2.Preis

EM2N Architekten, Zürich mit
Vogt Landschaftsarchitekten AG, Zürich


Städtebaulicher Ideenteil:
Das Angebot einer zentralen Parkfläche mit einer V-förmigen Randbebauung die sich zur Echaz hin öffnet, überzeugt nicht. Durch die nördliche Randzeile wird das franz.K-Gebäude zu sehr abgeriegelt und es ist städtebaulich nicht gut integriert. Die Verbindung zwischen dem Süd- und dem Nordteil über den Posttunnel wird verunklärt.
Die Baukörperkomposition im Südteil ist in sich durchaus stimmig, die Dimension des neu geschaffenen „Wandelplatzes“ wird jedoch hinterfragt.
Städtebaulich überzeugt die Arbeit das Preisgericht nicht.

Hochbaulicher Realisierungsteil:
Der Vorschlag für das Industriemuseum sieht vor, die Wandelhallen und das Industriemuseum zu einem gemeinsamen Museumskomplex zusammenzuschließen. Über den neuen Haupteingang an der Nordostseite wird eine gemeinsame Erdgeschosszone mit Eingangsbereich, Garderobe, Shop und Kasse erschlossen. Die aus dem Konzept resultierenden Nutzungssynergien sind aus funktionaler, kuratorischer und wirtschaftlicher Perspektive positiv hervorzuheben.  
Herzstück des neuen Komplexes ist eine raumgreifende Doppelhelix-Treppe. Sie verwebt die Räume beider Kulturinstitutionen gekonnt miteinander und drückt auf markante und identitätsstiftende Art und Weise die Eigenständigkeit und gleichzeitig Gemeinsamkeit beider Häuser aus.  
Die Sonderausstellungsfläche im Erdgeschoss ist ideal gelegen und bietet einehohe Nutzungsflexibilität. Das großflächige Obergeschoss des Industriemuseums mit seinen hohen Sheddächern bietet ideale Voraussetzungen für die Dauerausstellung. Das Zenitlicht aus Nordost belichtet den Raum in seiner ganzen Tiefe gleichmäßig und für eine Ausstellungsnutzung optimal. Zwei präzise gesetzte, großflächige Fassadenöffnungen in Richtung Süden und Norden lassen dosierte, aber für den Innenraum wichtige Außenzüge entstehen. Generell ist die museale Infrastruktur gut durchgeplant, wobei die Überschneidung von Eingang und Anlieferung im Betrieb kein Problem darstellen dürfte.
In der äußeren Erscheinung des Projekts ist besonders das Zusammenspiel zwischen bestehender Bausubstanz und angefügtem Neubau hervorzuheben. Neben dem Gebäude der ehemaligen Schreinerei bleibt die bauhistorisch wertvolle, nordwestseitige Erdgeschosswand des Bestands erhalten. Das darüber liegende, neue Obergeschoss fügt sich zwar in Formensprache und Proportion in die bestehende Situation ein, kontrastiert jedoch durch seine differenzierte Materialisierung (vorgeschlagen wird eine Fassade aus vertikalen Metallprofilen mit dazwischenliegenden Eternitelementen). So wird die Geschichte des Hauses auf selbstverständliche und augenscheinliche Art und Weise fortgeschrieben.
Aus architektonischer sowie musealer Sicht ist das Projekt gelungen. Einzig die Fassadenmaterialisierung in Form von Faserzementplatten wird in Bezug auf die ausgestrahlte Wertigkeit des Gebäudekomplexes kritisch hinterfragt.
Nach oben