Ludwig Finckh
Dr. med., Dichter, Arzt und Naturschützer. * 21.3.1876 in Reutlingen, † 8.3.1964 in Gaienhofen. Umbenennung der bisherigen Finckhstraße 1926 auf Beschluss des Gemeinderats.
Der einst durchaus populäre Dichter (Romanerfolg „Der Rosendoktor“, 1905) und Jugendfreund des Schriftstellers Hermann Hesse wurde aufgrund seiner stark nationalen Haltung, seiner positiven Einstellung zur Eugenik und einer unkritischen Sicht auf den Nationalsozialismus zuletzt ausgesprochen kritisch bewertet. So benannte die Gemeinde Gaienhofen den nach ihm benannten Weg im Jahr 2026 um.
Eine neuere, kritisch-abwägende Biographie von Manfred Bosch in: Baden-Württembergische Biographien Bd. 2 (1999), S. 132–136, dazu weitere ausführliche biographische Angaben sowie eine Bibliographie im Landeskundeportal leo-bw:
Jüngere Arbeiten sind
Markus Wolter: Dr. Ludwig Finckh – „Blutsbewusstsein“. Der Höri-Schriftsteller und die SS, in: Wolfgang Proske (Hrsg.): Täter, Helfer, Trittbrettfahrer, Bd. 5 (NS-Belastete aus dem Bodenseeraum), Gerstetten 2016
Jana Rogge: Ludwig Finckh – der rassistische Ahnenforscher, in: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter und das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie, Bd. 3: 9 Autorenporträts und eine Skizze über das Deutsche Kulturwerk Europäischen Geistes, Bielefeld 2015, S. 79–103.
Zu Finckhs 50. Geburtstag wurde die bisherige Finckhstraße unterhalb der Achalm nach dem Schriftsteller umbenannt. 1961 erfolgte dann die Namensgebung einer Grundschule im Neubaugebiet Storlach nach Finckh (die Schule existiert nicht mehr). Der Nachlass Finckhs befindet sich im Stadtarchiv Reutlingen. Den kultur- und zeithistorisch ausgesprochen wertvollen Bestand – darunter etliche Briefe sowie ein Romanmanuskript Hesses – beschreibt Gerald Kronberger: „Eine Fundgrube kulturgeschichtlicher Art“: Anmerkungen zur Ludwig Finckh'schen Archiv und Nachlasspflege anlässlich des 60. Todestages von Hermann Hesse, in: Reutlinger Geschichtsblätter NF 62 (2023), S. 281–298.