Anerkennung

tobeSTADT, Frankfurt a.M. mit AO Landschaftsarchitekten, Mainz und Komobile w7 GmbH, Wien (Tarnzahl 1006)

Die Arbeit zeichnet sich durch eine ehrliche und klare Bejahung des industriellen Charakters sowie durch eine konsequente Verflechtung mit der Umgebung aus.  
Als übergeordnete Verknüpfung Richtung Innenstadt dient eine entlang den Gleisen angeordnete Industriemeile, die prinzipiell positiv bewertet wird, deren Weiterführung über das Gebiet hinaus jedoch nur angedeutet ist. Mit gut platzierten Hochpunkten, Plätzen oder Hubs werden Anknüpfungspunkte an die umgebenden Quartiere definiert und durch ein robustes Netz innerer Freiräume durch das Gebiet hindurch verknüpft. Mit ergänzenden Baustrukturen nördlich der Gleise sowie am südlichen Rand werden die Ränder des Quartiers und die Anbindung an die Nachbarquartiere gestärkt.  
Der Realisierungsteil ist durch einfache Kubaturen in großer Körnung geprägt, die eine funktionale und flexible Nutzung erlauben. Die Qualität der architektonischen Ausführung bekommt damit aber eine hohe Bedeutung für die Erscheinung der Stadträume, was vom Preisgericht eher kritisch gesehen wird.  
Die modulare Gliederung der gewerblichen Nutzungen entspricht dem Zukunftstrend der Industrie 4.0 und der industriellen Fertigung. Dieses Konzept geht in die richtige Richtung wird aber nicht zu Ende gedacht und lässt viele Fragen offen. Für einige Gebäude werden Konzeptionen angedeutet: Im Gebäude „Anker“ beispielsweise werden Hallen- und Lagerfläche in Parzellen angeboten, in der „Große Halle“ finden sich beiderseits einer innenliegenden LKW Durchfahrt containerartige Parzellen, die mit dem Label „Fabrikation“, „CoWorking“ sowie „Variation“ ausgewiesen werden. Diese Nutzungs-Konzeptionen werden als wertvoll und zukunftsweisend bewertet, müssten aber hinsichtlich der Betreiber- und Finanzierungsmodelle noch weiter durchdacht werden.  
Der großzügig gestaltetet Platz/Freiraum am RSB-Halt ist richtig platziert und durch die beiden Neubauten angemessen betont, wird in seiner Dimensionierung jedoch kontrovers diskutiert. Die Darstellungen zur Aufwertung der sonstigen Freiräume (Straßen, Plätze) bleiben leider eher schematisch und vage. Zum Management des Niederschlagswassers und zu stadtklimatischen Aspekten werden keine Aussagen gemacht. Kritisiert wird der hohe Versiegelungsgrad.
Der Lückenschluss der B 464 verläuft an allen Knotenpunkten in Tieflage: Dies ist hinsichtlich des Stadtbilds und des Lärmschutzes vorteilhaft ist, maximiert aber Trennwirkung und Kosten der Querspange. Die geplante Schließung der Siemensstraße für den Kfz-Verkehr sowie die Wohnbebauung im Nordwesten des Gebiets vom Bau der Querspange abhängig. Die entlang der Gleise geführte Erschließung für den Schwerverkehr wird vom Preisgericht kritisch gesehen, da hier aufgrund der 24h-Anlieferung unzumutbare Belastungen des gegenüberliegenden Wohngebiets zu erwarten sind, die einer kurzfristige Realisierung vermutlich im Wege stehen.
Die Erschließung ist insgesamt unzureichend erklärt und präzisiert. Der „Außenring“, der das „Produktions-Boulevard“ vom Kfz-Verkehr entlasten soll, umfasst nicht das gesamte Gebiet und scheint entkoppelt zu sein von den ansatzweise dargestellten Mobilitätshubs. Das Erschließungskonzept bedarf damit einer erheblichen Präzisierung. Eine zeitgemäße Lösung erscheint jedoch nach einer Weiterentwicklung der Planung möglich.
Insgesamt ist der Beitrag ein robustes, funktionales und ehrliches Konzept, das jedoch leider in vielen Teilen sehr schematisch bleibt.
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