Wespen & Hornissen

„Es ist gelb-schwarz und kann fliegen …“

Diese Beschreibung passt auf zahlreiche Insekten, die uns im Wohnumfeld begegnen: Honigbiene, Wildbiene, Hummel, Schwebfliege, Wespe, Hornisse und viele mehr.

Sächsische Wespe auf Wilder Möhre. Foto: T. Ayoub
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Begegnungsstätte Stadtgebiet

In der Sommerzeit herrscht Hochsaison der Insekten. Schwirrend und summend sind sie – zum Glück! – auch im Siedlungsbereich anzutreffen.
Dennoch ist es im Wohnumfeld mit der Euphorie um die gelb-schwarzen Bestäuber schnell vorbei. Dann nämlich, wenn Wespen und Hornissen den Lebensraum mit uns teilen. Vielen bereitet der Wehrstachel der Tiere Sorge.

Friedliche Summer

Während sich viele BürgerInnen über Natur in der Stadt freuen, ist der Ruf der gelb-schwarzen Summer auch in Zeiten des Insektenrückgangs nicht der Beste. Oftmals reicht die bloße Anwesenheit der Tiere, um Unbehagen auszulösen. Sie werden pauschal als lästig, aggressiv und gefährlich abgetan – zu Unrecht.
Die friedlichen Zeitgenossen sind mit dem Aufbau ihres Wespenstaates beschäftigt und wenig daran interessiert, uns zu stechen. Lediglich zwei Arten machen dem Rest das Leben schwer: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Ihre Angewohnheit, Getränke und Speisen anzufliegen, sorgt für entsprechenden Unmut.

Nützliche Summer

Hornissen spielen eine wichtige Rolle im Naturhaushalt. Wenigen ist bekannt, dass sie eine Menge anderer „lästigerer“ Insekten – darunter vermehrt vorkommende „aufdringlichere“ Wespenarten – jagen und an ihre Brut verfüttern. In Gärten und Streuobstwiesen tragen sie so zum Erhalt des ökologischen Gleichgewichts bei und sind auch im Wohnumfeld nützlich.

Wespen im Rollladenkasten

Bevorzugt nisten staatenbildende Wespen in dunklen Baum- oder Erdhöhlen. Sie nehmen aber auch mit künstlichen Hohlräumen im und am Haus vorlieb. Mit zunehmender Knappheit natürlicher Nist- und Nahrungsangebote werden urbane Lebensräume auch für Insekten interessant. Hier finden sie anthropogen geschaffene Lebensraummöglichkeiten. Was ihren „Ersatzwohnsitz“ im menschlichen Siedlungsbereich betrifft, werden Hornissen und Wespen gerne kreativ. Je nach Art bauen sie ihre Nester beispielsweise in Gartenlauben und Dachböden, aber auch in anderen Hohlräumen wie Rollladenkästen, Fahrradboxen oder Gießkannen.

BürgerIn trifft Summer

Tipps für ein harmonisches Miteinander:

  • Wer ein Nest entdeckt, sollte nicht in Panik geraten.
  • Keine hektischen und schnellen Bewegungen
  • Störungen vermeiden: nicht schütteln, anstupsen, schlagen, hineinsprühen oder -pusten
  • Hauptflugbahn zum Nest nicht versperren
  • Fenster und Terrassentür ggf. mit Fliegengitter abdecken
  • Speisen und süße Getränke abdecken und vor Verzehr auf Wespen prüfen
  • Parfüm und Duftstoffe ziehen die Tiere an
  • Wespen meiden den Duft von Zitronen und Nelken
  • AllergikerInnen sollten besondere Vorsicht walten lassen
  • Fleißige Summer aus der Distanz beobachten – faszinierend und sicher!

Rechtlicher Schutzstatus

Wie alle wild­lebenden Tiere, stehen sämtliche Wespen­arten unter dem allgemeinen Schutz des Bundes­natur­schutz­gesetzes (§ 39 BNatSchG). Ohne vernünftigen Grund dürfen sie nicht mutwillig beunruhigt, aus der Natur entnommen, geschädigt, gefangen oder getötet werden. Ihre Nester (Lebensstätten) dürfen nicht zerstört werden.
Darüber hinaus stehen manche Arten, wie beispielsweise Hornissen, unter besonderem Artenschutz (§ 44 BNatSchG). Hier greifen die obig aufgeführten Verbotstaten. Diese gelten hier auch für Entwicklungsformen der Tiere, beispielsweise Eier oder Larven. Darüber hinaus dürfen Fortpflanzungs- und Ruhestätten nicht beschädigt oder zerstört werden. Ihre Beseitigung erfordert eine Genehmigung der Natur­schutz­behörde im Landratsamt. 

