Ina-Seidel-Straße

Ina Seidel

Schriftstellerin, * 15.9.1885 in Halle/Saale, † 2.10.1974 in Ebenhausen bei München. Straßennamensgebung 1989 auf Beschluss des Gemeinderats.

Seidel gilt als national-konservative, völkische Schriftstellerin. Sie war kein Mitglied der NSDAP, vertrat in ihren Büchern jedoch, wie Elisabeth Tworek schreibt, an den Nationalsozialismus anschlussfähige Werte wie „Mütterlichkeit“, „Blutromantik“ sowie völkisch-nationalistische Positionen. Tworek weiter: „Ihr Werk gehörte „eindeutig zum literarischen Kanon der NS-Zeit“ (Barbian, S. 66). Die NS-Literaturkritik widmete ihr positive Buchbesprechungen und rechnete sie zum „volkhaften“ Bestandteil der deutschen Literatur. Keines ihrer Werke unterlag einem Besprechungsverbot.

Im März 1933 unterzeichnete Ina Seidel die Erklärung der Sektion Dichtkunst in der Preußischen Akademie der Künste, worin sie sich zur unbedingten Loyalität gegenüber der nationalsozialistischen Regierung verpflichtete. Als eine von 88 Schriftstellern unterschrieb sie im Oktober 1933 das „Gelöbnis treuester Gefolgschaft“ für Adolf Hitler. (…). Nach 1945 setzte Ina Seidel ihre Karriere ungebrochen fort. Ihre Werke zählten zum Schulkanon der Bundesrepublik. Sie war ab 1948 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und ab 1955 Mitglied der Akademie der Künste, Berlin. Auch wurde sie mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet. Als eine der wenigen renommierten NS-Schriftsteller*innen setzte sie sich später mit ihrem Verhalten kritisch auseinander und erklärte es mit einem „Mangel an politischer Erziehung, an dem viele Menschen meiner Generation krankten“ (Ina Seidel, Brief an Joseph Wulf vom 2.1.1963).“ (aus: Elisabeth Tworek: Seidel, Ina (publiziert am 12.9.2025), in: nsdoku.lexikon, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, online unter der URL: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/seidel-ina-771

Vgl. auch das Lebensbild von Dorit Krische in der Neue Deutschen Biographie, Bd. 24 (2010), S. 172-174, online unter der URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118760629.html#ndbcontent

„Die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten begrüßte S., die besonders auf die Person Hitlers vertraute. Sie unterzeichnete im Okt. 1933 ein „Treuegelöbnis“ und beteiligte sich 1939 mit einem Huldigungsgedicht und einem Telegramm an den Glückwünschen zu Hitlers 50. Geburtstag. 1940 erschien die romantisch geprägte Erzählung „Unser Freund Peregrin“. 1942 gab S. mit Hans Grosser einen Band „Dienende Herzen, Kriegsbriefe von Nachrichtenhelferinnen des Heeres“ heraus, der den Kriegseinsatz dt. Frauen glorifizierte. Während des Kriegs arbeitete sie u. a. an biographischen Essays über die Geschwister Brentano und Achim v. Arnim (1944).

In der Nachkriegszeit wurde S. aufgrund ihrer politischen Haltung während der NS-Zeit öffentlich stark angegriffen. Ihre Bücher wurden jedoch bald wieder zugelassen und erlebten bis Mitte der 1960er Jahre hohe Auflagen. In den 1950er Jahren versuchte S. mit zwei großen Romanen, ihre alten Positionen zu überprüfen: In „Das unverwesliche Erbe“ (1954) entwickelte sie die christliche Linie ihres Werks weiter, in dem Roman „Michaela“ (1959) setzte sich S. mit dem Anteil des Bildungsbürgertums am Nationalsozialismus und mit ihrer eigenen Verantwortung auseinander. Trotz heftiger Ablehnung durch maßgebliche Literaturkritiker wurde ihr letzter Roman ein Publikumserfolg. Als sie 1974 starb, war ihr in zahlreiche Sprachen übersetztes Werk jedoch aus dem Zentrum öffentlicher Aufmerksamkeit verschwunden.“

Die Benennung einer Nebenstraße in einem Baugebiet der 1980er/90er Jahre am nordöstlichen Rand des Stadtbezirks Reutlingen-Betzingen erfolgte 1989 ohne Diskussion der Person. Das Viertel ist allgemein mit Dichterstraßennamen versehen.

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