Anerkennung

PFP Planungs GmBH, Hamburg mit
Schwille Architekten, Reutlingen mit
Freiraumplanung Sigmund Landschaftsarchitekten GmbH, Grafenberg


Städtebaulicher Ideenteil:
Die städtebauliche Idee überzeugt in der klaren Positionierung von zwei kräftigen, robusten Blockstrukturen auf beiden Seiten der Bahnlinie, denen es gelingt das Museumsensemble in Volumen und Fußabdruck städtebaulich gleichwertig zu integrieren.  
Die weiteren Blöcke südlich der Bahn nehmen Dienstleistungen und die Mobilitätszentrale auf, nördlich Wohnen und Arbeiten incl. der Kita. Die Anordnung der Kita entspricht nicht den Vorgaben einer angemessenen Nutzung und deren notwendigen Freibereichen. Die räumliche Fortführung des Tunnels zum Kulturzentrum orientiert sich Richtung Echaz und lässt eine Blickbeziehung zum franz.K vermissen.  
Nutzung und Ausformung der Blöcke bedarf in der weiteren Planung einer besonderen Typologie. Beim nördlichen Block muss der Nähe des Stellwerks Rechnung getragen werden. Das schmale Gebäude fordert mehr Abstand, was aber auch wegen der Elastizität der Blockstruktur ggf. korrigierbar wäre. Der bauliche Abschluss zur Echaz mit dem spitzen dreieckigen Block ist zu expressiv geformt. Außerdem ist der Hof ungünstig proportioniert.
Im Anschluss an diese Blockstruktur weitet sich ein großzügiger Freiraum auf, in den das Kulturzentrum „Franz K“ mit seiner logischen Erweiterung nach Osten als Solitär eingebettet ist. Der Grieshaberplatz ermöglicht vielfache freiräumliche Nutzungen und verbindet die Straße „Unter den Linden“ mit dem Ufer der Echaz. Trotz einer zu erwartenden hohen Aufenthaltsqualität wird eine seitliche Raumfassung vermisst.  
Mit der gleichen Formensprache nimmt der Baukörper südlich der Bahnlinie die Struktur und Volumina der gegenüberliegenden Altstadt auf. Wohltuend wirkt  die angemessene Höhenentwicklung, die den Maßstab des Umfelds aufnimmt und dem Stuttgarter Tor seine Präsenz belässt. Durch das Vorrücken des neuen Museums an die Straße entsteht ein abgeschlossenes Ensemble.
Der Gesamtstruktur liegt eine städtebaulich sinnvolle und modulare Umsetzbarkeit zu Grunde.
Das Gebäude der neuen Stadtverwaltung zwischen Eberhardtstraße und Stadtbahnhof wird zum Gleiskörper geschickt konkav ausgeformt und nimmt einerseits die Fluchten der nördlichen Bebauung auf, andererseits folgt sie dem Verlauf der Stadtbahn. Die Stadtbahn fährt in das Gebäude hinein und bietet im Endzustand einen überdachten Hof. Allerdings wird für Stadtbahn hier eine deutlich breitere Aufweitung im Erdgeschoss notwendig sein.  
Sollte die Stadtbahn an dieser Stelle eine andere Realisierung erfahren, bedingt dies keine Änderung der städtebaulichen Ausformung.
Aussagen zum Mobilitätskonzept und Fahrradparken sind nicht erkennbar. Die Durchwegung des autofreien Quartiers für Fußgänger und Radfahrer ist grundsätzlich gegeben. Die Pkw-Stellplätze sind in Tiefgaragen unter den Gebäuden verortet.
Die Arbeit bietet ein stabiles städtebauliches Grundgerüst an, in das das Museum selbstverständlich integriert ist.

Hochbaulicher Realisierungsteil:
Die Dauerausstellung des Industriemuseums ist zu großen Teilen unterirdisch vorgesehen. Dies ermöglicht oberirdisch eine Komposition eines Dreiklangs aus Bestandsschreinerei, historischer Mauer und Neubau, die um einen wohlproportionierten Museumspatio angeordnet  sind. Der Gebäudekonzeption wird aus museologischer Sicht eine gute Eignung bescheinigt.
Der Neubau folgt in seiner Fassadengestaltung dem Rhythmus des Vorgängerbaus und komplettiert die Anlage gekonnt. Die Verwaltung ist zum gebäudehohen Foyer orientiert und hat keinen direkten Außenbezug. Diese Lösung wird vom Preisgericht kritisch gesehen. Auch die überwiegend unterirdische Anordnung der Dauerausstellungsbereiche und die Angemessenheit des gebäudehohen Foyers wurden im Preisgericht kontrovers diskutiert.
Die Anlieferung erfolgt direkt in einen Lastenaufzug, was jedoch keine Synergie mit dem Bestandsmuseum ermöglicht.
Die wirtschaftlichen Kenndaten liegen bzgl. der BGF über dem Durchschnitt, der BRI liegt unter dem Durchschnitt der Arbeiten.  
Die architektonische Komposition des Museums und seine Verbindung mit den Wandelhallen überzeugen. Diese charmante Lösung wird mit einer größtenteils unterirdischen Anordnung der Ausstellungsbereiche und einer nicht optimalen Beziehung von Foyer und Verwaltung erkauft, die am Ende nicht ganz überzeugen wollen.
Nach oben