Wer entgegen den rechtlichen Artenschutzbestimmungen handelt, muss mit Geldstrafen rechnen. Solche gesetzeswidrigen Handlungen werden in Baden-Württemberg mit einer Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro geahndet.

An wen kann ich mich wenden?

Sie haben ein Wespen- oder Hornissennest bei sich entdeckt? Oftmals kann eine Umsiedlung oder gar Beseitigung durch fachgerechte Aufklärung verhindert werden.
Behördliche AnsprechpartnerInnen beraten und informieren Sie zu Fragen des allgemeinen Artenschutzes, Wespen und Hornissen und vermitteln AnsprechpartnerInnen zur Umsiedlung von Nestern. Kontaktdaten siehe unten.

Wie helfe ich Wespen?

Tipps für BürgerInnen

Sie möchten Wespen und Hornissen etwas Gutes tun und aktiv die naturschutzfachliche Arbeit im Hornissenschutz unterstützen?
  • Neue „Nachbarn“ tolerieren
    Da wo sie nicht stören, können Sie bewohnte Wespennester hängen lassen und sich mit den neuen „Nachbarn“ arrangieren. Zum Winter hin sind die Summer wieder ausgezogen und werden das alte Nest auch im nächsten Jahr nicht wieder beziehen. Wenn Sie das alte, leere Nest abnehmen, ist hier wieder Platz für ein neues.
  • Nist- und Nahrungsangebote für Wespen schaffen
    Die naturnahe Gestaltung von Garten und Gütle erfreut tierische „Mitnutzer“. Davon profitieren auch Wespen, die hier ihre für die Brutaufzucht benötigte proteinreiche Nahrung in Form von Insekten erbeuten.
    Natürlicherweise nisten Hornissen und Wespen in Hohlräumen alter Bäume. Indem Sie diese auf Ihrem Grundstück erhalten, fördern Sie nicht nur das Nistplatzangebot, sondern bieten den Summern eine Alternative zum –  bei vielen weniger beliebten –  Nistplatz in und am Haus.
    Obstbäume kombinieren Nist- und Futterplatz. Wer der Mitnutzung seiner Bäume durch die Tiere mit Toleranz begegnet, hat bereits viel für sie getan.
  • Nester aufnehmen
    Bei einer erforderlichen Umsiedlung muss das entsprechende Nest an einen neuen Platz umgesetzt werden. Indem Sie beispielsweise einen Platz in Ihrem Garten oder auf Ihrem Gütle als neuen „Wohnort“ anbieten, helfen Sie den Summern über die Saison und entlasten ehrenamtliche FachberaterInnen.

    Nur zur Zwischenmiete: Im Gegensatz zur Honigbiene überwintern bei Wespen und Hornissen ausschließlich Königinnen. Dies bedeutet, dass Nester nur vom Frühsommer bis Herbst genutzt sind. Darüber hinaus beziehen Wespen und Hornissen ihre Nester nur für eine Saison und suchen sich im nächsten Jahr einen neuen Nistplatz!
  • FachberaterIn werden
    Ehrenamtliche FachberaterInnen unterstützen den behördlichen Artenschutz, indem sie BürgerInnen vor Ort Beratung und praktische Hilfe bieten. Sie sind speziell geschult und qualifiziert, um fachgerechte Hinweise zu geben und mit behördlicher Genehmigung Hornissennester umzusiedeln.

    Fortbildungsseminare zur bzw. zum ehrenamtlichen „FachberaterIn für Hornissen- und Wespenfragen“ bietet beispielsweise die Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg an. Diese Schulungen finden unter anderem am Umweltbildungszentrum Listhof statt.

    Mit Ihrer Teilnahme bilden Sie sich nicht nur theoretisch und praktisch fort, sondern leisten durch Ihr ehrenamtliches Engagement einen wichtigen und unverzichtbaren Beitrag zum Artenschutz.

Wissenswertes: Wespen und Hornissen

Wenn wir an „Wespen“ denken, meinen wir meist die wenigen staatenbildenden Wespen („soziale Faltenwespen“). Dazu zählen lediglich acht der über 600 in Deutschland vorkommenden Wespenarten. Es sind zwei Arten, die dem Rest das Leben schwermachen: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Ihre Angewohnheit, Speisen und Getränke anzufliegen, sorgt für entsprechenden Unmut.

