." Denn spätestens nach einem Jahr sei der Spuk ohnehin vorbei. In großen Gärten etwa seien sie weniger störend, sondern vielmehr ausgesprochen nützlich - etwa, weil sie die lästigen Wespen quasi im Akkord erlegen. Von anderen Schädlingen ganz zu schweigen.

Dort, wo die Entfernung dennoch unausweichlich bleibt, sind Neuhäusers Fachkenntnisse gefragt. Da die Hornisse zu den geschützten Insekten zählt, ist der Anruf beim Kammerjäger oder gar der Selbstversuch per Ausräucherung nicht ratsam. Das Mittel der Wahl ist die Umsiedlung des Nests. Und für diese braucht es ordentlich Fingerspitzengefühl. Geduld sowieso, denn bevor es ans Nest und die darin befindliche Königin geht, müssen erst einmal die Arbeiterinnen eingesammelt werden, die Königin und Larven unermüdlich mit Nahrung versorgen. 

Günter Neuhäuser mit den gefangenen Arbeiterinnen Klar, dass die das gar nicht witzig finden. Doch Günter Neuhäuser setzt sich durch. Mit seinem grünen Kescher fängt er die Hornissen notfalls auch einzeln ein und bugsiert sie in ein kleines Kästchen, in dem sich ein Schälchen Zuckerwasser befindet. Darin summt und brummt es schon bald ganz munter.

"Je nach Größe des Nests kann das schon mal einen halben Tag dauern", berichtet er, ehe es ans Eingemachte geht. Mit dem Spachtel trennt er ganz vorsichtig das Nest vom Dach - die Waben dürfen auf keinen Fall kaputtgehen, beherbergen sie doch immerhin den gesamten Hornissennachwuchs.

Das gelingt Neuhäuser auch ganz gut, doch als er das Nest unter die Lupe nimmt, kriegt er erst einmal einen Schreck: "Wo ist die Königin?" Ohne sie wäre die Arbeit der vergangenen Stunden für die Katz. Schließlich findet sich die imposante Chefin, die gut doppelt so groß ist wie die Arbeiterinnen, doch noch im Innern des Nests.  Das Bauwerk klebt Neuhäuser vorsichtig in einen großen Nistkasten, das Kästchen mit den Arbeiterinnen packt er dazu.

Das Nest ist entfernt, doch wo ist die Königin? "Das erste Nest des Jahres kommt immer auf mein Gütle", verrät er, "da haben sie es schön". In aller Ruhe kann die Königin dort ihren Staat vergrößern - nach den unfruchtbaren Arbeiterinnen schlüpfen die Männchen und die Jungköniginnen aus den Eiern, und spätestens im nächsten Frühjahr geht die Suche nach einem geeigneten Ort für den Nestbau dann wieder von vorne los. Doch erst einmal wird Günter Neuhäuser im Stadtgebiet weitere Einsätze haben, vermutet er: "Dieses Jahr ist ein Hornissenjahr".






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