Kleine Summer-Kunde

Der umgangssprachliche Sammelbegriff „Wespe“ bezieht sich auf Vertreter der sogenannten Echten Wespen. Zu ihnen zählen die Hornissen, Kurzkopfwespen (z. B. Deutsche Wespe, Gemeine Wespe und Rote Wespe) und Langkopfwespen (z. B. Mittlere Wespe, Waldwespe, Sächsische Wespe). Gemeinsam mit den Feldwespen bilden sie die „sozialen Faltenwespen“ oder „Papierwespen“. Letztere Bezeichnung leitet sich aus den papierhaften Nestern ab, die sie in typischer Weise aus zerkautem Holz bauen.

Das Jahr der Wespen

Alle sozialen Faltenwespen verbindet ein ähnlicher Jahreszyklus:
  • Nistplatzfindung im Frühjahr
  • Nestbau
  • Staatenbildung
  • Volksvergrößerung
  • Paarung der Geschlechtstiere
  • Absterben des Volkes
  • Überwinterung Jungköniginnen

Im Folgenden erfahren Sie genauer, wie das Leben im Wespenstaat abläuft:

Im Gegensatz zur Honigbiene überwintert bei Wespen und Hornissen ausschließlich die Königin. Im Frühjahr halten die im Vorjahr begatteten Jungköniginnen Ausschau nach geeigneten Nistplätzen. Jede von ihnen gründet in diesem Jahr einen neuen Staat. Es ist ihr erster und einziger.

Ist ein Nistplatz gefunden, beginnt die Königin mit dem Bau eines Nestes, das sie aus abgeschabtem Holz und Speichel fertigt. Parallel wird die Außenhülle des Nestes angelegt. Bei Nestern, die in Höhlen oder Hohlräumen gebaut werden, fehlt sie.

In die sechseckigen Wabenzellen, welche als Brutkammern dienen, legt sie jeweils ein Ei. Befruchtet werden diese mit gespeicherten männlichen Geschlechtszellen aus Paarungen im Vorjahr. Nach fünf bis zehn Tagen schlüpfen daraus Larven, die die Königin nun zwei Wochen lang mit Nahrung versorgen muss.

Anschließend verpuppen sich die Larven und bleiben so weitere zwei Wochen im Puppenstadium. Diese Zeit nutzt die Königin, um erneut Eier zu legen und neue Larven heranzuziehen. Sind die ersten Töchter (Arbeiterinnen) geschlüpft, übernehmen sie die Nahrungsversorgung und den weiteren Nestbau. Dabei formen sich schrittweise die einzelnen „Etagen“ eines Nestes, die Waben.

Die Königin widmet sich nun nur noch der Eiablage. Zwischen Juni und August wächst so die Kolonie heran. Hormonelle Duftstoffe (Pheromone), die die Königin verbreitet, sorgen dafür, dass ihre Arbeiterinnen selbst unfruchtbar sind.

Mit fortschreitender Jahreszeit werden größere Waben für die deutlich größeren „Geschlechtstiere“, also Jungköniginnen und Männchen (Drohnen) angelegt. Je nach Wespenart werden diese zwischen Ende August und Ende September herangezogen.

Wenn die Tage der Königin zur Neige gehen, reduziert sich die Pheromonproduktion. Dadurch sind Drohnen und Jungköniginnen, im Gegensatz zu den Arbeiterinnen, fruchtbar und paarungsfähig. Sie verlassen den Staat, um sich mit Artgenossen anderer Staaten zu vermehren.

Während die alte Königin, ihre Arbeiterinnen und Drohnen noch vor dem Winter sterben, suchen begattete Jungköniginnen nun ein Winterquartier auf.
 
Übrigens: Bis auf die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe zeigen Wespen und Hornissen einen relativ kurzen Lebenszyklus und sterben bereits Mitte August bis Mitte September ab. Wespenvölker die Ende September noch verstärkt fliegen, können den beiden „lästig werdenden“ Arten zugeordnet werden.

Zum Weiterlesen

05.08.2014
Ausgerechnet in der dunklen Ecke zwischen Garagendach und -tor haben sie sich häuslich niedergelassen. Klar, dass die Hornissen dort nicht bleiben können.Was tun?

Kontakt

Frau Barbara Fischer

Altlastenbeauftragte der Stadt Reutlingen

Telefon: 07121 303-2639

Fax: 07121 303-2272

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